Berlin / Jana Zahner  Uhr
Marc Rissmann spielt in der achten Staffel von„Game of Thrones“ mit. Im Interview spricht der Berliner über Geheimhaltung am Set und Treffen mit George Lucas.

Von „SOKO Stuttgart“ zu „Game of Thrones“ (GoT): Der Deutsche Marc Rissmann (39) hat eine Rolle in der erfolgreichen Fantasyserie ergattert. GoT handelt vom Kampf um den fiktiven Eisernen Thron; Rissmann spielt Harry Strickland, den Anführer der Söldnertruppe „Goldene Kompanie“, die von Königin Cersei angeheuert wird. Seit dem 15. April erscheinen die Folgen der achten und letzten Staffel montags auf der Entertainment-Plattform Sky. Bekannt wurde GoT durch vielschichtige Charaktere, unvorhersehbare Wendungen und strikte Geheimhaltung  am Set. Auch Rissmann muss dichthalten, denn kein Zuschauer soll erraten, wie die Story endet. Wie es ist, Teil der eigenen Lieblingsserie zu sein, erzählt der Berliner trotzdem.

8. Staffel „Game of Thrones“ Das macht die HBO-Serie so erfolgreich

Am 15. April startet die letzte Staffel „Game of Thrones“. Was macht die Serie so populär? Ein Erklärungsversuch.

Herr Rissmann, fällt Ihnen die Geheimniskrämerei um GoT schwer? Sie müssen wohl sehr häufig antworten: „Das darf ich nicht sagen.“

Marc Rissmann: Das fällt mir nicht schwer, ich habe viele Variationen für diesen Satz. Meine Freunde, die GoT schauen, haben gesagt: „Wehe, du verrätst etwas!“ Als ich die Rollenzusage bekommen habe, stand in der E-Mail, dass ich es niemanden erzählen soll. Ich dachte nur: Auch meiner Mutter nicht? (lacht)

Was haben Sie ihr erzählt?

Sie kannte GoT nicht, ich habe gesagt, dass ich einen Job bei einer ziemlich großen Serie habe. Ich habe aber auch nicht gleich alle Infos bekommen. Es ist gigantisch, welcher Aufwand betrieben wird, um alles geheim zu halten. Beim Dreh musste ich immer mit einem Regenschirm herumlaufen, damit die Paparazzi nicht von Kränen oder Bäumen aus mein Kostüm fotografieren. Ich finde es erstaunlich, dass trotz der vielen Mitarbeiter alles geheim bleibt.

Schauen Sie jeden Montag GoT? Oder kennen Sie schon alles?

Alter Schwede, ich fand die letzte Folge richtig gut! Ich schaue das wie jeder andere. Es wurde nichts vorher gezeigt, das ist Top Secret. Ich habe grobe Infos, was passiert, aber ich weiß nicht, wie es gemacht wurde, bin also auch neugierig. GoT habe ich schon vor der Rolle sehr gerne geschaut.

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Marc Rissmann: So erfuhr er von der Zusage

Was hat die Zusage für Sie bedeutet?

Die kam per E-Mail, als ich im Café saß. Ich musste fünf Mal lesen, bis ich es geschnallt hatte. Ich bin aus dem Café heraus geschwebt; der Kellner kam hinter mir her, weil ich vergessen hatte, zu zahlen. Für einen Schauspieler ist das wie Weihnachten und Geburtstag gleichzeitig. Wenn es etwas ist, das man selbst gern mag: Umso schöner. Für mich ist das ein weiterer Karriereschritt. Zuerst Theater, dann Filmrollen im Inland, dann im Ausland.

Was hat Sie am meisten am GoT-Set beeindruckt?

Wie viele Leute an einem Strang ziehen, um eine glaubhafte Welt zu erzeugen. Vom Fahrer bis zum Produzenten sind alle leidenschaftlich dabei. Ich glaube, dass die Macher etwas sehr Besonderes geschaffen haben. Und es ist total familiär. Man hat gemerkt, wie emotional es für alle Schauspieler war, nach zehn Jahren das letzte Mal miteinander zu drehen.

Wie war es für Sie, so spät dazuzukommen?

Es war ganz schön, weil ich Pilou Asbæk (Rolle: Euron Greyjoy) schon kannte. Letztendlich aber ist es ein Job, auch wenn GoT draufsteht. Es sind tolle Schauspieler, die zu Superstars geworden, aber einfach nur Menschen sind. Ich sehe das ganz entspannt.

Sogar „Star Wars“-Erfinder George Lucas ist Ihnen über den Weg gelaufen…

Das hat mich wirklich umgehauen! Er war zu Besuch, um sich das Set anzusehen. Darauf war ich überhaupt nicht vorbereitet. „Wo bin ich hier gelandet?“ habe ich gedacht (lacht).

„Game of Thrones“ - das sind komplizierte Plots, unzählige Charaktere und verstörende Wendungen. Am Sonntag startete die finale Staffel der Fantasy-Saga.

Sie haben auch bei Serien wie „Into the Badlands“ oder „The Last Kingdom” mitgespielt. Inwiefern haben sich Ihre Karrieremöglichkeiten durch Streamingdienste wie Netflix geändert?

Für mich ist es die beste Zeit, um Schauspieler zu sein, es wird viel im Ausland produziert. So ein Serienvertrag geht dann auch mal fünf, sechs Jahre, das ist schon ein besonderer Nervenkitzel.

Wie kommen Sie an Rollen?

Mein Agent schlägt mich für E-Castings vor. Dann bekomme ich einen Text zugesendet und ein Freund nimmt mich mit dem Smartphone auf. Das Video schicke ich nach New York, Los Angeles oder London.

„Game of Thrones“-Bewerbung per Handyvideo

Sie haben sich mit einem Handyvideo bei GoT beworben?

Die Kameras sind inzwischen so gut. Die technischen Möglichkeiten haben mir viel eröffnet. Solche Castings mache ich ein bis zwei Mal pro Woche.

Wissen Sie, wie viele Videos eingesendet wurden?

Keine Ahnung, mit Sicherheit viele. Es könnten 500 oder mehr sein.

Stichwort Smartphone: Wie wichtig sind Social Media für einen Schauspieler?

Wichtig. Es ist auch schön, weil man mit Fans kommunizieren kann. Aber das richtige Leben findet nicht auf dem Handy oder Laptop statt.

Seit Sonntagnacht ist die erste Folge der achten Staffel von „Game of Thrones“ veröffentlicht. Auch dieses Mal ist ein deutscher Schauspieler dabei.

In welchen Rollen sehen wir Sie als nächstes?

„The Man in the High Castle“ ist eine ziemlich große Rolle. Da spiele ich den Obergruppenführer Wilhelm Goertzmann, den Gegenspieler von John Smith. In dem Kinofilm „Liberté“ habe ich eine Nebenrolle als Klaus Barbie.

Marc Rissmann: Von unterschiedlichen Figuren und seinen Zielen

„The Man in the High Castle“ ist eine Alternativweltgeschichte, in der die Alliierten den Zweiten Weltkrieg verloren haben. Auch „Liberté“ ist ein Weltkriegsfilm. Viele Nazirollen...

In meiner bisherigen Karriere habe ich viele unterschiedliche Figuren gespielt und noch nicht allzu viele Nazis – aber dies waren tolle Geschichten mit komplexen Figuren, die wichtig sind zu erzählen.

Mein Ziel ist es nicht, das Stereotyp eines Nazis zu spielen. Es gibt Filme, die das Thema wahnsinnig gut analysieren und andere, die es als plakatives Mittel nutzen, um das Böse darzustellen. Das Gute ist: Ich bin sprachlich nicht an den deutschen Akzent gebunden, das gibt mir Freiheit. Wenn ich alt bin, möchte ich auf ein großes Repertoire an möglichst unterschiedlichen Figuren schauen.

Was macht eine interessante Rolle aus?

Ich mag gebrochene Figuren, deren Welt auf den Kopf gestellt wird, wie eine emotionale Achterbahn. Die um etwas kämpfen. Ich will nicht einfach nur vor der Kamera stehen und hübsch aussehen.

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Bekannt aus ARD und Amazon Prime

Marc Rissmann (geboren 1980) studierte zuerst Sportwissenschaften, danach Schauspiel an der Hochschule Ernst Busch und der Filmakademie Baden-Württemberg. Der Berliner spielte unter anderem bei deutschen Produktionen wie „Tatort - Alles, was Sie sagen“ oder „SOKO Stuttgart“ mit. Ab 2016 folgten die Serien „The Last Kingdom“, „Into the Badlands“ und „Riviera“. Außerdem der Kinofilm „Operation Overlord“. Von 2017 bis 2018 stand er für „Game of Thrones“ in Nordirland als „Harry Strickland“ vor der Kamera. Im kommenden Herbst wird Rissmann in der 4. Staffel der Amazon-Serie „The Man in the High Castle“ zu sehen sein. jaz