Literatur Amelie Frieds vier Frauen im „Paradies“

„Im Chaos entsteht auch Kreativität“: Die Autorin Amelie Fried und das „Paradies“.
„Im Chaos entsteht auch Kreativität“: Die Autorin Amelie Fried und das „Paradies“. © Foto: Volkmar Könneke
Ulm / Elvira Lauscher 13.10.2018

Ulm ist immer etwas Besonderes für mich“, sagt Amelie Fried, die ihre ersten elf Jahre hier verbracht hat. So stellt sie gut gelaunt ihren neuen Roman auch gleich in ihrer ehemaligen Heimat vor. „Wie viel hat Ihnen Ihre Frau bezahlt“, witzelt Amelie Fried über die hohe Zahl an männlichen Besuchern, die für die Lesung aus einem „Frauenroman“ ungewöhnlich seien. Dabei findet sie selbst dieses Schubladendenken blöd und zitiert Marcel Reich-Ranicki, der in ihrer Talkshow einmal gesagt hat: „Was ist Frauenliteratur? Es gibt nur gute oder schlechte Literatur.“ So sahen das auch die anwesenden männlichen und weiblichen Zuhörer.

Frauen spielen natürlich in ihrem neuesten Roman „Paradies“ eine große Rolle. Vier ganz unterschiedliche Frauentypen werden vorgestellt: Die Hauptperson Petra, 46 Jahre alt, Lehrerin, verheiratet und Mutter von drei Kindern, die sich ihre Welt und auch die Ehe idealisiert. Die egozentrische, attraktive Anka, die Luxus und Männer liebt, doch mit beidem wenig Glück hat und dennoch von der vollkommenen Liebe träumt.

Eine weitere Paradies-Urlauberin ist die junge radikale Weltverbesserin und Sozialarbeiterin Suse, die alle bekehren und zu besseren Menschen erziehen will. Das ist nicht nur anstrengend, sondern führt im Lauf des Romans zu einigen Verwicklungen. Und nicht zuletzt ist da Jenny, 58, mit dem Herz am rechten Fleck, aber einem dunklen Geheimnis, das sie begleitet und ihr Verhältnis zu Männern beeinflusst.

Alle vier Frauen wollen sich nicht nur im idyllischen Hotel „Paradies“ auf einer spanischen Insel erholen, sondern bei Wellness, Achtsamkeitstraining und Yoga auch etwas für ihren Alltag mitnehmen. Dabei begegnen sie den anderen Erholungssuchenden, die ebenfalls ihr Päckchen mit sich herumschleppen.

Unwetter beeinflusst Geschehen

Es entwickeln sich gruppendynamische Prozesse, die die Personen und zuletzt auch die ganze Situation verändern. Sogar ein Unwetter, das die Insel heimsucht, beeinflusst das Geschehen in der Geschichte.

Beim Schreiben hat Fried den systemischen Gedanken zu Grunde gelegt, dass jede Veränderung eines Teils zu einer Veränderung im Gesamtsystem führt. Ihre eigenen Erfahrungen als Coach und Mediatorin haben stark mitgespielt und dem Roman eine unterschwellige Tiefe gegeben, die nicht aufgesetzt oder platt wirkt.

Nach ihrer anregenden Lesung plaudert Fried offen über ihre Arbeit als Autorin. „Die vier Erzählperspektiven waren eine Herausforderung für mich. Ich hatte meine erste Schreibblockade in 25 Jahren“, sagt sie lachend und auch, dass sie an einem Punkt war, an dem sie nicht wusste, ob es weitergeht. „Es war echt viel Arbeit und gar nicht so lustig. Aber ich habe es ja geschafft.“

Mitgeholfen habe ihr auch die Rückmeldung ihres Mannes Peter Probst. Der Drehbuchautor ist bei jedem Buch ihr erster Kritiker. „Wenn ich 200 Seiten geschrieben habe, darf er es als Erster lesen, was immer ein sehr aufregender Tag für mich ist.“

Hier zeigt sich dann, ob ihre Mischung aus Struktur und Chaos das Buch trägt. „Es kostet mehr Arbeit, wenn man nicht nur strukturiert arbeitet, aber dafür entsteht im Chaos auch Kreativität.“ Viele Ideen und feinsinnige Personenbeobachtungen stecken im Roman. Eine vielschichtige Tragikomödie, die auch bei der Lesung die Zuhörer zu fesseln vermag.

Verfilmte Bestseller

Zur Person Amelie Fried, 1958 in Ulm geboren, wurde als TV-Moderatorin bekannt und lebte mit ihrer Familie in München. Alle ihre Romane waren Bestseller. „Traumfrau mit Nebenwirkungen“, „Am Anfang war der Seitensprung“, „Der Mann von nebenan“, „Liebes Leid und Lust“ und „Rosannas Tochter“ wurden erfolgreiche Fernsehfilme. „Paradies“ ist bei Heyne erschien (432 Seiten, 17 Euro). 

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