Gesang Anna-Maria Hefele und I Vocalisti in Ulm

Ulm / Günter Buhles 03.07.2018

Ein ungewöhnliches Chorkonzert war am Samstag in der Wengenkirche zu erleben: Die Obertonsängerin Anna-Maria Hefele trat mit dem Lübecker Ensemble I Vocalisti auf. Die am Salzburger Mozarteum ausgebildete Künstlerin und Pädagogin hat mit der Technik dieses wie zweistimmig wirkenden Singens international großen Erfolg. Mit starker Ausstrahlung und Charme hat sie auch die Ulmer Hörer gefesselt.

Man mag ihr kaum glauben, wenn sie sagt, Obertongesang könne jeder lernen. Tatsächlich gibt es diese Kunst in Musikkulturen mehrerer Erdteile. Hefele beschreibt, wie durch Filtern und Verstärken von Frequenzen im Vokaltrakt – das ist der Bereich zwischen Stimmbändern und Lippen – Obertöne zu einem ausgehaltenen Grundton erzeugt werden. Die Obertöne können skalenmäßig zu Melodien geformt werden. Und umgekehrt ist es möglich, zu Obertönen die Grundtöne zu variieren.

Bei Hans Schanderls „Cantate Domino“ bauen I Vocalisti Volumen auf und führen sie zu stark rhythmischer, komplexer Polyphonie, bevor über dem dann leiser werdenden Chor ein Oberton erklingt, der allmählich gleichsam eine weitgeschweifte Girlande formt. Beinahe szenisch wird das Stück abgeschlossen, indem alle ihre Positionen wechselnden und durch das Kirchenschiff wandern. Zwei unbegleitete Soli von Hefele, ähnliche und doch variable Stücke von Ugis Praulins und Michael Ostrzyga, ergänzten das Programm in der Wengenkirche. Ohne die Solistin gestalteten I Vocalisti unter Hans-Joachim Lustig noch Werke von Gounod, Mendelssohn, Bruckner und Wolf.

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