Das Scheichtum Katar soll für Paul Gauguins 1892 gemaltes Südsee-Bild "Nafea faa ipoipo" 300 Millionen Dollar bezahlt haben, die Versicherungssumme für die Gauguin-Ausstellung in der Fondation Beyeler betrug 2,5 Milliarden Dollar. Kann man angesichts solcher Entwicklungen überhaupt noch guten Gewissens mit Kunst handeln?

HANS MAYER: Als ich Gauguins Bild in der Zeitung abgebildet sah, da hat es mir richtiggehend den Atem genommen. So ähnlich ging es mir nur 1954, als die Stadt Ulm August Mackes Aquarell "Mit gelber Jacke" von 1913 kaufte. Dieses für mich vielleicht schönste Bild überhaupt hat mich zur Kunst gebracht. Gauguins Bilder und Mackes Bilder sind einmalig, die werden nicht mehr auf den Markt kommen, die werden an ihrem Platz die entsprechenden Leute weltweit anziehen. Und insofern ist der Preis korrekt. Das Problem des Kunsthandels ist, dass er früher immer wieder bestimmte Bilder einmal, zweimal, dreimal verkaufen konnte. Heute wird ein gutes Bild an einen Sammler verkauft und es wird ihm gleich gesagt: Wenn Du und Deine Frau einmal nicht mehr leben, dann holen wir das Bild wieder zurück. Für solche Rückholmanöver gibt es Verträge, und die sind wasserdicht.

Sie waren schon bei der Gründung des Kölner Kunstmarkts 1967 dabei. Jetzt 2015 wird Ihnen der Art Cologne-Preis überreicht. Wie hat sich dieser Kölner Kunstmarkt, wie hat sich das ganze Kunstmessegeschäft in diesen 48 Jahren verändert?

MAYER: Als wir den ersten Kölner Kunstmarkt, der in Gürzenich stattfand, hinter uns hatten, haben wir mit zwei befreundeten Künstlern auf dem Rückweg nach Ulm in Limburg Station gemacht und dort richtig gefeiert und geprasst. Warum? Weil wir volle Taschen hatten. So kam der Kölner Kunstmarkt in Fahrt. Dann gab es schwierige Zeiten, ich habe zweimal pausiert, weil ich auch in Basel von Anfang an dabei war und ich da die größeren Möglichkeiten sah. Vor allem haben die Kölner meine Forderung zunächst zurückgewiesen, ihren Kunstmarkt international auszurichten. Mit Daniel Hug haben wir aber jetzt einen guten kompetenten Mann, der Köln wieder in die vorderste Reihe gebracht hat.

Als Galerist haben Sie sich zum Global Player gemausert. Wollten Sie immer schon in der Champions League mitspielen? Oder muss man das, um als Galerist zu überleben?

MAYER: Ich habe das schon früh gesagt, dass ich hier in Düsseldorf ohne meine Kunstmärkte nicht existieren könnte und viele andere Galerien auch nicht. Die Überlebensräume sind London, natürlich New York, inzwischen vielleicht Hongkong, aber selbst in Berlin ist das Galeristenleben eine hochkomplizierte, arg wackelige Angelegenheit.

Ihr Kollege Yvon Lambert sagt, dass die Spekulation mit klassischer wie auch mit zeitgenössischer Kunst so weit fortgeschritten ist, dass Galeristen gerne wie Anlageberater betrachtet werden. Er schickt solche Leute, die nur nach Gewinnmaximierung suchen, gleich zur nächsten Bank. Machen Sie ähnliche Erfahrungen?

MAYER: Nein, ich habe das ganz große Glück, dass ich eigentlich nur Kunstliebhaber habe, also Leute, die an ihren Bildern hängen, und das ist ja auch mein Pech, weil ich natürlich bestimmte Bilder wieder gerne zurück hätte, um die wieder zu verkaufen und noch einmal oder zweimal daran zu verdienen.

Wie verkraften Ihre Künstler eigentlich diese irrwitzigen Höhenflüge des Kunstmarkts, fürchten die nicht, dass dieser Auktions-Wahnsinn irgendwann einmal die Kunstmärkte derart beschädigt, dass nichts mehr geht und die Blase platzt?

MAYER: Immer so im Zehnjahresrhythmus behaupten die Auguren, jetzt müsste die Blase platzen, aber komischerweise geht es weiter. Wir haben heute weltweit so viele Kunstbegeisterte, Millionen junger Leute, die erklären, wir wollen nicht mehr mit den Bildern unserer Eltern leben, wir wollen unsere eigene Kunstszene haben. Das allein schon treibt die Preise in die Höhe. Es gibt nicht so viele neue Ueckers und Mondrians, und wenn der letzte Mondrian verkauft ist, dann gibt es eben keinen mehr zu kaufen. Wenn sie dann noch überlegen, dass gerade jetzt zwischen Hongkong und Shanghai 70 neue Museen gebaut wurden, dann hat der Kunstmarkt künftig noch genügend zu tun, um diese Häuser mit Kunst zu füllen.

Bei ihm trafen sich Andy Warhol und Joseph Beuys

Zur Person In einem ehemaligen Sarglager in Esslingen am Neckar startete Hans Mayer 1965 seine Op-Art-Galerie mit Arbeiten Josef Albers'. Der Kontakt zu Albers, überhaupt zu den Konstruktivisten und zur Konkreten Malerei eines Max Bill kam über die legendäre Ulmer Hochschule für Gestaltung zustande. Mayer, Jahrgang 1940, ist Ulmer und bis heute betreut er etwa intensiv die Sammlung von Jutta und Siegfried Weishaupt, die ja Ulm eine Kunsthalle spendiert haben. In Mayers Künstlerliste fehlt kein berühmter Name, Rauschenberg, Lichtenstein, Haring, Basquiat und viele andere gingen in seiner Düsseldorfer Galerie am Grabbeplatz ein und aus. Dort brachte er auch Andy Warhol, mit dem damals stets für Schlagzeilen sorgenden Joseph Beuys zusammen, die Idee für Andy Warhols Prominenten-Porträts wurde auch in Mayers Galerie am Grabbeplatz geboren.

Auf der Messe Auch jetzt, auf der Art Cologne, bei der mehr als 200 Galerien aus 23 Ländern mit von der Partie sind, setzt Mayer auf seine bewährte Künstler-Mannschaft: Max Bill ist dabei, Tom Wesselmann und selbstverständlich auch Mayers enger Freund Robert Longo. Immer hat Hans Mayer auch die deutsche Kunstszene im Blick, ob Klassiker wie Günther Uecker sind oder die Arbeiten etwas jüngerer Kunstwerker wie C. O. Paeffgen, Jürgen Klauke, Ben Willikens oder Markus Oehlen. Und hier bewegen sich auch die Preise noch auf einer Höhe, auf der sich Mayers Sammler tummeln können.

Bis Sonntag Die Art Cologne, der 49. Internationale Kölner Kunstmarkt, findet in der Halle 11 auf dem Messegelände Köln-Deutz statt; Öffnungszeiten für Besucher: Do-Sa 11-19 Uhr, So 11-18 Uhr; Tageskarte 25 Euro, Katalog 30 Euro; www.artcologne.com