Roman Aus den Zeiten der Unruhen

Ulm / Otfried Käppeler 13.10.2018

Surab ist arbeitslos. Das Geld verdient seine Frau, er kümmert sich um die Kinder. Das klappt so lange, bis im Nachbarhaus ein junger Mann einzieht, den Surab fortan beobachtet. Dieser bekommt nachts regelmäßig Besuch von seinem Liebhaber. Surab findet heraus, dass es sich um ein hohes und verheiratetes Mitglied des Geheimdiensts handelt. Daher die Heimlichtuerei. Das Beobachten wird für Surab zu einer Obsession, ob derer er seine Familie vernachlässigt.

Eingebettet ist die Handlung in die Geschehnisse des Sommers 2012 in Tiflis mit den Unruhen kurz vor dem politischen Umsturz in Georgien. Davit Gabunia splittet seinen Roman „Farben der Nacht“ zwar nicht in verschiedene Ich-Perspektiven auf, doch jedes der nicht chronologisch aufeinander folgenden Kapitel begleitet eine handelnde Person. Die Handlung wird dadurch zwar zerstückelt, wo­runter das romanhafte Erzählen etwas leidet, die verschiedenen Blickwinkel ermöglichen dafür ein differenziertes Bild von der Situation jener Tage in Tiflis. Erzählt wird das in einer klaren, alltagsnahen Sprache.

Die Spannungen zwischen Privatem und Politischem, zwischen Tradition und Moderne verweben sich in Gabunias Roman anschaulich. Surab etwa erpresst den nächtlichen Besucher und steht kurz davor, beim Geheimdienst eine Anstellung zu bekommen, merkt aber nicht, dass seine Frau eine leidenschaftliche Affäre hat und sich von ihm entfremdet.

„Farben der Nacht“ (Rowohlt Berlin, 289 Seiten, 20 Euro) ist der erste Roman des 1982 geborenen Davit Gabunia. Hervorgetreten ist er bisher als Dramaturg und Übersetzer, wofür er den nationalen georgischen Theaterpreis Duruji erhielt. Die Theaterarbeit des Autors schlägt sich in der Form des Romans nieder: mit seinem szenischen Aufbau, der Beschränkung auf wenige Orte (vieles spielt in Su­rabs Wohnung) und in der kurzen Zeitspanne. Das Romanhafte mag darunter etwas leiden, für den Leser erhöht sich dafür die Spannung deutlich.

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