Kabinettausstellung im Stadthaus Ulm: Bruce Bickford und die Nische

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„Eine Bruce-Bickford-Ausstellung – warum?“ Für  Tommi Brem steht zur Eröffnung der ersten großen Schau des  US-Animationsfilmkünstlers außerhalb von dessen Heimat fest: „Ganz einfach: Er hat’s verdient.“ Die Resonanz auf „Herr Bickford entdeckt ein neues Land“, die bis 18. Juni im Stadthaus in Ulm zu sehen ist, gibt dem Kurator recht.

Nicht nur drängen sich am Eröffnungsabend zahlreiche Besucher um den spindeldürren Mann mit den langen grauen Haaren und dem wild wuchernden Vollbart, der gerade 70 geworden ist und es sich dennoch nicht nehmen ließ, zum Aufbau der Ausstellung von Seattle anzureisen. Als er im Stadthaus in den vergangenen zwei Wochen hunderte, zum Teil winzige Modelle, Fotos und Zeichnungen anordnete und mit handgeschriebenen Erklärungen versah, schauten zudem ungewöhnlich viele Filmteams in dem Haus am Münsterplatz vorbei. Jedem Fernsehsender, der was auf sich hält, scheint der Mann, der unter anderem in den 1970er Jahren für Frank Zappa Videos mit Knetfiguren schuf, einen Beitrag wert zu sein.

Das Interesse an dem Autodidakten nahm seit der preisgekrönten Doku „Monster Road“ in den vergangenen Jahren zu. Sein Werk werde dennoch nach wie vor unterschätzt, meint der Leiter des Stuttgarter Trickfilmfestivals und Professor der Film-Uni Babelsberg, Ulrich Wegenast. Denn seine Panoramen aus Knete, Papier und Pappe, seine assoziativen Stop-Motion-Trickfilme und detailreichen Zeichnungen stellten eine eigene Welt dar, eine „experimentelle Hybridform“.

Bruce Bickford selbst freut sich, dass seine Arbeiten jetzt in einem „richtigen Museum“ zu sehen sind. „Ich würde gern lange genug leben, um aus allen Geschichten, die ich im Kopf habe, Filme zu machen“, sagt er. Und erinnert sich, wie er als Kind auf dem Dachboden des elterlichen Hauses eine Nische in der Wand entdeckte. Solch eine Nische wünsche er jedem Menschen, sinniert dieser große Nischenkünstler. „Um darin eine eigene Welt zu bauen.“

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