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Autor: Lena Grundhuber, 10.12.2016

Glänzendes Debüt: Juan Gómez Bárcenas „Der Himmel von Lima“

Die Liebe, sagt Magister Cristóbal, ist ein Fortsetzungsroman. Erst die richtigen Worte machen aus einer unklaren Empfindung ein Gefühl, erst die Geschichte macht die Romanze. Cristóbal weiß das, als professioneller Liebesbriefschreiber hat er schließlich hunderte Ehen in seiner Stadt gestiftet: „Man muss, wie Sie sehen, sehr vorsichtig mit den Worten sein“. Für die Adressaten kommt diese Mahnung zu spät. Die zwei Möchtegern-Poeten im Lima des Jahres 1904 sind jung genug, um sich für die Hauptfiguren ihres eigenen Romans, und so wird ihre Komödie, die als Spiel begonnen hat, als Tragödie enden. Natürlich ist es eine Liebesgeschichte, eine historisch verbürgte gar, doch handelt sie allein im Medium der Literatur.

Die Liebe war nur eine Fantasie

Juan Gómez Bárcena erzählt in „Der Himmel von Lima“ von Carlos und José, zwei jungen Männern aus der Upper Class Perus, die von einem gewidmeten Buch des spanischen Schriftstellers Juan Ramón Jiménez träumen. Also schreiben sie ihm Briefe, allerdings hinter der Maske eines jungen Mädchens. Jiménez fällt darauf herein – seine Korres­pondenz mit „Georgina“ wird immer intensiver, während die Freundschaft der Studenten zerbricht. José reißt die Sache solange auf die Spitze, bis der entflammte Dichter seine Reise über den Ozean ankündigt . . . Von der Romanze bleibt ein Gedicht,  die Liebe war nur eine Fantasie, aber sie hatte vielleicht nicht weniger Wirklichkeit als die schäbige Realität, in der die zwei mediokren Helden sich allmählich in ihre Rollen als Nebenfiguren einfinden. Ihr einziges Werk von Bedeutung wird Georgina sein.

Juan Gómez Bárcena ist 1984 geboren, doch er erzählt so souverän, als habe er die ganze Erfahrung des Magisters Cristóbal. Ein Hauch vom schweren süßen Parfüm eines Gabriel Garcia Márquez hängt zwar in den Seiten. Ansonsten aber ist Bárcena ein wunderbar unangestrengter Roman über die Sehnsucht nach Liebe und die Ambivalenz der Freundschaft gelungen, über die kalte Grausamkeit, die eine verlorene Illusion hinterlässt, und den nagenden Schmerz des Versagens. Bei aller Lust an der Anspielung artet sein Roman über die Macht der Fiktion nie zur literaturtheoretischen Lehrstunde aus. Bárcena muss nicht prahlen, um seine Geschichte zu erzählen, er kann ja das Schwerste – er kann das einfach so. Lena Grundhuber

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