Monatelang soll sich Regisseur Quentin Tarantino im Schneideraum verkrochen haben, um sein neues Werk noch rechtzeitig fertig zu bekommen. Und es hat geklappt. „Once upon a time... in Hollywood“ wurde nachträglich in den Wettbewerb des Filmfestivals in Cannes aufgenommen und wird in Südfrankreich seine Weltpremiere feiern - 25 Jahre nachdem Tarantino dort für sein Meisterwerk „Pulp Fiction“ die Goldene Palme gewann.

Allein die Namen, die der US-Amerikaner für seine Hommage ans Hollywood seiner Jugend verpflichten konnte, dürften die Organisatoren anderer A-Festivals neidisch werden lassen: In den Hauptrollen sind Brad Pitt und Leonardo DiCaprio zu sehen, hinzu kommen Al Pacino, Kurt Russell, Tim Roth und Margot Robbie.

Los geht es am Dienstag (14. Mai) in Cannes aber erst einmal mit „The Dead Don’t Die“. Auch der Eröffnungsfilm verspricht ein Spektakel mit zahlreichen Stars zu werden: Regisseur Jim Jarmusch zeigt seine Version der Zombie-Apokalypse - eine Komödie. Darin kämpfen Bill Murray und Adam Driver gegen Untote wie Iggy Pop.

Überhaupt ist die Gästeliste gewohnt lang. Neben den bereits erwähnten Promis sind für die 72. Festivalausgabe Penélope Cruz und Antonio Banderas angekündigt, ebenso Alain Delon, Isabelle Huppert und der 88 Jahre alte Jean-Louis Trintignant. Auch Sir Elton John wird im Festivalpalast an der Côte d’Azur erwartet und Sylvester Stallone will dort Ausschnitte von „Rambo V“ vorstellen.

Selbst wenn diese Namen den Festspielen jede Menge mediale Aufmerksamkeit sichern werden, so stehen eigentlich die Filme im Mittelpunkt. Die Jury unter Vorsitz des vierfachen Oscar-Preisträgers Alejandro González Iñárritu („The Revenant - Der Rückkehrer“) wird dabei im Wettbewerb die Werke vieler bekannter Autorenfilmer sehen.

Der Spanier Pedro Almodóvar („Alles über meine Mutter“) fokussiert mit „Dolor y Gloria“ auf einen strauchelnden Künstler, während der US-Amerikaner Terrence Malick „A hidden life“ vorstellt, ein auf wahren Begebenheiten beruhendes Drama über einen österreichischen Bauern, der nicht für die Wehrmacht kämpfen wollte.

Zu den Cannes-Stammgästen gehören auch die belgischen Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne; sie thematisieren in „Le jeune Ahmed“ die Radikalisierung eines jungen Muslims. Der Brite Ken Loach hingegen, der ebenfalls schon zwei Goldene Palmen gewonnen hat, legt mit „Sorry we missed you“ wieder ein Sozialdrama vor.

Auch einige Neulinge haben es in den Wettbewerb geschafft. Die Französin Mati Diop („Atlantics“) etwa ist die erste schwarze Frau in der über 70-jährigen Geschichte des Festivals, die ihren Film in der Hauptkonkurrenz zeigen kann. Sie ist außerdem eine von vier Frauen im Wettbewerb - das ist bei 21 Beiträgen nicht viel, aber mehr als in den Vorjahren, in denen Cannes für die quasi nicht-existente Frauenbeteiligung heftig kritisiert wurde. Auch die Österreicherin Jessica Hausner ist vertreten. Nach Erfolgen in einer Cannes-Nebenreihe darf sie mit „Little Joe“ auf einen der Hauptpreise hoffen, die am 25. Mai vergeben werden.

Wegen des noch immer andauernden Streits um den Vertrieb von Netflix-Werken wird es erneut keine Filme des Streaminganbieters im Wettbewerb geben. Auch einen deutschen Beitrag sucht man dort vergebens. Dennoch ist die Beteiligung aus dem deutschsprachigen Raum zu spüren: So ist Terrence Malicks „A hidden life“ nicht nur eine deutsche Koproduktion, sondern auch mit August Diehl in der Hauptrolle entstanden - und zeigt den gestorbenen Bruno Ganz in einem seiner letzten Kinoauftritte. Sandra Hüller wiederum spielt im französischen „Sibyl“ mit, Maren Ades Produktionsfirma finanzierte „La Gomera“ des Rumänen Corneliu Porumboiu mit.

Traditionell feiert Cannes noch einige Highlights außer Konkurrenz. Dieses Mal dürfte der argentinische Fußballer Diego Maradona für eine Doku vorbeischauen, und auch der Spielfilm „Rocketman“ über Elton John wird mit Spannung erwartet - angeblich will der Musiker selbst über den roten Teppich laufen. Noch ist natürlich nicht klar, wie gut oder enttäuschend all diese Filme sein werden. Angesichts der großen Namen und viel versprechenden Werke ist auch klar: Cannes bleibt das Festival mit der größten Strahlkraft.

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