Von wegen „No More Heroes“. Auch wenn die Tage vorbei sind, an denen sich die englischen Punk- und New-Wave-Urväter The Stranglers nach einem gemeinsamen Gig mit Ramones, Clash und Sex Pistols prügelten. Und sie den Song von 1977 am Sonntag in Stuttgart-Wangen an den Anfang ihres Konzerts zum 40-jährigen Bestehen stellen. Die aktuelle Welttournee zeigt: Die Stranglers bieten live viel mehr, als ihre im Radio allgegenwärtigen Hits „Golden Brown“ und „Always The Sun“ erahnen lassen.

Jet Black, in dessen Spirituosenladen das Quartett 1974 zusammenfand, hat die Drumsticks mit 75 Jahren zwar endgültig an Jim MacAuley übergeben. Sänger und Gitarrist Hugh Cornwell hatte sich schon 1990 verabschiedet. Doch die Gründungsmitglieder Jean-Jacques Burnel (62) am Bass und Mikrophon sowie Dave Greenfield (65) an den Keyboards lassen im zur Hälfte gefüllten LKA keinerlei Ermüdungserscheinungen erkennen. Ex-Toy-Dolls-Bassist Baz Warne (50), der seit 2000 das zweite Mikro und die Gitarre dieser virtuosen „Würger“ bedient, fügt die nötigen Ecken und Kanten samt Coolness hinzu. Denn für Punk-Helden sind The Stranglers eigentlich zu erfolgreich und zu musikalisch. Hier paart sich mehrstimmiger Harmoniegesang unerschrocken mit psychedelisch-komplexen Orgelkaskaden. Doch die Band kommt damit durch. Nur als Warne „Thrown Away“ mit „it’s discotime“ ankündigt, brüllt ein Fan „Scheiße!“ Nach dem schön düster rollenden „Skin Deep“ besänftigt ihn erst die melodiöse Kraft früher, punkiger Kracher aus den 70ern.

Mit „Time To Die“, „Nice ’n’ Sleazy“, „Duchess“ und „5 Minutes“ bleiben diese gereiften, relaxten Stranglers gern gehörte Heroen.