Wenn im Science-Fiction-Trashfilm „Iron Sky“ Mondnazis die Erde mit Weltraumwaffen attackieren, schwören alle Politiker im UN-Sicherheitsrat, nichts damit zu tun zu haben. Der Nordkoreaner aber hebt die Hand: „Das sind wir!“ Worauf er von allen ausgelacht wird.

Lachnummer Nordkorea? Eigentlich ist es erstaunlich, wie stiefmütterlich das stalinistische Kim-Regime vom westlichen Kino stets behandelt wurde. Gerade Hollywood war in seiner Geschichte nicht subtil, wenn es darum ging, Finsterlinge aus allen bösen Herren Ländern zu rekrutieren. An den jeweiligen Schurken war das geopolitische Klima jedenfalls immer gut abzulesen.

Lange waren es Deutsche und Russen, mit denen es amerikanische Leinwand-Helden zu tun bekamen – darin spiegelten sich die historischen Erfahrungen mit dem Zweiten Weltkrieg und dann die Spannungen des Kalten Kriegs. In den 60ern kamen die Chinesen hinzu, in der heutigen Post-9/11-Welt tun oft arabische Terroristen pflichtschuldig ihren Dienst als Kino­übeltäter.

James Bond kommt zwar nicht aus Hollywood, als Geheimagent ihrer Majestät bekam er es dennoch regelmäßig mit Kontrahenten zu tun, in denen man den gemeinsamen kleinsten Bösewicht-­Nenner der westlichen Welt erkennen konnte. Schon der erste Bond-Film von 1962 mutet da geradezu programmatisch an: Dr. No war halb Chinese, halb Deutscher. Und am Ende ganz tot.

In Sachen Nordkorea muss sich zumindest 007 nichts nachsagen lassen. Zu Beginn von „Stirb an einem anderen Tag“ (2002) wird Bond ins asiatische Schreckensland geschickt. Er fliegt auf und muss 14 Monate lang in einem Folterkerker Schlimmstes erleiden. Später wird Bond seine Kontrahenten – Colonel Moon und Terrorist Zao – erledigen, aber er ist selbst auch ziemlich erledigt. Ein paar Jahre später musste auch Angelina Jolie in „Salt“ (2010) als Agentin nordkoreanische Folter über sich ergehen lassen.

Eine erwähnenswerte Fußnote in der Filmgeschichte ist „The Red Dawn“. Genauer: Es handelt sich sogar um zwei Fußnoten, denn den Film gibt‘s zweimal. Malt die Fassung von 1984 einen sowjetischen Einmarsch in die USA aus, fallen in dem Remake von 2012 tatsächlich die Nordkoreaner in Amerika ein. Der Film zeigt so reaktionär wie dümmlich, wie den Invasoren von einer Gruppe Teenager und Adoleszenter heimgeleuchtet wird. Ansonsten aber durfte Kim Jong Il, 1994 bis 2011 nordkoreanischer Diktator, lediglich als Witzfigur herhalten. So trat er 2003 in „South Park“ gemeinsam mit Osama Bin Laden, Saddam Hussein und anderen als Mitglied der Superschurken-Truppe „Legion of Doom“ in Erscheinung. Auch in der satirischen Puppen-Animation „Team America: World Police“ (2004) wütete er hampelmannartig herum.

Und dann ist da noch die Slapstick-Komödie „The Interview“ (2014). Im Mittelpunkt steht ein Mordkomplott des US-Geheimdienstes CIA gegen Kim Jong-un, dem damals recht frischgebackenen Obernordkoreaner. Der Mord­plan dreht sich um das titelgebende Interview, das ein amerikanischer Trash-Showmaster mit Kim führen soll.

Klingt bekloppt? Es kommt noch bekloppter. Nordkorea entpuppt sich nämlich als gar nicht so finster und übel. Der Talkmaster lernt Kim sogar als ganz netten Kerl kennen. Sie verbringen gemeinsam einen schönen Tag, fahren mit dem Panzer durch die Gegend, hören Katy Perry, und Kim erzählt dem von James Franco gespielten Moderator schließlich von seinem Vaterkomplex. Am Ende aber kommt heraus, dass Nordkorea doch die Hölle ist und Kim tatsächlich Nuklear-Raketen auf die USA abfeuern mag. Das ist allerhand, und das nimmt ein guter Amerikaner nun mal nicht hin, atombombiger Humor hin oder her.

So weit, so albern. Doch als der Film Weihnachten 2014 in amerikanische Kinos kommen sollte, löste er eine politische Kontroverse aus. Aufgrund Anschlagsdrohungen auf Kinogänger sagte die Produktionsfirma Sony Pictures den Kinostart ab. „The Interview“ war dann später nur auf sehr wenigen Leinwänden zu sehen.

Die Hollywood-Produzenten haben damals tatsächlich den Schwanz eingekniffen. Und vielleicht ist das im Rückblick der größte Erfolg nordkoreanischer Drohpolitik. Aber jetzt, in den Zeiten von US-Präsident Donald Trump, verschiebt sich das Koordinatensystem zwischen Gut und Böse ohnehin andauernd. Scheint so, als ob die ohnehin dürftige Karriere der Nordkoreaner als Kino-Schurken ganz vorbei ist.

Rambos Gegner


Eindeutige Feindbilder haben stets die Rambo-Filme mit Sylvester Stallone transportiert. Ging es im ersten Teil 1982 noch um den Undank in den USA den Vietnam-Veteranen gegenüber, ging der Kämpfer im zweiten Teil (1985) nach Vietnam zurück, um dort amerikanische Kriegsgefangene zu befreien. In „Rambo III“ (1989) kämpft er in Afghanistan an der Seite von Mudschahedin gegen die sowjetischen Invasoren, im vierten Film „John Rambo“ (2008) ist die Militärjunta in Burma fällig. In „Rambo 5“, der derzeit in Vorbereitung ist, sollen mexikanische Mädchenhändler die Schurken sein.