Konzert „Bring Me The Horizon“ setzen auf Bekanntes

Stuttgart / Udo Eberl 07.11.2018

Die britische Metalband „Bring Me The Horizon“ hat es in den vergangenen 14 Jahren verstanden, sich musikalisch immer weiterzuentwickeln. Waren es am Anfang reiner Metalcore und Deathmetal, die hinausgeprügelt wurden, kamen  später Einflüsse des Alternative Rock oder frickeligen Drum’n’Bass hinzu. Vielschichtiger, melodischer, vielleicht greifbarer für den Mainstream wurden die Jungs aus Sheffield. Für den 25. Januar 2019 haben sie die Veröffentlichung des für sie bahnbrechenden sechsten Studioalbums „amo“ angekündigt.

Wer allerdings gehofft hatte, beim Europatour-Start in der Stuttgarter Schleyerhalle würde man live den zu erwartenden satten Vorgeschmack auf diese Scheibe bekommen, der wurde enttäuscht. Vielleicht hatten wirkliche Insider ja den Braten gerochen, und es waren deshalb nur 3500 Fans in der Halle. Die kurzhaarigen Metal-Mannen begannen zwar mit dem neuen „Mantra“, in dem die Keyboards noch etwas kräftiger zum Tragen kommen, doch diesen Auftakt durfte man im Sommer bereits bei Open Airs bejubeln.

So geriet dann auch das brandneue „Wonderful Life“, die zweite Single von „amo“, schon mal in Schräglage. Doch „Bring Me The Horizon“ konnten mit starkem zweistimmigen Gesang punkten, etwas zu viel Sound und Atmosphärisches kam aus dem digitalen Off. Vor allem die bewährten Songs kamen im Publikum an. Der „Shadow Moses“ mit seinen Maschinengewehr-Riffs, gefolgt vom kraftvollen „Happy Song“, der früher als Opener beste Dienste leistete, krachte gut. Doch auch hier verstummten die verzückten Jubelschreie in den Blackouts der Song-Pausen rasch.

Von wegen „amo“

Klar, die Band rockte in „Sleepwalking“ mit schlafwandlerischer Perfektion und hyperventilierender Energie, doch die Frage „Can You Feel My Heart“ wurde zwar im gleichnamigen Song als Großchor intoniert, blieb aber doch nur eine rhetorische. Wirklich berühren und anfassen konnten die jungen Briten, gefangen in Live-Klischees und müden Ansagen, hinter all den Nebelwänden nicht. Von wegen „amo“. Live blieb fast alles beim Alten.

Im geradezu schmissigen Pop-Allerlei-Format gab’s „Follow You“, dann den Headbanger „Antivist“, um dann mit „Drown“ im Lagerfeuer-Format mit einer schlampig gespielten Westerngitarre zum Ende zu kommen. Da fielen nach nur 80 Minuten selbst die Zugabe-Rufe schwer. Doch natürlich mussten „Doomed“ und „Throne“ als Stimmungsbringer und letzter guter Eindruck noch ran. Wirklich Neues dann im nächsten Jahr.

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