Er war der Fürst der ungarischen Literatur, er malte das Leben als barockes Mosaik aus absonderlichen Geschichten – und er war leidenschaftlich fußballverrückt. Der jetzt im Alter von 66 Jahren an Krebs gestorbene Schriftsteller Péter Esterházy, Friedenspreisträger des deutschen Buchhandels („Harmonia Caelestis“), war als Ungar natürlich traumatisiert: Seit 1954, seit  Helmut Rahn in Bern das Wunder vollbrachte und das 3:2 gegen die hoch favorisierten Puskás, Hidegkuti, Kocsis und Co. schoss, gewannen die Magyaren international keinen Blumentopf mehr. Erst jetzt, bei der EM in Frankreich, sorgten sie wieder für etwas Furore. Im Juli 2006 aber, als Esterházy auf Einladung des Donaufests nach Ulm kam zu einer Lesung aus seinem Buch „Deutschlandreise im Strafraum“, war Ungarn noch drittklassig und hatte sich nicht für die Fußball-WM in  Deutschland qualifiziert.

 Es war eine Lesung an einem außergewöhnlichen, passenden Ort: auf der Haupttribüne des Donaustadions. Und seinen Bruder Márton Esterházy hatte er auch dabei: immerhin 29-facher ungarischer Nationalspieler und bei der WM 1986 auf dem Rasen, naturgemäß erfolglos.

Péter Esterházy war kein Dichter, der sich den Fußball als Spielwiese ausguckte, der dessen Sprache und Regeln gebüffelt hatte, um die Welt romanhaft rund zu machen. Er war ein Fußballer, der zum Schriftsteller geworden war – das sagte er selbst, leicht kokett. Das SZ-Magazin hatte ihn damals losgeschickt, er solle doch mal die deutsche Provinz beäugen. Nun entdeckte er Clubs wie BC Hartha und einige Kellnerinnen. Vor allem aber entdeckte er sich selbst, darunter die Knorpelmaus in seinem Knie, die er Béla duzte. Und dann philosophierte er in seinen Geschichten mit Ironie, mit Humor über den Fußball, der das Leben ist – und über Ungarns Verliererschicksal.

Sprachverliebt, rhapsodisch war Péter Esterházy:  starke Dribblings, aber kein Drang zum Tor. Er  war ein guter „Fußballer vierter Klasse“ (also „kein untalentierter Fußballer zweiter Klasse“), aber als Schriftsteller  erstklassig. Seine Lesung im Donaustadion  war indes Kreisklasse, weil es ewige Probleme mit der Tonanlage gab, das Publikum murrte wie bei einem trostlosen 0:0-Kick.