Stuttgart "Poppea", im 3D-Kino getanzt

JÜRGEN KANOLD 09.12.2013
Das vielfach ausgezeichnete Tanzstück "Poppea/Poppea" von Gauthier Dance als 3D-Film: Premiere im Stuttgarter Metropol-Kino.

Die Tänzerinnen und Tänzer futtern fröhlich Popcorn aus Pappeimern. Die junge Company von Gauthier Dance auf der Weihnachtsfeier im Kino? Nein, das war am Samstagabend eine so genannte Weltpremiere: von "Poppea, Poppea", der preisgekrönten Choreografie Christian Spucks als 3D-Film. Ein roter Teppich vor dem Metropol-Kino unweit des Stuttgarter Schlossplatzes, Publikumsandrang in zwei Sälen bei diesem Höhepunkt der 19. Filmschau Baden-Württemberg - und halbstündiges Warten auf Einlass, weil zuvor eine Kinderschar Richy Müller mit Fragen bestürmt hatte, der Xavier Kollers Abenteuerfilm "Die schwarzen Brüder" vorstellte.

Danach Tanz in 3D. Wim Wenders hat das mit "Pina" vorgemacht. Regisseur Nikolai Vialkowitsch aus Karlsruhe von parallax raumprojektion drehte - technisch virtuos - mit "Poppea/Poppea" keine Doku, sondern filmte ab, er sicherte gewissermaßen eine höchst erfolgreiche, nach 50 Aufführungen von der Bühne abgesetzte Choreografie dreidimensional für die Nachwelt.

"Die Krönung der Poppea", das ist Claudio Monteverdis frühbarocke Oper über die amoralische Liebe zwischen dem römischen Kaiser Nero und einer von Ehrgeiz zerfressenen Schönen. In seinem 80-minütigen Tanzstück "Poppea/Poppea", 2010 für Gauthier Dance und das Stuttgarter Theaterhaus erarbeitet, überträgt Spuck den Stoff in moderne Klang- und Bildwelten; er setzt dabei auch auf Live-Kamera und Videoprojektion, um das Making-of der Gefühle zu befragen: das Verhältnis von Figur und Darsteller zu beleuchten.

Und was zeigt Vialkowitschs 3D-Produktion? In den besten Szenen noch eine weitere Dimension, genau genommen "Poppea/Poppea/Poppea". Was exponiert filmkunstvoll auf der Großleinwand erscheint, ist in Spucks Choreografie schon alles angelegt, aber im 3D-Kino wird der Blick fokussiert, der Zuschauer geradezu auf die Bühne geholt - großartig, die Tänzer in Nahaufnahme zu beobachten, wenn sie greifbar im irrealen Raum sich zu bewegen scheinen.