Aufhorchen in der Filmbranche. In diesem Jahr wird es wegen der Corona-Krise eine weitere Ausnahme geben. Einmalig dürfen neben Kinofilmen reine Streaming-Filme in die Oscar-Auswahl. 2020 könnte also ein Film der nie im Kino war, sondern ausschließlich bei Streaming-Diensten zu sehen war, mit einem Oscar ausgezeichnet werden. Das gab es noch nie. In der Nacht zum Mittwoch teilte die Academy in Los Angeles die Neuigkeit mit.

Voraussetzungen für Filme in der OScar-Auswahl

Normalerweise muss ein Film an mindestens sieben aufeinanderfolgenden Tagen in einem Kino in Los Angeles zu sehen sein, um für eine Nominierung für die Filmpreise infrage zu kommen. Alle Kinos in Los Angeles sind aber seit mehr als einem Monat wegen der Coronavirus-Pandemie geschlossen.

Ausnahme für die Teilnahme der Streaming-Filme bei den Oscars 2021

Nach einer Wiederöffnung der Kinos gelte die vorübergehend gelockerte Regel nicht mehr, hieß es von der Academy. Die nächste Oscar-Verleihung ist für den 28. Februar 2021 geplant. Streaming-Dienste wie Netflix hatten bisher ihre Exklusiv-Produktionen zumindest in wenige Kinos gebracht, damit sie ins Rennen für einen Oscar gehen konnten.

Academy hält an Bedeutung des Kinos für den Film fest

„Die Akademie ist der festen Überzeugung, dass es keine bessere Möglichkeit gibt, die Magie des Films zu erleben, als ihn in einem Kino zu sehen“, sagten Academy-Präsident David Rubin und Geschäftsführerin Dawn Hudson. Dennoch mache die Corona-Krise eine vorübergehende Ausnahme von den Regeln erforderlich. „Die Akademie unterstützt unsere Mitglieder und Kollegen in dieser Zeit der Ungewissheit. Wir erkennen an, wie wichtig es ist, dass ihre Arbeit gesehen und auch gefeiert wird, besonders jetzt, wo das Publikum Filme mehr denn je schätzt.“

Deutscher Kinobetreiber im Streit mit Universal Studios

Unterdessen entbrannte anlässlich des Online-Erfolgs des Animationsfilms „Trolls World Tour“ ein Streit in der Branche. Der Filmtheater-Betreiber AMC, zu dem in Deutschland die UCI-Kinos gehören, will keine Filme des Studios Universal mehr zeigen. Auslöser für die Drohung war die Ankündigung eines Top-Managers, Filme in Zukunft gleichzeitig in die Kinos und in den Online-Verleih zu bringen.
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Wandel in der Filmbranche - zuerst Kino und dann Online?

Traditionell werden neue Filme erst im Kino gezeigt und stehen erst einige Monate später zum Kauf oder Ausleihen sowie Streaming zur Verfügung. Dieses Zeitfenster ist in den vergangenen Jahren bereits kürzer geworden, und es gab auch Ideen, Filme zeitgleich zu ähnlichen Preisen wie beim Kinobesuch einer Familie online zu verleihen.

Kinoschließung wegen Corona bringt Universal Studios Millionen Dollar

Die Schließung der Kinos in der Corona-Krise schob Kinostarts auf - einige Filme wie die „Trolls“-Fortsetzung gingen aber direkt in den sogenannten Premium-Online-Verleih für knapp 20 Dollar in den USA und 15 Euro in Europa. Für Universal zahlte sich das aus: In drei Wochen spielte der Film allein im US-Markt knapp 100 Millionen Dollar ein, wie das „Wall Street Journal“ am Dienstag berichtete. Der Chef von NBCUniversal, Jeff Shell, machte in der Zeitung eine weitreichende Ankündigung: „Wir gehen davon aus, dass wir Filme in beiden Formaten veröffentlichen werden, wenn die Filmtheater wieder öffnen.“

Kinobetreiber reagiert auf Online-Angebot von Universal mit Boykott

AMC, die weltgrößte Kinokette, konterte mit einem offenen Brief. „Ab sofort wird AMC keinen Film von Universal in einem seiner Kinos in den USA, Europa oder dem Mittleren Osten vorführen“, schrieb AMC-Chef Adam Aron. Genauso werde der Kinokonzern auch gegen jedes andere Studio vorgehen, das den Exklusiv-Zeitraum für Filmtheater nicht einhalten wolle. Bestrebungen von Universal, Filme zum Kinostart auch zuhause verfügbar zu machen, seien bereits seit Jahren bekannt.

Kinobranche durch Streamingdienste unter Druck

Kinos stehen angesichts des Streaming-Booms der vergangenen Jahre bereits unter Druck und hielten sich unter anderem dank Blockbustern wie den „Marvel“-Comic-Verfilmungen über Wasser.