Gerade in Zeiten digitaler Bilderflut nehme das „Bedürfnis nach dem Echten“ zu, meint Stefanie Dathe. Nach Werken, die Staunen machen und dauerhaft inspirieren. Wichtig an Kunst sei ihre Wirkung auf den Menschen: „Kunst öffnet die Augen, ist unübersetzbar und daher notwendig“, schreibt die Direktorin des Museums Ulm im jetzt erschienenen Buch zur Ausstellung „Warum Kunst?“ im Museum und in der Kunsthalle Weishaupt.

Statt auf Zweck, Wirkung und Funktion bezogen, betrachtet die aus Dotternhausen stammende Berliner Kunstpädagogin und Kunsttherapeutin Karin Dannecker die im Titel aufgeworfene Frage im Hinblick auf Motivation und Bedürfnisse, welche die Menschen seit geschätzt 200 000 Jahren zum Kunstschaffen antreiben: Künstler setzen auf Kunst, weil Worte zum Ausdruck ihrer Gefühle nicht ausreichen, erklärt sie. Die Betrachter erleben beim Kunstgenuss Spannung und Harmonie gleichermaßen.

Auf das „Übersetzungsangebot“ und die „sinnliche Erkenntnis“ geht auch der Frankfurter Soziologe Tilman Allert in seinem Beitrag ein. Der Münchner Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich konstatiert angesichts des zu beobachtenden Rückfalls von Kunst auf Statussymbol-Niveau, die Erwartung an die Moderne, zu mehr gut zu sein als zur Repräsentation und Reinigung, sei möglicherweise nur ein Missverständnis. Ein fruchtbares, immerhin.

Vollständig lässt sich diese Frage vermutlich nie beantworten, darin sind sich alle einig.

Absage an den Event-Wahn

Zum Schluss weitet Dathe die Frage noch aus und fragt: „Warum Kunstmuseen?“ Die bleiben für sie Orte, „an denen wir die Begegnung mit der Kunst suchen und uns ihrem Einfluss aussetzen“. Dem Trend, Museen für profitable Spektakel zu öffnen, sie in „Eventlocations, Partyzonen, Gastrotempel oder gar Fitnessstudios“ zu verwandeln, erteilt sie eine Absage – auch wenn die Kunsthalle jüngst selbst zu „Warum Kunst?“ mit Yoga lockte. Vielmehr sollten sich Ausstellungshäuser auf die wichtigste Quelle besinnen, aus der sie ihren Mehrwert schöpfen: den „Zuwachs an Bildung und Erkenntnis“.

Und warum erscheint der Katalog so spät? Weil die Fotos erst entstehen konnten, als die Schau schon aufgebaut war; weil er komplett auf Englisch übersetzt wurde; weil viele Beteiligte viele Absprachen nach sich ziehen, erklärt Museumssprecherin Kathrin Thumerer.

Info „Warum Kunst?“ ist bis 7. Oktober in der Kunsthalle Weishaupt und im Museum Ulm zu sehen, Di-So 11-17, Do 11-20 Uhr. Der Katalog (256 Seiten, 24 Euro) ist in beiden Häusern erhältlich.