Kultur-Rekorde Beatles liegen ganz weit vorn

Ulm / Von Helmut Pusch 10.08.2018

John Lennon war immer etwas genervt, dass jeder Stehgeiger, der ihn erblickte, sofort „Yesterday“ anstimmte. Gut, Lennon und Paul McCartney hatten sich darauf geeinigt, bei den Beatles als festes Songwriter-Duo zu agieren, aber „Yesterday“, dem Produzent Sir George Martin über Nacht ein feines Streichquartettgewand  gewebt hatte, ist nun mal ein hundertprozentiger McCart­ney-Song – und der absolute Rekordhalter. Er gilt als der Popsong, von dem es die meisten Versionen anderer Künstler gibt.

„Cover-Version“ nennt man das, was deutsche Popkünstler recht erfolgreich in der TV-Show „Sing meinen Song“ zelebrieren. Wie oft genau „Yesterday“ von anderen aufgenommen wurde, weiß man nicht, die britische Urheberrechtsgesellschaft Mechanical Copyright Protection Society, kurz MCPS, die Schwestergesellschaft der deutschen Gema, führt darüber kein Buch. Fachleute gehen aber von mindestens 2000 Versionen aus, andere schätzen die Zahl der Versionen  auf mehr als 4000.

Überhaupt Lennon und McCartney: Sie tauchen in der im Internet vielfach verbreiteten Liste der 20 meistgecoverten Songs gleich sechsmal auf. Neben Lennons Solohit „Imagine“, der es auf mehr als 200 Coverversionen bringt, „Eleanor Rigby“ (140+), „Let it be“ und „Hey Jude“ (je 120+), „And I love her“ (100+)  liegt „Come Together“ auf Platz 17. Die ewigen Konkurrenten, die Stones, bringen es gerade mal auf einen Song in den Top 20: „I Can Get No Satisfaction“ mit etwa 60 Cover-Versionen.

Auf Platz zwei der meistgecoverten Songs steht Ben E. Kings „Stand By Me“ mit mehr als 400  Versionen vor Leonard Cohens größtem Hit „Hallelujah“, von dem es mehr als 300 Aufnahmen gibt, und „Bridge Over Troubled Water“ von Simon & Garfunkel (150+). Bill Withers „Ain’t No Sunshine“ bringt es auf 130 Versionen und Sinatras „My Way“ wenigstens noch auf 120.

Wie sehr ein gelungenes Cover einem Song seinen Stempel aufdrücken kann, zeigt „Killing Me Softly“. Den Song hatten Norman Gimbel und Charles Fox ursprünglich für die US-Sängerin Lori Lieberman geschrieben. Sie gab die Anregung dazu, nachdem sie ein Konzert von Don McLean gehört hatte und tief von dessen Lied „Empty Chairs“ beeindruckt war. Richtig berühmt wurde aber die Version von Roberta Flack, die einige Monate später erschien.

Apropos Don McLean: Dessen Buddy-Holly-Hommage „American Pie“ fehlt ebenso in den Top 20 wie auch erstaunlicherweise Songs von Buddy Holly oder Bob Dylan. Und noch zwei Namen fehlen, die selbst die Beatles auf ihrem ersten Album gecovert hatten – Chuck Berry („Roll over Beethoven“ und „Rock ’n‘ Roll Music“), der diese Hits aber schon in den 50ern geschrieben hatte, und jene Frau, die sich zumindest Paul McCartney damals zum Vorbild einer erfolgreichen Songwriterin genommen hatte: Carole King, deren „Chains“ die Beatles damals nachspielten.

Wie gesagt: Diese Liste umfasst nur Songs von den 60ern bis heute. Denn die Jazzstandards wurden ungleich häufiger eingespielt. Allein von George Gershwins „Summertime“ aus „Porgy and Bess“ soll es viel mehr Coverversionen geben: nämlich rund 40 000.

Unsere Sommerserie

Welcher Song wurde in der Popgeschichte am häufigsten gecovert? Welche Figur tauchte in Kinofilmen oder im Fernsehen am häufigsten auf? Mit solchen und weiteren Kultur-Rekorden beschäftigen wir uns
in unserer Sommer-Serie.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel