Sommerbühne Auf der Jazzrock-Autobahn

Omnipräsenter Bandleader auch mit 82: Klaus Doldinger am Blautopf.
Omnipräsenter Bandleader auch mit 82: Klaus Doldinger am Blautopf. © Foto: Ralf Hinz
Blaubeuren / Uli Landthaler 13.08.2018

Da haben sich zwei gefunden. Neun Mal gastierte das Jazzrock-Urgestein Klaus Doldinger schon auf der Blautopfbühne – umgekehrt hob knapp die Hälfte der Besucher in den natürlich vollbesetzten Reihen die Hand, als Organisator Peter Imhof von der Bühne herunter fragte, wer denn schon mal bei Doldinger dabei gewesen sei.

Dem Musiker hat es die lauschige Atmosphäre mit Blick von der Bühne auf die Klosterkirche und dem mythischen Gewässer nebendran angetan – so etwas hat man auch als Doldinger, der sich seine Auftrittsorte aussuchen kann, nicht alle Tage. Auf Publikumsseite ist die Erwartung klar: eingängiger Jazzrock ohne Verschleißerscheinung. Und dass wurde auch geboten.

Wobei der Komponist und Saxophonist  ja viele Varianten im Sortiment hat, Doldinger spielte auch am Blautopf schon mit Sänger Max Mutzke, mit Trompeter Joo Kraus und mit philharmonischem Orchester. Nun war es Passport – eine sechsköpfige Jazzrock-Formation, die es seit den 1970er Jahren gibt, die ganz selten das Personal wechselt und in dieser Besetzung seit annähernd zehn Jahren zusammenspielt. Das bedeutete: keine schwelgerischen Streicherklänge auf der Sommerbühne am Blautopf, sondern energischer Jazz-Rock mit viel Rhythmus und Improvisation.

Drei Sturmspitzen

Dazu lohnt der Blick auf die Besetzung:  Wären wir beim Fußball, könnte man sagen, die Mannschaft  spielt mit drei Sturmspitzen. Christian Lettner, Biboul Daroiche und Ernst Ströer sind gemeinsam für das Schlagwerk zuständig. Ihr Job: ohne Geplänkel das Spiel schnell machen. Was dieses erfahrene Percussion-Trio an furiosem und vielschichtigem Zusammenspiel hinlegte, war alleine den Besuch wert. Meist ging es nach gemächlichem Beginn zügig auf die Jazzrock-Autobahn, wo Passport mit einem prägnanten Latino-Touch auf der Überholspur unterwegs ist.

Das gilt auch für die Filmmusik, auf die natürlich jeder wartete. Beim „Boot“ wurde das Thema kurz mit dem Saxophon angespielt, um dann in Richtung Impro-Jazz abzubiegen. Und es gab eine schön verspielte Variante der „Tatort“-Musik mit Wawa-Gitarre wie in der Urfassung. An den Gitarren ist bei Passport traditionell das Brüderpaar Patrick (E-Bass) und Martin Scales im Einsatz, die so zusammenspielen, als hätten sie noch nie etwas anderes getan. Für die sphärischen Klänge war Keyboarder Michael Hornek zuständig. Sein rotes Tastenbrett ersetzte bei aller Perfektion halt kein Gebläse und kein Streichquartett – vielleicht das einzige, was man an dem Abend vermissen konnte.

Auch beim Bandleader wurde das Saxophon wie gehabt zum Präzisionsinstrument, das alles überragen, sich bei aller berechtigten Präsenz aber auch zurücknehmen konnte. Dass Doldinger 82 Jahre alt ist, merkte man nur daran, dass an der Seite der Bühne ein Stuhl für ihn bereit stand – auf dem nahm er in der zweiten Konzerthälfte ein paar Mal Platz, um die Aktionen der Mitmusiker fingerschnippend im Sitzen zu verfolgen.

Die große Musikwelt auf der Sommerbühne am Blautopf – einen besseren Saisonabschluss kann es kaum geben.

Ein neues Album mit Stücken aus den 60ern

Legende Auch mit 82 Jahren scheint es dem Passport-Gründer wichtig, dass es musikalisch vorwärts geht – und zwar in der Form, dass Altes neu aufbereitet wird. Das nächste Album sind Stücke aus den 1960er Jahren, die einen neuen Anstrich bekommen, ließ Klaus Doldinger das Publikum wissen.  Und auch das „Boot“ kommt wieder – als TV-Serie, die derzeit in München entsteht. Autor Lothar-Günther Buchheim hatte seinem ersten „Boot“-Roman ja eine Fortsetzung folgen lassen. Für die Filmmusik der Serie wurde ein Deutscher engagiert, der in Hollywood lebt und der Doldingers „Boot“-Thema weiterentwickelt hat. Der Komponist erzählte das am Blautopf in freudiger Erwartung von der Bühne herunter und schien kein Problem zu haben, sein wichtigstes Baby in andere Hände zu geben.

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