Augsburg Sammlung von geplantem Deutschen Strumpfmuseum in Augsburg

Augsburg / DPA 21.02.2018

Die Sammlung des nie verwirklichten Deutschen Strumpfmuseums wird künftig in Augsburg zu sehen sein. Das dortige Staatliche Textil- und Industriemuseum (tim) hat die mehr als 25 000 Objekte umfassende Sammlung des Reutlinger Ethnologen Michael Schödel übernommen. Mit Unterstützung der deutschen Strumpfindustrie wollte Schödel einst ein Museum eröffnen, suchte dafür etwa zwei Jahrzehnte lang einen Standort, doch das Projekt scheiterte letztlich auch wegen der Krise der Textilbranche.

Nach dem Tod Schödels im Jahr 2015 hätten die Erben die Sammlung nun dem Augsburger Museum überlassen, sagte tim-Museumsdirektor Karl Borromäus Murr am Mittwoch. Die Kollektion sei ein „wahrer Schatz“, der „einen einzigartigen Blick auf die für Bayern einst so bedeutende Textilindustrie“ ermögliche.

Zu den Exponaten zählt ein 1943 produzierter früher Perlonstrumpf, der dann aber während des Krieges nicht in die Serienproduktion ging. Auch Strumpfhosenverpackungen aus den späten 1960er Jahren in den damals üblichen psychedelischen Farben, etwa 100 Jahre alte Strumpfbänder sowie historische Kinderkleider gehören zu der Sammlung.

Ferner werden künftig im tim mehrere 1937 bei der Weltausstellung in Paris ausgezeichnete Strümpfe zu sehen sein. Die naturseidenen Damenstrümpfe kamen damals aus einer Textilfabrik aus Oberlungwitz in Sachsen. Sie wurden unter der Marke Elbeo verkauft; diese gilt als älteste Strumpfmarke der Welt.

Die Elbeo-Werke wurden nach dem Krieg in Augsburg wieder aufgebaut, sind dort aber inzwischen auch wieder geschlossen worden. Die schwäbische Stadt war einst eines der bedeutendsten Textilzentren Europas, erlebte dann aber den Niedergang dieser Industrie mit vielen Fabrikschließungen. Das tim wurde im Jahr 2010 vom Freistaat in der früheren Augsburger Kammgarnspinnerei eröffnet und hat in seinen Archiven unter anderem mehr als eine Million Muster einer ehemaligen Stoffdruckerei aus Augsburg.

Bayerns Kunststaatssekretär Bernd Sibler (CSU) nannte die Sammlung aus Reutlingen einen „Glücksfall“ für das staatliche Museum. Die Stücke würden dort künftig ein besonderer Blickfang sein. Augsburgs CSU-Chef, Sozialstaatssekretär Johannes Hintersberger, meinte, die Objekte seien ideal, um das Thema für Kinder und Jugendliche anschaulich zu präsentieren.

Zu der Sammlung zählen auch etliche historische Kataloge von Quelle und anderen Versandhäusern. „Das ist ein reicher Schatz für die Konsumgeschichte“, meinte Museumschef Murr zu den telefonbuchdicken Katalogen.

Pressemitteilung

Ausstellungen tim Augsburg

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