McLaren-Report: Wie hart trifft es Russland?

Ski-Weltverbands-Präsident und IOC-Exekutivmitglied Gian Franco Kasper rechnet bei der Vorstellung des finalen McLaren-Reports am Freitag mit neuen Vorwürfen gegen Russland.

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Ski-Weltverbands-Präsident Gian Franco Kasper ist gespannt. Am Freitag stellt Ermittler Richard McLaren seinen Abschlussbericht zum Doping-Skandal in Russland vor. Als Präsident aller Verbände und Mitglied der IOC-Exekutive schaut Kasper sehr genau hin.

Herr Kasper, erwarten Sie weitere Belege für russisches Staatsdoping?

Gian Franco Kasper: Man hat ja im ersten Teil des Berichts gesehen, wohin die Reise geht. Ich erhoffe mir neue Details, ob bei den Winterspielen in Sotschi die Dopingproben tatsächlich durch ein Loch in der Wand in ein Hinterzimmer weitergereicht und dort manipuliert wurden.

Haben Sie als Fis-Präsident nicht schon eher Einblick in den Bericht?

Kasper: Nein, absolut nicht. Das ärgert mich auch. Wir haben Druck über die Wada ausgeübt, sich zu den Inhalten zu äußern.

Warum die Geheimniskrämerei?

Ich weiß es auch nicht. Wahrscheinlich wollen sie die Spannung hochhalten oder ein großes Spektakel für die Medien liefern. Das können sie ja gut.

Gibt es wieder ein Riesen-Geschrei?

Danach wird es sicher hektisch.

Warum?

Zunächst ist es wichtig zu wissen, wann manipuliert wurde. Wenn es sich nur um die Zeit der Olympischen Winterspiele in Sotschi handelt, dann ist das IOC zuständig. Wenn es aber auch um die Zeit darüber hinaus geht, sind die internationalen Verbände in der Pflicht. Dann ist es wichtig zu erfahren, ob es sich um einzelne russische Sportler handelt. Angeblich sollen ja auch Namen genannt werden. Diese Athleten müssten dann gesperrt werden.

Was könnte noch rauskommen?

Wenn herauskommt, dass der gesamte russische Ski-Verband beteiligt war, wird es schwieriger. Dann stellt sich die Frage nach einer Kollektivstrafe. Doch dafür müssten klar Beweise vorliegen. Bislang gibt es ja nur – so wie ich gehört habe – die Aussagen des früheren Moskauer Laborleiters und Kronzeugen Grigori Rodtschenkow. Ich weiß nicht, ob die Aussage einer einzelnen Person ausreicht, solche Strafen auszusprechen.

Da will das IOC auch ein Wörtchen mitsprechen?

Ja, wir haben im IOC zwei Kommissionen gebildet, die auf die Ergebnisse des McLaren-Berichts eingehen.

Wie könnte am Ende der nationale Verband bestraft werden?

Indem der russische Skiverband wie etwa die Leichtathleten an keinen internationalen Wettkämpfen teilnehmen und auch keine Wettkämpfe mehr ausrichten dürften. Das betrifft im kommenden Jahr in Russland im Ski fünf, sechs Veranstaltungen, richtig groß ist aber nur das Weltcup-Finale der Langläufer.

Das hört sich wieder nach langen öffentlichen Debatten an, wie wir sie bereits in diesem Sommer um das Startrecht der russischen Athleten bei den Sommerspielen in Rio de Janeiro hatten ...

Ja, und ich bleibe dabei, dass ich kein Freund von Kollektivstrafen bin. Deshalb war für mich die IOC-Entscheidung vor Rio gegen einen Komplett-Ausschluss Russlands auch richtig. Schauen Sie, es gab da zum Beispiel drei russische Bogenschützen, die sich in den zwei Jahren vor Olympia nur im Ausland aufhielten. Hätte man die jetzt auch sperren sollen? Ich meine: nein!

Die russische Whistleblowerin Julia Stepanowa hat in Berlin den Heidi-Krieger-Preis des Doping-Opfer-Hilfevereins (DOH) verliehen bekommen. Die 30-Jährige hatte zusammen mit ihrem Mann Witali flächendeckendes Doping in der russischen Leichtathletik enthüllt und musste anschließend aus Angst um ihr Leben aus ihrem Heimatland fliehen. „Ich möchte mich bei allen für die großartige Unterstützung bedanken. Leider können wir aus unterschiedlichen Gründen nicht bei ihnen sein“, sagte Stepanowa, die aus Sicherheitsgründen nur per Skype zugeschaltet war. Stepanowas Enthüllungen hatten unter anderem dazu geführt, dass der russische Leichtathletik-Verband derzeit von allen internationalen Wettbewerben suspendiert ist.

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