Stuttgart / DPA

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) will alle Staatlichen Museen, Hochschulen und Universitätskliniken im Land auffordern, ihre Bestände auf menschliche Überreste aus der Kolonialzeit zu überprüfen. Eine Sprecherin des Ministeriums bestätigte einen entsprechenden Bericht der Südwest Presse (Freitag). Ein Schreiben mit der Aufforderung soll am Freitag verschickt werden.

Bauer schreibt: „Ich beabsichtige, menschliche Überreste, bei denen davon auszugehen ist, dass sie in einem Unrechtskontext erworben wurden, konsequent an die Herkunftsstaaten beziehungsweise Herkunftsgesellschaften zurückzugeben.“ Die Rückgabe solle unabhängig davon erfolgen, ob die Überreste im Zusammenhang mit dem deutschen Kolonialismus oder dem eines anderen Landes erworben wurden.

Das Land Baden-Württemberg will am Freitag zehn Schädel indigener Menschen an Australien zurückgeben. Staatssekretärin Petra Olschowski wird sie in einem feierlichen Akt im Linden-Museum in Stuttgart der Botschafterin sowie Vertretern der australischen Regierung und der Aborigines aushändigen. Zwei Schädel kommen aus dem Bestand des Linden-Museums, acht Schädel von der Universität Freiburg.

Die zwei Schädel des Linden-Museums waren laut Wissenschaftsministerium 1905 beziehungsweise 1931 nach Stuttgart gelangt. Viele Schädel seien im Zusammenhang mit der „Rassenforschung“ oder der „Rassenkunde“ in die medizinischen Sammlungen und Völkerkundemuseen gelangt.

Auch in anderen Bundesländern wurden bereits menschliche Überreste aus der Kolonialzeit an die Herkunftsländer zurückgegeben.