Laupheim / Von Jürgen Kanold

Was ist ein Filmproduzent? Einer zum Beispiel, der die Telefonnummer des Regierenden Bürgermeisters von Berlin hat und bei ihm verzweifelt anruft, um die Erlaubnis zu erhalten, dass ein Hubschrauber mit einer Lenin-Statue am Haken über die Hauptstadt fliegen darf. 2001 war das gewesen, nur vier Tage nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center in New York, der Luftraum war auch in Deutschland gesperrt – und eine grandiose Szene stand vor dem Scheitern.

Stefan Arndt ist so ein Produzent, der an eine Geschichte für einen Film glaubt, an ein Drehbuch, an einen Regisseur, der aber auch das Geld für diese Idee auftreibt, das Projekt mit seiner Firmen und allen Risiken organisiert, am Laufen hält, durchzieht, dann vertreibt, vermarktet . . .  Und am Ende Schuld ist, wenn der Film floppt. Was bei „Good Bye, Lenin!“ von Wolfgang Becker aber wirklich nicht der Fall war.

Der mittlerweile 57-Jährige Arndt erinnerte sich daran am Freitagabend in Laupheim, als er, zu Tränen gerührt, den mit 40 000 Euro dotierten Carl Laemmle Produzentenpreis für sein Lebenswerk in Empfang nahm – aus den Händen von Laudator Klaus Wowereit, der damals das Okay gegeben hatte für die spektakuläre Außenszene. Ein roter Teppich, Filmwelt-Glamour in der oberschwäbischen Provinz. Die Stadt und die Produzentenallianz hatten zum dritten Mal geladen: Nach Roland Emmerich und Regina Ziegler war Arndt ein Preisträger im Namen des „Urvaters“ von Hollywood, der 1867 in Laupheim geboren wurde: Carl Laemmle, der Gründer der Universal Studios, einer der erfolgreichsten Filmproduzenten seiner Zeit. Zu Laemmles 150. Geburtstag war der Preis von der Produzentenallianz gemeinsam mit Stadt ins Leben gerufen worden.

Der Laupheimer Oberbürgermeister Gerold Rechle begrüßte „stellvertretend für alle Filmschaffenden“ Martin Semmelrogge, der sich bei der After-Show-Party am Stehtisch mit Wolfgang Fierek und Erol Sander fröhlich stärkte; auch „Tatort“-Alberich ChrisTine Urspruch, Gaby Dohm, Wilson Gonzalez Ochsenknecht und Samuel Koch waren dabei. Der Promiauftrieb war überschaubar, die von Jana Kübel und Michael Antwerpes moderierte Gala feierte die Provinz. Aber Stefan Arndt ist natürlich ganz großes Kino: 1994 gründete er zusammen mit den Regisseuren Tom Tykwer, Dani Levy und Wolfgang Becker die unabhängige Produktionsfirma X-Filme Creative Pool und realisierte unter anderem „Lola rennt“, „Cloud Atlas“ und auch die Serie „Babylon Berlin“. Auch seine Ehefrau Manuela Stehr ist Produzentin und gehört zum Team, war verantwortlich für „Alles auf Zucker“.

Oscar für „Amour“

Eng arbeitete Arndt zudem mit dem österreichischen Regisseur Michael Haneke zusammen, er produzierte „Das weiße Band“ und auch dessen Familiendrama „Amour“ (Liebe) mit Isabelle Hupert und Jean-Louis Trintignant in den Hauptrollen, das 2012 mit dem Auslands-Oscar ausgezeichnet wurde. Martin Moszkowicz, Vorstandsvorsitzender der Constantin Film,  rühmte Arndt im Namen der Jury als einen „Magier des Kinos“, einen „Nonkonformisten mit einem untrüglichen Gespür für Talent“. In seiner Dankesrede zeigte sich Arndt, der sich selbst als einen „wertkonservativen anarchistischen Linken“ bezeichnete, dann nicht nur gerührt, sondern auch kämpferisch: Er forderte mehr staatliche finanzielle Förderung, damit der deutsche Film weltweit gebührend mitspielen kann. „Kunst und Kommerz gehören zusammen,  wir sind keine Bittsteller, sondern eine Upcoming-Industrie, wir sind die Zukunft!“

Zu Ehren des Universal-Pioniers

Carl Laemmle, geboren 1867 in Laupheim  und gestorben 1939 in Beverly Hills, gründete die Universal Studios und schuf damit die Filmmetropole Hollywood. Er produzierte unter anderem „Im Westen nichts Neues“ und „Frankenstein“.