Jazz Atonal: „Die Enttäuschung“ im „Sauschdall“

Christoph A. Schmidberger 20.12.2017

Mit der Kunst ist das eine merkwürdige Sache: Da waren am Freitagabend etwa 35 zahlende Gäste im Sauschdall, erlebten die Enttäuschung des Abends und gingen trotzdem höchst zufrieden heim. Dabei sei Enttäuschung beileibe nicht nur als platter Wortwitz gemeint, denn was die Berliner Jazz-Formation „Die Enttäuschung“, die der Veranstalter Reinhard Köhler vom Verein Kunstwerk mit Glück ganz kurzfristig hatte holen können, in zwei kurzweiligen Sets anbot, war definitiv eine Enttäuschung herkömmlicher Hörgewohnheiten.

Allein optisch ist das schon eine schräge Truppe. Kontrabassist Jan Roder sieht aus wie Kult-Nerd „Leonard Hofstadter“ aus „Big Bang Theory“, Schlagzeuger Michael Griener punktete mit Sparwitzen („Der vegane Bruder von Bruce Lee? Brokko-li!“) und Frontmann und Bassklarinettist Rudi Mahall nuschelte unentwegt irgendwelchen skurrilen Nonsens vor sich hin, wenn er nicht gerade mit seinen Musikerkollegen um die Wette lachte.

Musikalisch gab es „Schlit­z­ohr-Jazz“, demonstriert anhand der aktuellen, nahezu vollständig präsentierten Studio-CD „Lavaman“: Das heißt Free Jazz bis hin zu atonaler Musik in Reinkultur. Das abschließende „Bulya-Dath“ wurde in der Tat zu Recht augenzwinkernd als „Erfolgsnummer“ vorgestellt, war es doch einer der ganz wenigen Titel mit Wiedererkennungswert und einer gewissen Schmissigkeit.