Stuttgart Beliebte Bibliotheken

Auch Flüchtlinge suchen einen Ort zum Lernen, hier etwa in der Stadtbibliothek Stuttgart.
Auch Flüchtlinge suchen einen Ort zum Lernen, hier etwa in der Stadtbibliothek Stuttgart. © Foto: dpa
Stuttgart / DPA 23.04.2016
Flüchtlinge suchen außerhalb ihrer Unterkünfte einen Ort zum Lernen. In Stadtbibliotheken finden sie Arbeitsplätze - und die nötige Ruhe.

Flüchtlinge drängen in die Bibliotheken im Land - die Betreiber klagen vermehrt über Platzmangel. "Die Leute bleiben lang, das bringt uns an Grenzen", sagt die Geschäftsführerin des Bibliotheksverbands in Baden-Württemberg, Monika Ziller. Neben Flüchtlingen, die Bibliotheken als Lern- und Aufenthaltsort schätzten, an dem sie Internet nutzen können, kämen auch immer mehr Schüler zum Arbeiten in die Bibliothek.

Die Städte reagieren mit unterschiedlichen Ideen, um Gerangel und Platznot zwischen den Bücherregalen zu vermeiden. In Heilbronn, Mannheim und Stuttgart sind die Arbeitsplätze in den Bibliotheken nachmittags so gut wie alle besetzt. "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst", sagt die stellvertretende Leiterin der Stadtbibliothek Mannheim, Edith Strohm-Feldes. Man versuche, die neuen Nutzer in Außenstellen zu lotsen, etwa mit einer dort angebotenen internationalen Zeitungsdatenbank.

Die Stadtbibliothek Heilbronn hat seit vergangenem Sommer 700 kostenlose Leseausweise an Flüchtlinge ausgegeben, damit machen sie knapp vier Prozent der 18.000 Bibliotheks-Nutzer aus. Die Leiterin Monika Ziller fordert, dass die Träger der Büchereien das Platzproblem langfristig angehen. Man könne zum Beispiel die Bücherbestände verdichten, damit Raum für Arbeitsplätze entsteht. Die Stuttgarter Bibliothek hat schon mehr Arbeitstische aufgestellt, teilt Sprecherin Meike Jung mit. Besonders auf dem Stock mit Lernmaterial für Deutsch als Fremdsprache sei die Ausleihezahl 2015 nach oben geschnellt. Wörterbücher und Wortschatztrainer wurden knapp 1600 Mal ausgeliehen, im Vorjahr waren es nur 50 Ausleihen. Auch die zur Verfügung stehenden Laptops würden dort am häufigsten genutzt, sagt Jung. Die Bibliothek sei aber fähig, den Bedarf zu decken.

Wie mit der neuen Kundschaft umgehen? Die Kommission für interkulturelle Bibliotheksarbeit des Deutschen Bibliotheksverbands wird mit Anfragen überhäuft. In sogenannten Webinaren - Seminaren im Internet - klärt sie über geeignete Bücher für fremdsprachige Nutzer und den Aufbau von Führungen für Flüchtlinge durch die Bibliothek auf. Viele Bibliotheken hätten aber ein Etatproblem, sagt Kommissionsmitglied Nadin Cicek, die Leiterin der Bücherei in Nordheim (Kreis Heilbronn). Aktuell verteilt das Kultusministerium 50.000 Euro an Bibliotheken im Land, um Lernstationen für Flüchtlinge einzurichten.

Gelassen sieht man die Situation in Freiburg, Karlsruhe und Ulm, wo Flüchtlinge zwar zur Kundschaft gehören, aber kein Platzmangel besteht. Die Flüchtlingsheime in Freiburg seien mit W-Lan ausgestattet, teilt ein Stadtsprecher mit. Alexander Rosenstock von der Ulmer Bibliothek berichtet, die 140 Arbeitsplätze in seinem Haus seien etwa vor dem Abitur immer mal wieder voll belegt. Dass jemand aber "nicht an einen Katalogplatz konnte, weil die Flüchtlinge da sind", habe er noch nie gehört. Er sieht es als moralische Pflicht der Bibliotheken, jedem den Zugang zur Bibliothek zu ermöglichen und mittelfristig ein Angebot zu machen. Die Flüchtlinge seien präsent in der Bibliothek - "meistens sehr unauffällig und dankbar".

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel