Musik „Heute fahre ich die Gülle aus“

Auch Grundschulen sind bei den Schulchortagen dabei: Diese Sängerinnen sind aus Ungarn angereist.
Auch Grundschulen sind bei den Schulchortagen dabei: Diese Sängerinnen sind aus Ungarn angereist. © Foto: Matthias Kessler
Ulm / Henri Gallbronner 14.07.2018

Einen ganz besonderen Jodler, „bei dem der Text auch wirklich Sinn ergibt“, kündigt Thomas Perstling-Edelmair, Chorleiter am Gymnasium Dreihackengasse Graz, dem Publikum im Ulmer Rathaus an. Na ja, genau genommen lautet die Übersetzung: „Heute fahre ich die Gülle aus.“ Gelächter im Foyer. Eine reiche Ernte musikalischer Arbeit aber zeigen die baden-württembergische Schulchortage allemal.

Dem „datengestützten“ Bildungssystem etwas entgegensetzen – darin sieht Schulpräsidentin Susanne Pacher die Funktion der Schulchortage.  Alle vier Jahre ist der Regierungsbezirk Tübingen mit der Ausrichtung dran – und damit fast automatisch die Stadt Ulm. Bereits zum siebten Mal finden die Schulchortage hier statt. Nicht ohne Grund, wie Kulturbürgermeisterin Iris Mann zum Auftakt meinte: „Chormusik, Gesang gerade von Kindern und Jugendlichen, spielt bei uns eine große Rolle.“

Auch die Verbindung mit dem Donaufest lobte Iris Mann, da sie es ermögliche, „den Begegnungscharakter, den die Schulchortage innerhalb Baden-Württembergs haben, wesentlich größer zu denken und entlang der Donau auszudehnen“. Drei Jahre lang knüpfte Gerhard Semler, Abteilungsleiter Bildung und Sport, Kontakte zu diversen Schulchören entlang der Donau: Sänger aus Ungarn, Bulgarien und Österreich konnte er für die Schulchortage gewinnen. Beim Empfang im Rathaus stellten sie sich mit landestypischen Klängen vor.

Bereits seit Montag ist der Chor des Prof.-Konstantin-Galabov-Gymnasiums aus der bulgarischen Hauptstadt Sofia in Ulm. Neben einem Auftritt auf dem Medienboot standen Ausflüge nach Heidelberg und Nördlingen auf dem Programm. Das beeindruckendste Erlebnis für die Sänger Boyan und Yavor war allerdings die erste gemeinsame Probe für die Messe „The Armed Man“ von Karl Jenkins, die heute Abend von vier Chören in der Pauluskirche aufgeführt wird: „So viele Menschen, so viel Energie und Liebe für die Musik“, schwärmt Yavor.

Auf ein bildungspolitisches Problem machte Daniela Mainka, Chorleiterin an der Laupheimer Friedrich-Adler-Realschule aufmerksam: „Wir sind leider wie alle Realschulen in der traurigen Situation, dass wir keine einzige AG-Stunde mehr für den Schulchor haben“, sagte sie beim Eröffnungskonzert im Stadthaus. In Laupheim behelfe man sich nun damit, dass die Schüler in mehreren Gruppen während des Musikunterrichts die Stücke einstudieren.

Doch nicht nur diese negative Seite der Schulchorarbeit wurde beim Eröffnungskonzert deutlich. Dass man auch an der Schule auf hohem Niveau musizieren kann, zeigte unter anderem der Kammerchor des Max-Planck-­Gymnasiums Nürtingen, der vorwiegend zeitgenössische Werke aufführte: Den Abba-Hit „Money, Money, Money“ sangen die Schüler mit genauso viel Enthusiasmus wie „Tonight“ aus der „West Side Story“.

Gemeinsames Abschlusskonzert

Pauluskirche „The Armed Man“ von Karl Jenkins bildet den Abschluss der baden-württembergischen Schulchortage und des Internationalen Donaufests. Schulchöre aus Heidenheim, Graz, Sofia und Hódmezövásárhely in Ungarn führen die Friedensmesse heute, 20 Uhr, in der Pauluskirche auf. Begleitet werden sie vom Philharmonischen Orchester der Stadt Ulm. Dirigent ist Thomas Kammel.

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