„Dann herrscht endlich Totenruhe – Dank meiner roten Kickboxschuhe!“ In der  Impro-Comedy, die erstmals im Alten Theater gastierte, waren die knallroten Plastiktreter, die der Sohn einer Besucherin beim Auszug aus der elterlichen Wohnung hinterlassen hatte, ein Tauschobjekt in der Show „Tauschrausch“.

Das Konzept ist einfach: Die Besucher tauschen ein möglichst skurriles, gerne auch hässliches Ding gegen ein Objekt auf dem Gabentisch des Comedy-Trios. Dort lagen im Alten Theater unter anderem eine Milchkanne, ein anatomischer Papp-Muskelmann, eine Wärmflasche und ein glitzerndes Prinzessinnen-Diadem.

Die Frau, die ihre Kickboxschuhe eintauschte, erhielt als Gegenwert ein Paar Cheerleader-Puschel und zeigte sich hocherfreut. „Das ist das Tolle an dem Abend“, sagte Helge Thun. „Man darf sich das Tauschobjekt nicht aussuchen.“ Die Regie bleibt trotz übermütiger Zuschauer fest in der Hand der Profis.

Das Comedy-Trio mit Jakob Nacken, Mirjam Woggon und Helge Thun ist ein Ableger des Tübinger Improvisationstheaters „Theatersport“. Sein neues Format: Das Publikum ruft nicht nur Stichworte in den Saal, sondern liefert ganze Biografien oder Alltagsbegebenheiten.

Ein Michael aus Siebenbürgen hatte einen Hula-Hoop-Reifen mitgebracht, der ihm laut Thun wohl zu eng geworden war, und lieferte mit seiner beruflichen Tätigkeit „Fertigungsplanung“ eine schönes Stichwort für Mirjams Gedicht „keine Ahnung“. Das Publikum im Alten Theater lieferte Whats-App-Sätze aus Smartphone-Chats und outete sich mit seinen Berufen. Das Trio machte daraus dramatische Gedichte, Fachvorträge oder  Musicals.

Spanferkel karamelisiert

Der Hit des Abends war ein Konditor-Lehrling  im dritten Lehrjahr, der mit beruflichen Fachbegriffen wie „zur Rose abziehen“ glänzte und auch den bisher schrägsten Auftrag seines Betriebs verriet. „Wir mussten mal für eine Küchenfirma eine Torte in Form einer Dunstabzugshaube herstellen.“

Jakob Nacken stellte im „Fachvortrag“, zu dem ihm Zuschauer in der Pause Fotos geschickt hatten, das Konditoren-Handwerk vor und lieferte einzigartige Einblicke hinter die Kulissen des Ausbildungsbetriebs. Dort wurden offensichtlich Spanferkel karamellisiert und die Küche hatte das Flair eines Abbruchhauses.

„Das klingt zum guten Schluss – Nach Freundschaft plus“, fasste Thun die Liebe zwischen einem Hasen und einer Häsin zusammen. „Freundschaft plus“ nahm auch das Ensemble mit, das am 29. April 2019 wieder ins Alte Theater kommt.