Bücher Neue Weihnachtsgeschichten von Manfred Eichhorn

Ulm / Claudia Reicherter 21.12.2017
Aufgespürt, erlebt, erfunden: Der Ulmer Autor Manfred Eichhorn hat neue Geschichten zu Weihnachtsbräuchen und -erlebnissen in einem schmalen Buch zusammengefasst.

Manfred Eichhorn muss man in Ulm nicht mehr vorstellen. Wer bislang noch keinen seiner Regionalkrimis gelesen hat, der kennt den hageren Mann mit dem schulterlangen schlohweißen Haar sicherlich aus seiner Buchhandlung, die er lange Jahre in der Herrenkellergasse betrieb, oder von einer seiner zahlreichen Lesungen in und im Umkreis von Ulm. Dem einen oder anderen ist der Name vielleicht auch vom Kinderbuch „Woisch du, wia saumäßig i di mag?“ in Erinnerung, für das Eichhorn 2004 Sam McBratneys und Anita Jerams reizende Hasengeschichte „Guess How Much I Love You“ ins Schwäbische übertragen hat.

22 Jahre nach seinem Mundartversklassiker „Die schwäbische Weihnacht“ und 20 Jahre nach „Der schwäbische Nikolaus“ legt der gebürtige Ulmer und heute in Beuren bei Pfaffenhofen lebende Autor ein neues Buch vor. Rechtzeitig zur Last-Minute-Geschenkesuche versammelt er in dem im Wartberg-Verlag erschienenen Band „Schwäbische Weihnachtsgeschichten“.

Einige davon hat er selbst erlebt – und manches Mal regelrecht erlitten. Wie die humorvoll-nostalgische Erzählung „Der Bischofsstab des heiligen Nikolaus“ oder „Der blinde Kater Felix“, der auf dem Gnadenhof seiner Schwägerin tatsächlich lebt. Literarisch wurde die Geschichte nur leicht verfremdet, und wie immer bei Manfred Eichhorn ist sie geradlinig-elegant und mit einem warmherzig-humorvollen Augenzwinkern erzählt.

Besonders berührend ist die Erzählung, wie er im Kriegsjahr 1944 mit seinen Geschwistern, dem Großvater und der Mutter – der Vater war an der Front – die Bombennächte vor Weihnachten im Keller des elterlichen Hauses verbrachte. Und deren ganz und gar unheiligen Schrecken bis heute mit seinen Geschwistern gedenkt: „Ulm. 17. Dezember. Abends halb acht.“

Andere der 19 Kurztexte sind historisch verbürgt. Der 76-Jährige hat sie aufgespürt, gesammelt und erzählt sie in seinen Worten nach. So etwa die Erfindung des Adventskalenders durch den Maulbronner Pfarrerssohn Gerhard Lang oder die Entstehung des Biberacher Brauchs des „Chrischtkendle-Rablassa“.

Wieder andere sind seiner Fantasie entsprungen, so etwa eine moderne Maria-und-Josef-Herbergssuche und die Geschichte, die den schmalen, in Tannengrün gebundenen und mit einem Foto aus Manfred Eichhorns eigener Kindheit illustrierten Band beschließt: In „Das letzte Konzert der Dreikönige“ lässt der Autor fiktive Musiker um Keyboarder Melcher König ihren Abschieds-Gig vorbereiten – samt der Überlegung, ob sie statt des Mega-Erfolgs „Gold“ doch lieber ihren Song „Liebe“ spielen sollten. „Ma ka net älles han“, sinniert der schwäbische Bandleader da an einer Stelle. Stimmt. Alles kann man nicht haben – aber dieses schmale Buch, das kann man sich bedenkenlos zulegen und verschenken.

Manfred Eichhorn: „Schwäbische Weihnachtsgeschichten.“ Wartberg Verlag, 80 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, 11.90 Euro.

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