„In den äußeren Ereignissen hat sich das so zugetragen wie erzählt. Hätte ich das erfunden, wäre es etwas albern.“ Das sagt Alex Capus über seinen Roman „Königskinder“, den er im Pfleghof in Langenau vorgestellt hat. Gemeint ist die Liebesgeschichte von Jakob, dem Kuhhirten, und Marie, der Tochter eines Großbauern im Greyerzerland, die es im 18. Jahrhundert wirklich gab.

Capus‘ Sprache dient stets seinem Gegenstand, nie der losgelösten Formulierung. Gleiches gilt für das mündliche Erzählen des 1961 geborenen Schweizer Autors, das in Langenau einen großen Raum einnahm und das er glänzend beherrscht.

Der Roman „Königskinder“ hat zwei Erzählebenen. Eine Rahmenhandlung in der Gegenwart und eine historische Binnenerzählung, die im 18. Jahrhundert spielt. Äußerlich sind die beiden Ebenen über das Motiv Bergwelt verbunden, in der beide spielen. In der Gegenwart fährt ein Paar mit dem Auto trotz Sperrung über einen verschneiten Pass und bleibt die Nacht über im Schnee stecken.

Die historische Handlung erzählt die wahre Geschichte von Marie und Jakob, die, mit Unterbrechungen, weit über zehn Jahre Trennung aushalten müssen. Denn Maries Vater tut alles, um Jakob loszuwerden. Er zwingt den „Hungerleider“, sich als Soldat zu verpflichten und schickt ihn später nach Versailles, wo Elisabeth, die Schwester Ludwig XVI., einen Kuhhirten für ihre Puppenstuben-Landwirtschaft sucht. Diese Geschichte erzählt der Mann seiner Frau im feststeckenden Auto die Nacht hindurch.

Natürlich werden in die Handlung die Französische Revolution und vor allem die Ballonflüge der Brüder Montgolfier eingeflochten. Tatsachen wie das damals enorm stinkende Versailles – für 5000 Leute gab es vier Toiletten – oder der Puppenstuben-Bauernhof von Prinzessin Elisabeth, die damals so etwas wie „die Pippi Langstrumpf der Bourbonen“ gewesen sei, wie Capus sagt, fließen wie selbstverständlich ein, nichts wirkt konstruiert.

Genauso en passant fließt die kleine, unterhaltsam-ironische und wirklichkeitsnahe Genderstudie ein, die das Ehepaar im Auto in schönster Manier abgibt. Es ist frappant, wie der Autor für jede Erzählebene den passenden Ton trifft.

Info Alex Capus: Königskinder. Hanser Verlag, 185 Seiten, 21 Euro.