Musiktheater „Krieg“ an der Jungen Oper Stuttgart

Aisha Tümmler und Ipca Ramanovic in der Kammeroper „Krieg. Stell dir vor, er wäre hier“.
Aisha Tümmler und Ipca Ramanovic in der Kammeroper „Krieg. Stell dir vor, er wäre hier“. © Foto: Christoph Kalscheuer
Stuttgart / Otto Paul Burkhardt 09.05.2018

Ein junges Publikum in  den „Erlebnisraum Oper“ zu führen: Das war das Ziel einer Initiative, die 1995 der damalige Stuttgarter Opernintendant Klaus Zehelein ins Leben rief. Von 1997 an entstanden eigene Musiktheater-
Produktionen, und eine Erfolgsgeschichte begann. Denn die „Junge Oper“ bietet neben dem Blick hinter die Kulissen auch aktive Teilhabe und die Arbeit mit Profis an. Heraus kommen Projekte mit Anspruch – „immer auf der Suche nach neuen ästhetischen Formen und brennenden Themen“, so das Credo.

Die aktuelle Produktion – „Krieg. Stell dir vor, er wäre hier“, eine Kammeroper ab 14 Jahren von Marius Felix Lange nach dem Buch von Janne Teller mit Gedichtinseln von Nora Gomringer – versucht, ein schweres Thema mit einem einfachen Experiment nahe zu bringen: einem Tausch der Perspektiven.

Denn erzählt wird die Geschichte einer deutschen Familie, die vor dem Krieg in Europa ins sichere Ägypten fliehen muss – mit allen konkret durchgespielten Folgen, von Hunger und Angst bis hin zum Identitätsverlust und dem Versuch, im Zufluchtsland zurechtzukommen.

Regie führt die „Junge Oper“-Lei­terin Elena Tzavara, und um die nur auf den ersten Blick abstruse Story greifbar zu machen, bietet sie verschiedene Zugänge im Wechsel an. Direkt vor dem Publikum agiert ein Erzähler, und hinter Gitter und Stacheldraht spielt sich die zweite, imaginative Ebene der Geschichte ab: eine Art Fantasieraum zwischen Traum und Alptraum.

Alltagsprosa, surreale Bilder, sensible, moderat moderne Musik und expressiver Gesang wirken zusammen (es spielen und singen Aisha Tümmler und Ipca Ramanovic). Indem der Moderator im Kontrast zur Kriegsthematik das Publikum mit Popcorn und Zuckerwatte bespaßt, entsteht auch eine Art gefährdeter Komfortzone – und mit ihr das Bewusstsein, wie labil das Leben im Frieden sein kann. Ein intelligent präsentiertes Gedankenexperiment.

Info Karten gibt es noch für die Abendvorstellungen am 15. und 18. Mai.