Alte Meister, moderne Blicke

Edvard Munchs "Sternennacht" (1922-1924) ist bald in der Frankfurter Schirn zu sehen. Foto: The Munch Museum
Edvard Munchs "Sternennacht" (1922-1924) ist bald in der Frankfurter Schirn zu sehen. Foto: The Munch Museum
LENA GRUNDHUBER 07.01.2012
Ja, es ist Documenta. Aber noch viel mehr. Im Ausstellungsjahr 2012 gilt es, bedeutende Zeitgenossen und mythische Malerfürsten zu zelebrieren: Gerhard Richter wird 80, Gustav Klimt 150 - also rein theoretisch.

Egal, wo man anfängt, man stolpert über große Namen. Also am besten mittendrin beginnen, in Frankfurt etwa: Unter dem Titel "Edvard Munch. Der moderne Blick" will die Kunsthalle Schirn von 9. Februar bis 13. Mai unbekannte Seiten des Norwegers zeigen. Der Vorreiter des Expressionismus wird in Zusammenarbeit mit dem Pariser Centre Pompidou als ganz und gar Moderner vorgestellt, wobei das Spätwerk im Mittelpunkt steht - und damit Munchs Auseinandersetzung mit Fotografie, Film und Bühne.

Wer schon in Frankfurt ist, kann gleich weiterschauen: Von 3. Februar bis 6. Mai ist Claude Lorrain mit "Die verzauberte Landschaft" im Städel Museum zu Gast - Werke aus allen Schaffensphasen des berühmten Landschaftsmalers aus dem 17. Jahrhundert. Als letzte Abteilung des umgebauten Städel Museums eröffnet am 25. Februar auch der Neubau mit Gegenwartskunst.

Eine der wichtigen Ausstellungen 2012 dürfte die Schau "El Greco und die Moderne" von 28. April bis 12. August im Museum Kunstpalast in Düsseldorf werden. 40 Werke von El Greco (1541-1614) werden in Beziehung zu Künstlern gesetzt, die sich durch ihn beeinflussen ließen - darunter Paul Cézanne, Vincent van Gogh oder Pablo Picasso.

Selbst kein so großer Künstler, dafür ebenfalls ungemein einflussreich war Herwarth Walden, der vor hundert Jahren seine Berliner Galerie "Der Sturm" eröffnete. Zusammen mit der Zeitschrift gleichen Namens war sie die wichtigste Plattform der deutschen Avantgarde. Eine Ausstellung im Von der Heydt-Museum in Wuppertal untersucht das Phänomen anhand vieler Leihgaben von 13. März bis 10. Juni. Das Rheinland ist auch wegen des Kölner Museums Ludwig interessant, das von 23. Juni bis 30. September Installationen, Skulpturen und Happenings des Pop-Art-Künstlers Claes Oldenburg zeigt: "From Street to Mouse. 1959-1970".

Gerade in München angekommen, schreitet der neue Direktor im Haus der Kunst, Okwui Enwezor, zur Vergangenheitsbewältigung. Zum 75-jährigen Bestehen des Hauses soll eine Ausstellung dessen NS-Geschichte aufarbeiten: "75/20" heißt die Schau, die am 10. Juni beginnt und für die die Archive geöffnet werden. Das "Haus der Deutschen Kunst" wurde 1937 von den Nationalsozialisten eröffnet, dort fanden die "Großen Deutschen Kunstausstellungen" statt. Unweit davon steht in München die Pinakothek der Moderne, wo dann seit 30. März bis 15. Juli die "Frauen" regieren. Jene, die Picasso, Beckmann und Willem de Kooning malten und - anders als das Klischee es will - weit mehr darstellten als Projektionsflächen männlicher Sehnsüchte. So wenigstens die zeitgemäße Arbeitshypothese dieser großen, teuren Schau.

Wie jedes Jahr, so ist auch 2012 ein Jubiläumsjahr, diesmal mit einem der größten Künstler der Gegenwart. Gerhard Richter wird zum 80. mehrmals geehrt: So zeigt die Neue Nationalgalerie Berlin von 12. Februar bis 13. Mai das von ihm selbst erarbeitete, fantastische "Panorama" aus 150 Gemälden aller Schaffensphasen, bis dato in der Londoner Tate Modern zu sehen. In seiner Geburtsstadt Dresden gibt es von 4. Februar bis 22. April eine Ausstellung seines "ATLAS" im Lipsiusbau. Die Gemäldegalerie Alte Meister, auch in Dresden, legt ein paar hundert Jahre drauf und zelebriert einen 500. Geburtstag: So alt ist Raffaels "Sixtinische Madonna", die von 26. Mai bis 26. August mit anderen Werken der Renaissance präsentiert wird. Ein anderer Jubilar beherrscht Österreich: Zehn Wiener Museen begehen den 150. Geburtstag Gustav Klimts. Im Belvedere ist von 15. Juni bis zum 6. Januar 2013 die Jubiläumsausstellung zu finden.

Natürlich lohnt auch eine Reise in die Schweiz. So ins Kunstmuseum Basel, das von 1. April bis 12. August einen ganz Großen zeigt: "Renoir. Zwischen Bohème und Bourgeoisie" richtet den Fokus auf das Frühwerk. Interessant wird es noch einmal am 9. September, wenn die Ausstellung mit Werken der "Arte Povera" aus der Sammlung Goetz zu sehen ist. Nebenan, in Riehen, hat die Fondation Beyeler sich von 29. Januar bis 13. Mai Pierre Bonnard verschrieben, bevor sie an eben jenem 13. Mai zum Zeitsprung ansetzt - und bei Jeff Koons landet.

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