Ed Sheeran Alles pur: Ed Sheeran in München

Der 27-jährige Brite Ed Sheeran ist der authentische Superstar unserer Zeit.
Der 27-jährige Brite Ed Sheeran ist der authentische Superstar unserer Zeit. © Foto: Udo Eberl
München /  Von Udo Eberl 31.07.2018

Zunächst das Kontrastprogramm: Anne-Marie, die britische Antwort auf all die radiotauglichen R ’n ’B-Queens aus den Staaten, heizte im randvollen Münchner Olympiastadion mit ihrem Charts-Sound bei 30 Grad auf. Und Ed Sheeran? Der lief um Punkt 20.45 Uhr durchs Marathontor ein – gelassen und freudig lächelnd.

So sehen Sieger aus: Euphorie noch vor dem ersten Ton, der wie immer aus einer akustischen Gitarre kommt. Alles handgemacht und live gespielt, sagt Sheeran – allein durch die technische Vermehrung in seiner Loopstation am Boden, an die ein zweites Gesangsmikrofon angeschlossen ist,  werden Hits und Balladen stark klingenden Songs.

Entspannt und konzentriert

Um das zu unterstreichen, legt Sheeran mit perkussiven Sounds vom Gitarrenkorpus, aber ohne doppelten Playback-Boden los. Magisch, wie entspannt und konzentriert er seine Pedale und Knöpfe mit den Füßen bedient, während andere vom Umgang mit der Fernbedienung ihres TV-Geräts bereits gestresst sind.

Sheeran hat alles im Griff. Er ist dort, wo er immer sein wollte, und das, ohne sich dafür verraten, verkauft oder aufgegeben zu haben. Er füllt Stadien mit Songs, die man auch am Baggersee hören und mitsingen könnte, lässt sich auf den LED-Wänden der eher bescheidenen Bühne nicht überlebensgroß aufblasen. Der 27-jährige Brite scheint dennoch stets greifbar, ist der authentische Superstar unserer Zeit und füllt an zwei Abenden in München zweimal das Olympiastadion mit rund 120 000 Menschen.

Liebe fürs deutsche Publikum

Sein verschmitztes, jungenhaftes Lächeln, sein irrwischiges Herumspringen auf der Bühne, das mit Tanz so gar nichts zu tun hat, seine Ansagen, die ihn so nahbar machen, wenn er von seinem Lampenfieber erzählt, den ersten Konzerten, seiner Liebe fürs deutsche Publikum. Das hört auch bei den ruhigen Songs aufmerksam zu und schätzt eben nicht nur seine Hits. Alles an Ed Sheeran scheint echt zu sein und vor allem sympathisch. Vielleicht gerade, da er nicht dem herkömmlichen Popstar-Ideal entspricht und oberflächlich betrachtet eher wie der bunt tätowierte Klassenclown wirkt, der es mit viel Liedermacher-Fleiß vom Straßenmusiker zum Musikmillionär gebracht hat.

Wie das gelingen konnte, erzählt sich beim Konzert im Olympiastadion in einem Smarth­phone-Lichtermeer wie von selbst: seine wirklich unglaublich starke Stimme – das sanfte „Tenerife Sea“ wird gerade in den Höhen zum reinen Genuss –, das souveräne Gitarrenspiel, die ideale Song-Folge, die kumpelhaften Ansagen. „Perfect“ – und live noch besser. Die populären Duo-Partner der Single-Erfolge fehlen im Stadion genauso wenig wie gängige Arrangements.

Alles pur, alles happy oder gar noch „Happier“, mit „The A Team“ genauso wie mit dem folkig-mitreißenden „Galway Girl“. Es wird gesungen, gejubelt, vor Freude geweint. Sheeran wünscht sich Schreie, er bekommt sie. Er erbittet sich ein kollektives Armschwenken wie bei HipHop-Konzerten, auch das läuft – wie alles an diesem Sommermärchen-Abend.

„Wenn ihr den nicht kennt, könnte es sein, dass ihr auf dem falschen Konzert seid“, sagt der Sänger vor „Thinking Out Loud“ schmunzelnd und läutet das Finale ein. „Sing“, das letzte Stück nach gut anderthalb Stunden, wird so lange gesungen, bis Sheeran für Zugaben auf die Bühne zurückkehrt. Mit Regenbogenfahne und im Dress der deutschen Fußballnationalmannschaft in friedlicher Mission und mit dem Megahit „Shape of You“.

Nun kommt, wie dann auch bei „You Need Me, I Don’t Need You“ doch noch Zusatzsound aus dem Off. Anders sind die Emotionen im Stadion wohl auch nicht mehr zu beherrschen. Ed Sheeran, der jede Menge Soul in der Stimme hat, rappt gekonnt, legt nach, feuert an. Wer braucht da noch ein finales Feuerwerk? Niemand.

Welche Songs zu hören waren

Die Hits in Folge: Castle on the Hill – Eraser – The A Team – Don’t/New Man – Dive – Bloodstream – Happier – Tenerife Sea – Galway Girl – How Would You Feel (Paean) – Feeling Good/I See Fire – Thinking Out Loud – One/Photograph – Perfect – Nancy Mulligan – Sing – Shape of You – You Need Me­, I Don’t Need You.

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