Das aufsehenerregendste Kunstwerk der vergangenen Monate, das Werk eines Sprayers, eines Vandalen, dessen Kollegen gerade im Land der Kehrwoche gern kollektiv als „Schmierer“ verunglimpft werden, findet eine neue Heimat im Schwabenland. Ausgerechnet! Schon als Banksys „Love is in the Bin“ an seiner ersten – badischen – Station in Baden-Württemberg ankam, wurde geunkt. Was soll der durch und durch anarchistisch-­antikapitalistische Brite denn im biederen Baden-Baden? Dabei hat Street Art gerade dort auch als Ausstellungsthema Tradition. Und jetzt: Stuttgart. Die Stadt, von der viele Reisende als allererstes den riesigen Mercedes-Stern auf dem Bahnhofsturm wahrnehmen. In deren Zentrum über Jahre hinweg wegen eines als Verkehrsgroßtat getarnten Immobilienprojekts ein Riesenloch klafft. Der berühmteste Konsumkritiker der Welt in einer Hauptstadt der Gewinnmaximierung? Vielleicht passt das ja gerade deshalb. Abgesehen davon, dass die Landeshauptstadt viele weitere Facetten hat, gerade, was Kunst und Kultur angeht. Banksy wird Stadt und Land guttun. Sein Werk soll ja zur Diskussion anregen, es kann das Toleranzniveau heben. Und der S 21-Irrsinn könnte dem Künstler glatt zur Inspirationsquelle werden.