Berlin kann Baustelle. Mitunter wird auch mal eines der zahlreichen Dauerprojekte fertig. Nach 14 Jahren Bauzeit ist die Staatsbibliothek Unter den Linden nun umfassend saniert und modernisiert.

Ursprünglich sollten die Arbeiten an dem riesigen Komplex zunächst 2012, dann 2016 beendet sein. Nun wird im Mai 2020 wieder komplett eröffnet. Auch die Kosten sind deutlich gestiegen: 326 Millionen Euro standen mal in den Unterlagen, nun wird mit etwa 470 Millionen gerechnet.

Unter den Linden gilt für Berliner Verhältnisse als Prachtboulevard. Die Allee zwischen Brandenburger Tor und rekonstruiertem Stadtschloss hat jetzt fast 75 Jahre nach Kriegsende einen ihrer markantesten Bau zurück in neuem altem Glanz. Schon von außen ist die Veränderung an dem monumentale Gebäude erkennbar: Mit einer 35 Meter hohen Kuppel hat die Staatsbibliothek ihre ursprüngliche Silhouette wieder. Das Original war 1941 durch eine Bombe zerstört und nach dem Krieg nicht wieder aufgebaut worden.

Einige Stockwerke darunter liegt die imposante Haupttreppe mit einem neuen Tonnengewölbe von Stararchitekt Hans-Günter (HG) Merz, der für das Gesamtkonzept der Arbeiten verantwortlich ist. Die Treppe gehört zur nun wieder begehbaren historischen Achse durch den Gebäudekomplex mit Eingangshalle und Brunnenhof, über die Nutzer jetzt den bereits 2012 eröffneten großen Lesesaal erreichen können.

Die Staatsbibliothek ist die größte wissenschaftliche Universalbibliothek im deutschsprachigen Raum. In ihren Regalen und Archiven finden sich etwa 25 Millionen Medien und Objekte. Zu den größten Schätzen zählen dabei die originalen Partituren etwa von Beethovens Neunter Sinfonie, Mozarts großen Opern wie der „Zauberflöte“ oder 80 Prozent von Bachs Handschriften, darunter etwa die Passionen.

„Wir haben bei laufendem Betrieb umgebaut, das war nicht einfach für Mitarbeiter und Benutzer“, sagte die Generaldirektorin der Staatsbibliothek, Barbara Schneider-Kempf, am Freitag. Nun kann sie am Montag die Schlüssel für ihr Haus von der Präsidentin des federführenden Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, Petra Wesseler, entgegennehmen. Bis zur kompletten Eröffnung im Mai müssen laut Schneider-Kempf nun die Leseräume eingeräumt werden oder Mitarbeiter umziehen. Ein geplantes Bibliotheksmuseums soll im dem gut 100 000 Quadratmeter Grundfläche umfassenden Komplex bis 2021 entstehen.

Neben dem Standort Unter den Linden gibt es noch ein zweites Haus der in Berlin auch nur kurz „Stabi“ genannten Bibliothek am Potsdamer Platz. Der gut 40 Jahre alte Bau von Hans Scharoun gilt als herausragendes Beispiel der Architektur der Moderne. Auch dort muss nun umfassend saniert werden. Mit Gerkan, Marg und Partner ist erneut ein renommiertes Architekturbüro für die Arbeiten ausgewählt worden. Die Sanierung wird wieder Jahre dauern. Noch ist nicht klar, wie viele. Auch die Kosten sind noch unbekannt - ebenso wie deren möglicher Anstieg.

Informationen zum Bauprojekt

Staatsbibliothek