Die Architekturbiennale in Venedig beginnt morgen, Samstag – und zwar mit klarem Fokus. Der chilenische Direktor Alejandro Aravena sieht Bauen als soziale und politische Aufgabe. Der deutsche Pavillon passt da gut rein: Das Kuratorenteam vom Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt beschäftigt sich mit Flüchtlingsunterkünften. Die Architekturbiennale, die im Wechsel mit der Kunstbiennale stattfindet, ist bis 27. November geöffnet.

Schon der Titel der 15. Biennale weist darauf hin, dass es heuer nicht primär um ästhetische Fragen geht: „Reporting from the Front“ nennt sie der gerade mit dem Pritzker-Preis geehrte Aravena. „Die größte Herausforderung, vor der wir heute stehen, ist die Ungleichheit“, sagte er der dpa. „Städte können eine Abkürzung auf dem Weg zu mehr Gleichheit sein.“

64 Nationen nehmen in den Pavillons in den Giardini, auf dem Arsenale und verteilt über die Stadt teil. Die größte Aufmerksamkeit liegt auf der von Aravena kuratierten Hauptausstellung mit 88 Teilnehmern aus 37 Ländern. Viele Länder sind zum ersten Mal dabei, weil es Aravena ja um Architektur in Schwellen- und Entwicklungsländern geht. Auch der deutsche Beitrag ist hochpolitisch: In dem Beitrag „Making Heimat“ beschäftigte sich das Team um Peter Cachola Schmal und Oliver Elser mit dem Thema Bauen für Flüchtlinge. Die Ausstellung soll 2017 in Frankfurt zu sehen sein. Im praktischen Teil sollen bereits gebaute oder in Realisierung begriffene Flüchtlingsunterkünfte vorgestellt werden.

Der theoretische Teil fragt nach „den Bedingungen, die in einer Ankunftsstadt gegeben sein sollten, damit aus Flüchtlingen Einwanderer werden können“, wie Peter Cachola Schmal bei der Vorstellung des Konzepts in München sagte. „Arrival City: Die neue Völkerwanderung“ heißt das Buch des Architektur-Analytikers Doug Saunders, der als Berater dabei war. Er hat analysiert, was Menschen beim Ankommen in neuen Städten hilft.