Kinderbücher Abenteuerliche Welt

Der großartige Zeichner Torben Kuhlmann hat einen neuen Band veröffentlicht: „Edison – Das Rätsel des verschollenen Mauseschatzes“.
Der großartige Zeichner Torben Kuhlmann hat einen neuen Band veröffentlicht: „Edison – Das Rätsel des verschollenen Mauseschatzes“. © Foto: NordSüd Verlag
Ulm / Angelika und Thomas Mahr 13.10.2018

Was tut man nicht alles für seinen kleinen Bruder Linus, wenn dieser so traurig ist? Sein Ein-Mann-Detektivteam hat noch keinen einzigen Fall zum Lösen bekommen. Also gründet der große Bruder Leonhard mit den Nachbarskindern eine Verbrecherbande, die sich Bermudadreieck nennt. Aber wie wird man zum Verbrecher, wenn man bisher ein braver Junge war – und welche Untaten soll man begehen? Kari Ehrhardt mischt ihrem Kinderkrimi „Die unglaublichen Untaten des Bermudadreiecks“ (Carlsen, 192 Seiten, 12 Euro) so viel Humor bei, dass sich beim Lesen Spannung und Lachen die Waage halten. Die Autorin trifft so gekonnt den Ton und das Lebensgefühl ihrer Akteure, dass das Buch mit den witzigen Illustrationen von Catharina Westphal das Zeug hat, zum Kinderbuchklassiker zu werden (für Leser von 9-12 Jahre).

Koffertausch mit Drachenei

Lust auf eine spannende Drachengeschichte? In „Drachenerwachen“ von Valija Zinck (Fischer KJB, 320 Seiten, 14 Euro) beginnt alles mit dem vertauschten Koffer von Frau Tassilo. Als die Kinder Johann und Janka ihre Nachbarin besuchen, trauen sie ihren Augen nicht: Mitten in der Großstadt, im 8. Stock eines Hochhauses, entdecken sie einen lebendigen Drachen. Doch der ist ja nur versehentlich hier gelandet. Eigentlich gehört er einem Energiekonzern, der Großes mit ihm vorhat und Erstaunliches in die Wege leitet, um ihn wieder zurück zu bekommen. Und plötzlich ist Frau Tassilo verschwunden. Die Kinder machen sich mit dem Drachen auf eine gefährliche Suche und stürzen von einem Abenteuer ins nächste (ab 10 Jahre).

Für kleine und große Alleswisser 

Wer weiß schon, dass Astronauten in Staubsauger pinkeln und Babys mehr Knochen haben als Erwachsene? Dass Ketchup früher Medizin war und Seegurken nicht mit Salatgurken verwandt sind? Oder dass in Chile fast jede Woche die Erde bebt? Wem ist bekannt, dass früher tatsächlich alle Wege nach Rom führten? Dass Dinos wirklich vor Hunger gestorben sind? „321 superschlaue Dinge, die du unbedingt wissen musst“ von Mathilda Masters bietet vergnügliche und überraschende Fakten aus allen Lebensbereichen, äußerst witzig illustriert und auf den Punkt gebracht (Hanser, 288 Seiten, 22 Euro). Ein Wissensbuch, das nicht nur Kindern Spaß macht (ab 11 Jahre).

Sprachkünstler Guggenmos

Sieben kecke Schnirkelschnecken

saßen einst auf einem Stecken,

machten dort auf ihrem Sitze

kecke Schnirkelschneckenwitze.

Lachten alle so:

„Ho, ho, ho, ho, ho!“

Doch vor lauter Ho-ho-lachen,

Schnirkelschneckenwitzemachen

fielen sie von ihrem Stecken:

alle sieben Schnirkelschnecken.

Liegen alle da.

Ha, ha, ha, ha, ha!

Wer dieses und andere Gedichte und Geschichten von Josef Guggenmos endlich einmal wieder nach- und vorlesen will, der wird in dem neu aufgelegten, opulent und einzigartig von Nikolaus Heidelbach illustrierten Prachtband „Oh, Verzeihung, sagte die Ameise“ mehr als fündig (Beltz, 312 Seiten, 26.95 Euro). Fröhlich, nachdenklich-melancholisch, witzig und immer wieder überraschend, welch ein Sprachkünstler Josef Guggenmos doch war! (ab 6 Jahre).

Spuken erlaubt

Kinder lieben Gespenster-Geschichten! Nun hat Otfried Preußlers „Kleines Gespenst“ würdige Nachfolger gefunden. Mit dem sympathischen Trio Jocki, Jocka und Jockelchen geht der Spuk in Florian Beckerhoffs „Geschwistergespenster“ (Thienemann, 112 Seiten, 12.99 Euro) nun erst richtig los. Baronin von Wasser, eine sehr in die Jahre gekommene Lady, Besitzerin des großen Spukrefugiums, muss ins Altersheim umziehen. Das geliebte, verstaubte Gutshaus soll zu einem schicken Wellness-Tempel umgewandelt werden – spinnwebenfrei und gähnend langweilig! Glücklicherweise erhalten die Spuk-Geister Unterstützung von zwei leibhaftigen Kindern, die ihnen behilflich sind beim Widerstand gegen den fiesen Hoteldirektor Doktor Suppenhaar (ab 6 Jahre).

