Dirigent Barenboim lobt die Akustik der neuen Staatsoper

Freut sich auf
die Rückkehr: Daniel Barenboim.
Freut sich auf die Rückkehr: Daniel Barenboim. © Foto: dpa
Berlin / dpa 30.09.2017

Seit mehr als einem Vierteljahrhundert steht Daniel Barenboim an der Spitze der Berliner Staatsoper. Endlich kehrt das Ensemble wieder in sein Haus zurück – sehr zur Freude des 74-jährigen Dirigenten.

Sieben Jahre Bauzeit, Millionen Mehrkosten – hat sich der Aufwand gelohnt?

Daniel Barenboim: Ich bin sehr zufrieden, die Akustik ist außerordentlich gut geworden – für die Konzerte auf der Bühne, aber auch im Graben für die Oper. Ich habe das Haus zwar noch nicht mit Publikum erlebt, aber das wird sicher nicht anders sein. Mit der Nachhallgalerie verlängert sich der Klang im Raum von bisher 0,9 auf 1,6 Sekunden. Wir haben die richtige Balance hinbekommen zwischen einem über­akustischen Saal, wie er zum Beispiel in einer Kathedrale ist, und einem stumpfen Raum, der den Klang schluckt. In der Staatsoper wird die Musik außerordentlich durchsichtig sein.

Das alles mit knapp einer halben Sekunde mehr Nachhall?

Man spricht ja immer über den Klang als Farbe. Das ist aber subjektiv. Was für mich hell ist, kann für jemand anderen dunkel sein. Das Objektive in der Musik ist die Ausdauer des Klangs, sein Gewicht. Klang wird durch Energie erzeugt – bei jedem Instrument anders. Und den Klang muss man halten, sonst stirbt er. Somit steht der Klang immer in Beziehung zur Stille. Wenn ich den Ton nicht halte, erlischt er. Diese Frage von Leben und Tod des Klangs ist eine zentrale Dimension der Musik. Der Nachhall ist die Chance, dass Musik länger leben kann.

Wie sehen Sie Ihre Zukunft an der Staatsoper?

Das Orchester hat mich auf Lebenszeit ernannt. Vermutlich wusste es nicht, dass es so lange dauern würde. Aber im Ernst: So lange ich fit bin und das Orchester neugierig auf mich, werde ich bleiben. Es ist ja nicht selbstverständlich, dass ein Orchester so lange mit einem Dirigenten zusammenarbeitet, schon 26 Jahre in unserem Fall. Es gibt vielleicht den einen oder anderen, der mich nicht mag. Aber in der Musik sind wir alle gemeinsam auf der Suche nach dem Gleichklang. Als wäre das Orchester eine kollektive Lunge.