Ausstellung Amerika und die Kunst

Köln / Ulrich Traub 05.12.2018

Als die amerikanischen Künstler 1867 auf  der Pariser Weltausstellung auftraten, hatten sie vor allem traditionelle Landschaftsmalerei im Gepäck. Gegenüber der Konkurrenz aus Europa wirkte diese Kunst etwas angestaubt. In der Alten Welt ist das Desinteresse an der Kunst aus den USA bis auf geringe Ausnahmen bis heute erhalten geblieben – jedenfalls wenn es sich um Kunst handelt, die vor 1945 entstanden ist.

Das Kölner Wallraf-Richartz-­Museum leistet nun einen Kraftakt, um diese Lücke zu schließen. „Es war einmal in Amerika“ versammelt 130 Exponate, von denen sehr viele noch nie in Europa zu sehen waren. „300 Jahre US-Amerikanische Kunst“ (1650-1950)“ werden vollmundig versprochen. Trotz der Tatsache, dass genau ein Werk aus dem 17. Jahrhundert den Weg nach Köln geschafft hat (ein Frauenporträt im altmeisterlichen Stil), ist diese umfassende Schau aller Ehren wert.

Um es vorwegzunehmen: Es dauerte lange, bis in den USA eine unabhängige Entwicklung angestoßen werden konnte – bis in die Jahre unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit dem Abstrakten Expressionismus, dem Action Painting und der Farbfeldmalerei setzten sich Künstler wie Arshile Gorky, Sam Francis und Barnett Newman an die Spitze der internationalen Kunstströmungen. In der langen Zeit davor war die US-Kunst eine Mischung aus mal mehr, mal weniger gekonnter Adaption der Produktion der europäischen Kollegen sowie dem bisweilen etwas ungelenken Ringen um eine eigene Bildsprache. Um drei Motive kreiste das Schaffen der Künstler im Besonderen: das Porträt, die historische Darstellung und die Landschaft.

Auftragsmaler schufen im 18. Jahrhundert Porträts selbstbewusster Kolonisten. Man sieht einen rotwangigen George Washington und die Szene der Unterbreitung des Entwurfs der Unabhängigkeitserklä­rung, aber auch einen Führer der Delaware-Indiander. Einen Einfluss der Kultur der Indianer sucht man allerdings vergebens. Vielmehr wird stolz die Eroberung des Westens ins Bild gesetzt, in dem Indianer nur Staffage sind. Dramatisch dagegen das auf einer wahren Begebenheit basierende „Watson und der Hai“ von John Singleton Copley, der als Maler in London Karriere machte. Dramatisch waren auch die Reaktionen auf John Vanderlyns nackte Ariadne. Anders als bei der Präsentation im Pariser Salon 1812 waren die puritanischen Amerikaner von dem Akt schockiert. Heute zählt das Bild zu den Ikonen der US- Kunstgeschichte.

Expeditionen in den Westen begleiteten Maler wie der 1830 in Solingen geborene Albert Bierstadt. Die Landschaft wurde zum „nationalen Symbol“, wie es in der Ausstellung heißt. Die Maler der Hudson River School glorifizierten die Natur in idealtypischen Ansichten. Das Unrecht, das den Indianern widerfahren ist, fand in der Kunst nicht statt. Der Saal, in dem die Landschaftsmalerei gewürdigt wird, wirkt fast wie eine Ruhmeshalle.

Mit den krassen Gegensätzen, die Ende des 19. Jahrhunderts herrschten, erweiterte sich auch die Themenpalette der Maler. Die Hausarbeit wurde bildträchtig, ebenso der Sport, vor allem das Boxen, und Ansichten der Großstädte. Auf der einen Seite wurde Kunst für reich gewordene Amerikaner zum Mittel der Repräsentation, was sich wiederum in Porträts und Stillleben manifestierte. Auf der anderen Seite entstanden reine L‘art pour l‘art-Werke wie die impressionistische Brückenstudie von James McNeill Whistler. Childe Hassams Straßenszene mit Droschken könnte man in Monets Paris verorten, wäre da nicht ein Wolkenkratzer im Hintergrund. Mary Cassatt, eine der zahlreichen Künstlerinnen, an die die Schau erinnert, nahm sogar mehrfach an Ausstellungen der französischen Impressionisten teil.

Allmählich fand die US-Kunst Anschluss an die zeitgenössischen Entwicklungen. Nachdem sich die Vertreter der Ashcan School gegen die akademische Kunst aufgelehnt und etwa Außenseiter ins Bild gesetzt hatten, war es 1913 der legendären Armory Show in New York vorbehalten, europäische Kunstströmungen zu etablieren. Werke von Edward Hopper und Georgia O‘Keeffe stehen für die Moderne, die naiven Darstellungen idyllischen Landlebens der so genannten Regionalisten für das Gegenteil.

In den 30er-Jahren sorgte ein staatliches Kunstförderprogramm für Aufträge in schlechten Zeiten, von denen auch ein gewisser Jackson Pollock profitierte.  Künstler wie Jacob Lawrence, der in „Migration“ (1947) die Flucht seiner afroamerikanischen Landsleute vor Diskriminierung thematisierte, blieben jedoch weiterhin eine Seltenheit.

Die verdienstvolle Ausstellung erweitert den Blick in die Kunstgeschichte, bedeutendere Kunst findet man aber auf den anderen Etagen des Museums.

Mehr als 130 Leihgaben

Die große Überblicksausstellung der US-Kunst zwischen 1650 und 1950 mit mehr als 130 Leihgaben aus den renommiertesten Sammlungen und Museen der Vereinigten Staaten und Europa ist bis 24. März im Wallraf-Richartz-Museum Köln zu sehen: Di-So 10-18; am 1. und 3. Do bis 22 Uhr.

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