Ausstellung „Gastmahl“ im Museum der Brotkultur: Erstaunlich und auch mal eklig

„Green Revolution“ nennen Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger ihr Gastmahl aus nachwachsenden Düngerkristallen. Foto: Claudia Reicherter
„Green Revolution“ nennen Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger ihr Gastmahl aus nachwachsenden Düngerkristallen. Foto: Claudia Reicherter © Foto: Claudia Reicherter
Ulm / Claudia Reicherter 06.12.2016

Schwer zu sagen, was gemeiner ist. Das mehrteilige Video- und Konzeptkunstwerk mit dem neugierig machenden Titel „Eines der Dinge, die mich an Dir erstaunen, ist, dass Du unermordet bleibst“, das Kristina Buch zwischen 2012 und 2016 schuf? Oder das topaktuelle „Nutella-Bild“ von Thomas Rentmeister? Die Trockel-Schülerin und mit 29 Jahren jüngste documenta-13-Teilnehmerin hatte nach einer missglückten Kunstaktion drei Jahre lang mit einem Huhn zusammengelebt – und das ungewöhnliche Haustier, den 1000-Tage-Partner und -Konkurrenten, der ihr in einem Fall sogar Diebe vom Hals gehalten hat, am Ende doch noch geschlachtet und zur Suppe verarbeitet. Das ist schon ziemlich gemein, oder?

Der Brauschweiger Bildhauer und Uecker-Schüler Rentmeister hat da auf den ersten Blick ein weniger spektakuläres Werk geschaffen, als er in diesem Jahr Massen von Nutella auf eine große Holzplatte spachtelte. Das sieht ein wenig nach kackbraunem Informel aus. Soll aber nach den Worten des Künstlers vielmehr die amerikanische Minimal Art persiflieren. Was es auf jeden Fall tut, ist, dem Besucher vom Eingang weg in die Nase zu steigen mit seinem verlockenden Duft nach ungesundem Brotaufstrich. Auch fies, was? Vor allem für hungrige Besucher.

Das sind nur zwei Arbeiten, die auf die Einladung der Museumsleiterin Isabel Greschat an zeitgenössische Künstler, sich mit der Sammlung des Brotmuseums auseinanderzusetzen, eingegangen sind. Auch Claude Wall, Christian Jankowski, Harald Kröner, Bernhard Friese und Maria Tackmann machten sich Gedanken über Platons Idee vom „Gastmahl“ – und schufen Greschat zufolge ein „köstliches künstlerisches Buffet“. Neben Köstlichem hat die Ausstellung „Gastmahl“ aber auch allerlei Erstaunliches und ein wenig Ekliges zu bieten. Erstaunlich und faszinierend, geheimnisvoll und zugleich unheimlich sind die grünen Dinger, die auf den Tellern eines zentral im Ausstellungsraum im Erdgeschoss des Salzstadels aufgebauten, festlich gedeckten Tisches heranwachsen. Oder heranwuchern.

Die Installation „Green Revolution“ des Schweizer Künstlerpaars Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger besteht maßgeblich aus einer „Suppe aus Düngemittel mit Farbstoff“. Wenn der in den euphorischen 60er/70er Jahren zur Hoffnung auf Abschaffung des Hungers in der Welt führende Dünger mit Flüssigkeit gefüttert werde, dann wüchsen diese Kunstdüngerkristalle ganz schön schnell, erklärt Greschat, die den Tisch vor einem von Eat-Art-Erfinder Daniel Spoerris berühmten „Fallenbildern“ platziert hat.

Eklig erscheint auch die Idee der beiden ebenfalls aus der Schweiz stammenden jungen Künstler Valentin Beck und Adrian Rast: Um ihrer erd- und menschheitsgeschichtlich absolut gutgemeinten Installation „EIN*MACH*ENDE >>Gold<<“ etwas Interaktivität abzugewinnen, laden sie Besucher ein, die in Regale aus Euro-Paletten einsortierten Einweckgläser mit „geretteten“ Lebensmitteln durch Gläser mit dem eigenen Urin zu ersetzen. Alternativ lassen sich die beiden aber auch gern zum Essen einladen. Ist schließlich nicht leicht, heute als Künstler zu überleben – auch irgendwie gemein.

Leckerbissen: Essen mit Kröner, Tackmann oder Wall

Ausstellung „Gastmahl. Künstlerblicke auf die Sammlung“ ist noch bis 26. Februar 2017 im Erdgeschoss des Museums der Brotkultur, Salzstadelgasse 10, in Ulm zu sehen. Geöffnet täglich 10–17 Uhr. Infos unter Tel. (0731) 699 55 und im Internet: www.museum-brotkultur.de

Begleitprogramm Heute und morgen lädt das Museum Kinder zwischen 6 und 12 Jahren zum Adventsbacken (14.30–16.30 Uhr); morgen, Mittwoch, und am 1. Februar gibt es Mittagsführungen mit Imbiss (12 Uhr). Zu Führungen mit Künstlern, Abendessen und Überraschung lädt das Team am 15. Dezember (Harald Kröner), 26. Januar (Maria Tackmann) und 9. Februar (Claude Wall).