Wo ist mein Rasierer?

Wer sich noch an „Kamfu mir helfen?“ von Barbara Schmidt erinnern kann, wird auch das neue Bilderbuch lieben, das sie mit ihrem Sohn Dirk erdacht hat. „Raupe Berta, hoch im Baum,/ rasiert sich ihren zarten Flaum . . .“ Aber dann fällt ihr das Gerät aus der Hand. Auf ihrer Suche baumabwärts trifft sie Tausendfüßler, Schnecke, Specht . . . Die Baumnachbarn finden den Rasierer nicht, doch haben sie bemerkt, dass etwas sehr schnell vorbeigeflogen ist. „Raupe Berta hoch im Baum“ ist ein gereimtes Vergnügen für Kinder ab 3 (Verlag Antje Kunstmann, 24 Seiten, 15 Euro).

Bienen sterben

Nach Maja Lundes Bestseller „Die Geschichte der Bienen“ können jetzt auch die Jugendlichen einen spannenden Roman zu diesem Thema lesen. „Die Bienenkönigin“ (cbj, 352 Seiten, 17 Euro) ist ein Roman der gelernten Biologin Claudia Praxmayer, die auch erfolgreich Thriller für Erwachsene schreibt. Die 19-jährige Mel lebt in einer Wohngemeinschaft in einer alten Villa in San Francisco. Sie weiß noch nicht so recht, was sie studieren soll und ist deshalb für das Kochen und den Garten zuständig. Ihre wahre Leidenschaft sind die Bienen, und da ist sie doch äußerst erschrocken, als sie eines Tages eine Minidrohne bei ihren geliebten Insekten im Stock findet. Hat da etwa jemand technische Mutanten entwickelt, die nicht nur das Bestäuben übernehmen sollen, sondern auch mit der Aufgabe betraut wurden, die lebende Spezies auszurotten? Und schon sind wir mitten in einem Krimi, der das Insektensterben thematisiert und zu einem ökologischen Umdenken auffordert (von 13-99 Jahre).

Hat sich nichts geändert?

50 Jahre ist es her, dass Martin Luther King ermordet wurde, der große Freiheitskämpfer, der von einem Amerika ohne Rassismus träumte. Nic Stone lässt ihren schwarzen Protagonisten Justyce McAllister Briefe an den verstorbenen Menschenrechtler schreiben, die immer mit „Dear Martin“ beginnen. Der intelligente junge Mann hat eine glänzende Zukunft in der Eliteuniversität Yale vor sich. Doch zuvor überschlagen sich die Ereignisse. Nichts scheint sich verändert zu haben, den alltäglichen Rassismus gegen Schwarze bekommt Justyce an der eigenen Haut zu spüren, als er grundlos verhaftet wird. Die Autorin, die sicher aus eigenen Erfahrungen berichtet, zeichnet kein schwarzweißes Bild, sondern versucht differenziert die gegenwärtige Lebenssituation der Schwarzen in den USA aufzuzeigen. Herausgekommen ist mit „Dear Martin“ ein Buch, das an die Nieren geht und aufrüttelt (Rowohlt, 256 Seiten, 17.99 Euro). Lesenswert ist der Roman auch durch die Alltagsbeschreibungen – und natürlich darf eine Liebesgeschichte nicht fehlen (ab 14 Jahre).

Abenteuerliche Mäusewelten

Torben Kuhlmann und seine Mäusehelden haben uns fantastisch und abenteuerlich mit Charles Lindbergh den Atlantik überqueren und mit Neil Armstrong gar den Mond besuchen lassen. Im neu erschienenen dritten Band „Edison – Das Rätsel des verschollenen Mauseschatzes“ (NordSüd Verlag, 112 Seiten, 22 Euro) verknüpft nun der großartige Zeichner seine Mäusewelt mit Edisons Erfindung der Glühlampe und den Tiefen des Ozeans. Was dabei herausgekommen ist, zeigt die höchste Kunst der Illustration. Atemberaubende Bilder, wahre Gemälde begeistern alte und junge Leser gleichermaßen. Nicht umsonst wurde der Künstler für seine herausragende Art, Wissen zu vermitteln, ausgezeichnet. Man muss einfach eintauchen in diese wunderbare Mäusewelt – und taucht fasziniert und klüger geworden wieder auf.

Gast-Kritiker

Die Buchhandlung Mahr in Langenau (Alb-Donau-Kreis) ist 2016 mit dem Deutschen Buchhandlungspreis in Silber ausgezeichnet worden. Angelika und Thomas Mahr empfehlen zur Frankfurter Buchmesse den kleinen und großen Lesern wieder aktuelle Kinder- und Jugendbücher.

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