Das nennt man dann wohl ein ebenso schönes wie schlichtes Motto: „Haydn in C“. Eigentlich ist die Werkauswahl da riesengroß, denn C-Dur dürfte neben D-Dur eine der am meisten verwendeten Tonarten bei Joseph Haydn sein. Anders schaut es da beim kleingeschriebenen „c“ aus, denn c-Moll (wie Moll-Tonarten überhaupt) findet man bei diesem Klassiker selten, so zum Beispiel nur in elf seiner 104 Sinfonien.

Hierin unterscheidet er sich etwa diametral von Spätromantiker Peter Tschaikowsky, der ein Faible für das „weiche“ Tongeschlecht hatte – und kein Freund der Musik des Niederösterreichers war: „Wäre wohl Haydn tragischer, tiefer leidenschaftlicher geworden, wenn er in einer anderen Zeit gelebt hätte?“

Dass der „Erfinder“ der Gattung Sinfonie durchaus tief begeistern kann, bewies das Studio Ulmer Musikfreunde unter der Leitung von Albrecht Schmid in der Pauluskirche. Als C-Dur-Werke schickten die Musiker die Sinfonie Nr. 41 und das erste Cellokonzert sowie das Konzert für Oboe und Orchester ins Rennen; Repräsentant für das kleine, weiche „c“ war die Sinfonie Nr. 95.

Den Auftakt machte Mathis Merkle als Solist des vor 57 Jahren wiederentdeckten und 1962 beim Festival „Prager Frühling“ aufgeführten Werkes. Es war, als läutete Merkle damit in Ulm den Frühling ein, so süffig-spritzig und leichtfüßig ging ihm das Werk von der Hand. Im ersten Satz musste er etwas gegen das dominante Orchester anspielen, in den beiden anderen Sätzen wurde es homogener. Und wie er die Kadenz gestaltete, das hatte Klasse. Ursula Müller-Merkle, die Konzertmeisterin des „Studios“, war zu Recht sichtlich stolz auf ihren Sohn.

Mit der Sinfonie Nr. 95 wurde es „mollig“ und markant. Nicht nur das kurze Eröffnungsmotiv lässt Beethoven vorausahnen. Auch die Tatsache, wie furios Haydn am Schluss die Moll-Schatten vertreibt und das Werk einem jubilierenden Finale entgegenpeitscht, hat Beethoven seinem Lehrer abgeschaut. Starker Applaus zur Pause.

Dann bescherte Elisabeth Wieland den Zuhörern als Solistin des Oboenkonzerts den Höhepunkt des Abends. Ein Jammer, dass man dieses an musikalischen Erfindungen und Wendungen überreiche Konzert so selten live erleben kann. Immerhin kam man so in den Genuss, das „unerhörte“ Werk wie frisch geschaffen zu erleben, zumal Wieland und ihre toll disponierten „Studio“-Partner buchstäblich das letzte Staubkörnchen von der mehr als 250 Jahre alten Partitur bliesen.

Nach dieser fulminanten Darbietung wollte die dann folgende Sinfonie Nr. 41 nicht mehr so recht zünden, aber das lag nicht an den Musikern, sondern an der Dramaturgie der Werkabfolge. Wieland war einfach nicht mehr zu toppen.