Die früher borstigen roten Haare und tanzenden Augenbrauen sind inzwischen ergraut, die charakteristische Lücke zwischen den Schneidezähnen blieb: John Madden wirkt eher wie ein gemütlicher Geschäftsmann als ein preisgekrönter internationaler Filmregisseur. Am 8. April feiert er seinen 70. Geburtstag.

Er verbrachte eine „glückliche Kindheit“ in der englischen Hafenstadt Portsmouth, sagte er selbst und verspürte nie den brennenden Ehrgeiz Regie zu führen - deshalb auch der ungewöhnliche Werdegang: Madden wuchs mit Shakespeare-Dramen auf, spielte schon in der Schule und später an der Uni Theater. Anschließend gründete er das Oxford and Cambridge Shakespeare Theatre als er realisierte, dass er lieber hinter als auf der Bühne stand.

Im Portsmouth-Lokalblatt „The News“ reflektierte er, was einen Schauspieler ausmacht: „Sie müssen eine sehr singuläre Sichtweise haben, und meine ist eher pluralistisch. Regie zu führen hat damit zu tun, verschiedene Aspekte und kreative Impulse wahrzunehmen.“

Mit 26 wurde er angeheuert, um die Drama-Redaktion des US-amerikanischen National Public Radio mitaufzubauen und lebte einige Jahre in den Staaten. Dem britischen „Telegraph“ erklärte er: „Meine Karriere war verkehrt herum, dort führte ich Regie im Theater und hier bei Filmen. Ich hörte auf, Theater zu machen und beschloss, zurückzukommen und zu lernen, wie man Filme richtig macht.“

Mitte der 80er Jahre machte er sich einen Namen als Regisseur für Thriller und Kriminalfilme fürs britische Fernsehen - darunter einen Film der Kultserie „Prime Suspect“ mit Helen Mirren sowie mehrere „Inspector Morse“-Episoden. Der Thriller, sagte er der „Washington Post“, sei „eine Form, die ich wirklich mag - weil sie sehr anspruchsvoll und eine sehr destillierte Form des Geschichtenerzählens ist“.

Nach seinen ersten Kinofilmen wurde Hollywood auf seinen Hit „Ihre Majestät Mrs. Brown“ (1997) aufmerksam, der die Geschichte der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen Königin Victoria und ihrem Diener Mr. Brown erzählte. Die mächtigen Weinstein-Brüder ließen ihn daraufhin Regie bei dem Blockbuster „Shakespeare in Love“ mit Gwyneth Paltrow führen und verhalfen dem Film mit einem bis dato unerhörten Marketing-Budget von 15 Millionen Dollar zu sieben Oscars.

Gwyneth Paltrow revanchierte sich mit einer tränenreichen Dankesrede und Madden überredete Paltrow zu einer Theater-Saison an der Londoner Bühne Donmar Warehouse. In „Proof“ spielte sie 2002 unter seiner Regie erfolgreich eine junge Frau, die ihre Karriere opfert, um sich um ihren Vater - ein psychisch krankes mathematisches Genie - zu kümmern.

Trotz seines Erfolgs gilt John Madden als zurückhaltender Handwerker, der immer wieder mit denselben Stars zusammenarbeitet - darunter Gwyneth Paltrow, Helen Mirren und Judi Dench. Dem „Telegraph“ sagte Madden: „Es gibt ein gewisses Maß an Vertrauen, das man erfährt, wenn man etwas gemeinsam macht und sich sicher fühlt. Dadurch wird die Arbeit reicher, schneller und Sie verstehen sich sofort.“

Allerdings hat Madden auch einige große Flops überstanden, darunter „Corellis Mandoline“. Sein Comeback feierte er mit der hochkarätig besetzten Rentnerkomödie „Best Exotic Marigold Hotel“ und dessen Fortsetzung „Best Exotic Marigold Hotel 2“. Der erste Streifen wurde zum Überraschungshit und spielte weltweit mehr als 135 Millionen Dollar ein. Die britischen Allwetter-Stars Judi Dench, Maggie Smith, Penelope Wilton und Bill Nighy sorgen für den nötigen Seniorenwitz, Richard Gere stößt bei der Fortsetzung dazu.

Und als nächstes wird Madden einen Film über die Astrologin des Weißen Hauses in Angriff nehmen, die Nancy Reagan nach einem versuchten Anschlag auf den Präsidenten heimlich anheuerte.