Bayreuth / JÜRGEN KANOLD Ein eher glanzloses „Rheingold“ bot der polnische Altmeister Marek Janowski, der neue „Ring“-Dirigent der Bayreuther Festspiele.

Es ist die Saison der späten Dirigenten-Debüts auf dem Grünen Hügel. Hartmut Haenchen, 73, überzeugte im „Parsifal“ als Einspringer trotz weniger Proben. Jetzt ist mit Marek Janowski, 77, ein anderer Wagner-Experte mit dem „Ring des Nibelungen“ am Start. Der Warschauer hat im vierten Jahr der umstrittenen Castorf-Inszenierung den gefeierten Kirill Petrenko abgelöst, der als Münchner Generalmusikdirektor endlich in den Opernfestspielen das Publikum begeistern darf.

Janowski also jetzt in Bayreuth: eine Legende. Sein „Ring“ mit der Staatskapelle Dresden aus den frühen 80ern gehört zu den Klassikern im Plattenschrank, zuletzt zelebrierte er die Wagner-Werke groß und konzertant auch für die CD als langjähriger Chef des Berliner Rundfunk-Sinfonieorchesters. In den 90ern hatte sich Janowski, der unter anderem GMD in Köln war, aus dem Opernbetrieb zurückgezogen: Das Regietheater war diesem akribischen, kompromisslosen Klangarbeiter auf die Nerven gegangen. Und jetzt ausgerechnet Frank Castorfs „Ring“?

Wer derart die Musiksprache Wagners verehrt, kann den Ruf aus Bayreuth natürlich nicht abschlagen: am Originalschauplatz dirigieren, die wunderbare Akustik erkunden. Nun, nach dem ersten Höreindruck, nach der zweieinhalbstündigen Premiere des „Rheingolds“ im subtropisch schwülen Festspielhaus, machte sich zunächst Enttäuschung breit: Der gleichwohl bejubelte Janowski vermochte eigentlich keine Akzente zu setzen, weder herausgefeilte Details waren zu erleben noch ein romantischer  Zauber. Der Pole machte durchaus Tempo, spitzte zu, hielt aber jede Emphase unterm Deckel; und das Orchester spielte nicht nur glanzvoll. Vielleicht war Janowski doch entsetzt über die Regie: Das „Rheingold“ als Seifenoper im Wilden Westen, in einem Motel an der Route 66 mit nuttigen Rheintöchtern am Pool und Wotan als fiesem Mafioso. Nun, das war ja  erst der Vorabend für Janowski, mal sehen, was bis Sonntag, bis zur „Götterdämmerung“ des Vierteilers, noch folgt.

Die Sänger dürfen sich in diesem „Ring“ auch noch steigern: Iain Paterson singt den Wotan blass, Roberto Saccà passt als Loge schauspielerisch perfekt ins schmierige C-Movie-Milieu, ihm fehlt allerdings das lyrische Feuer. Große Klasse aber wieder Nadine Weissmann als güldene Edel-Braut Erda mit kostbarstem Mezzo und Günther Groissböck als heldisch-charaktervoller Fasolt.