Am Samstag wird Kalevi Aho 70 Jahre alt, im finnischen Forssa ist er zur Welt gekommen. Längst zählt er zu den bedeutendsten und produktivsten Komponisten in Europa. Allein 17 Sinfonien gehen auf Ahos Konto, und es ist sein Ziel, für jedes Orchesterinstrument (mindestens) ein Solo-Konzert zu schreiben. 2010 ist das Posaunenkonzert entstanden, ein Jahr später das Konzert für Trompete und sinfonisches Blasorchester.

Die Werke sind nun auf einer Super Audio-CD beim Label BIS (Vertrieb: Klassik Center) erschienen. Das Antwerp Symphony Orchestra (Dirigent: Martyn Brabbins) und die Solisten Jörgen van Rijen (Posaune) und Alain De Rudder (Posaune) interpretieren die klangsinnlichen Werke mit einer „Lust am Sound“, die unter die Haut geht.

Herr Aho, was reizt Sie an der Posaune und Trompete?

Kalevi Aho: Ich habe immer gerne für Blasinstrumente komponiert, besonders für solche, die man solistisch seltener zu hören bekommt, wie etwa die Posaune und Trompete. Aber auch diese beiden Instrumente sind wunderbar – wenn man nur ihre besten Eigenschaften, ihre Seele und ihre virtuosen Möglichkeiten findet. Und weil es nicht viel Tradition bei den Posaunen- und Trompetenkonzerten gab, war es für mich viel leichter, für diese Instrumente ein Konzert zu schreiben als eines für Klarinette, Klavier oder Violine.

Was „können“ die beiden Instrumente?

Die Posaune ist ein sehr ausdruckstarkes Instrument, die Komponisten setzten es aber oft zu einseitig ein. Posaunisten haben in den Orchesterwerken häufig lange Pausen, und ihre Stimmen sind spieltechnisch zumeist ganz leicht. Große Posaunensoli gibt es in der Orchesterliteratur kaum. Entsprechend einseitig verwenden viele Komponisten auch die Trompete in ihren Orchesterwerken. Sie haben vergessen, dass man damit auch leise spielen kann und dass die Trompete dazu große virtuose Möglichkeiten bietet. Im Jazz benutzt man das Instrument weitaus vielseitiger als normalerweise in der Kunstmusik. Einige dieser Jazz-Elemente kommen auch in meinem Trompetenkonzert zum Einsatz.

Wie konzipieren Sie Ihre Werke?

Eine funktionierende Struktur in der Komposition ist mir wesentlich wichtig. Ich plane die Struktur aber nicht im Voraus. Sie entsteht beim Komponieren, hängt davon ab, wie die Dramaturgie des Werkes sich entwickelt. Bei den beiden Konzerten wurde die Struktur zufälligerweise viersätzig, aber in ihrer Viersätzigkeit nicht ähnlich.