Sedelhöfe: Gezerre im Gemeinderat um Bahnhofplatz

Die Pläne des Sedelhöfe-Investors und der Stadt Ulm für den Neubau am Bahnhofplatz 7 stoßen auf Widerstand bei einigen Räten. Sie wollen eine Sichtachse schaffen.

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Das Gebäude Bahnhofstraße 7 steht der Sichtachse von der Bahnhofstraße zum Bahnhof im Weg.  Foto: 

Die Freude an der Stadtspitze und im Gemeinderat war groß, als es dem Sedelhöfe-Investor DC Developments aus Hamburg Mitte 2017 gelang, das Haus Bahnhofplatz 7 zu kaufen – die Stadt hatte sich jahrelang vergeblich bemüht. Die Freude ist immer noch groß, doch mischen sich in das Hochgefühl inzwischen Begehrlichkeiten, keimen alte Wünsche auf, die den Interessen des Investors entgegenstehen.

Heute dürfte die ganze Gemengelage hochkochen. Der Stadtentwicklungsausschuss soll in seiner Sitzung die Rahmenbedingungen für einen Planungswettbewerb schaffen. DC hat sich dazu bereiterklärt und trägt auch die Kosten, um an dieser herausgehobenen Stelle einen möglichst guten städtebaulichen Entwurf zu bekommen. Was die sechs Architekturbüros liefern sollen, steht für den Investor und die Stadtverwaltung außer Frage: ein Gebäude, das den Neubau am Bahnhofplatz 7 u mit dem unmittelbar anschließenden künftigen Haus 1 der Sedelhöfe verbindet.

Entstehen soll also ein großes Gebäude, das im Inneren miteinander verzahnt ist und in dem unter anderem auf einigen Etagen ein Hotel betrieben werden soll. Dieser Neubau würde auch die ganze Grundfläche des bestehenden Hauses Bahnhofplatz 7 einnehmen. Genau darin liegt für einige Stadträte das Problem.

Sie würden gern alte Wünsche des Städtebaus aufnehmen und die Vorkriegs-Sichtachse von der Bahnhofstraße zum Bahnhofplatz wiederherstellen. Dem steht das Haus Bahnhofplatz 7 im Weg. Der CDU-Fraktion jedenfalls ist diese Blickachse sehr wichtig, und auch aus anderen Fraktionen gibt es Stimmen, die dieser Vorstellung viel abgewinnen können.

Der Neubau müsste dann deutlich schmaler ausfallen oder auf zwei Häuser aufgeteilt sein, die einen geraden Durchgang von der Bahnhofstraße zur Friedrich-
Ebert-Straße freilassen. Die CDU schlägt laut Thomas Kienle vor, an dieser Stelle höher zu bauen, um dem Investor einen Ausgleich für wegfallende Flächen in der Breite zu schaffen.

Für den Investor ist dagegen klar, dass er das Vorhaben wie mit der Stadtverwaltung besprochen entwickeln will. Die Verbindung beider Gebäude schaffe aus funktionalen wie wirtschaftlichen Gesichtspunkten „attraktive größere Flächen“, sagt DC-Geschäftsführer Lothar Schubert. Eine Aufteilung des Neubaus auf zwei Gebäude kommt für ihn nicht in Betracht. „Ich weiß nicht, wie ich das rechnen soll, um bei zwei kleineren Häusern wirtschaftlich hinzukommen.“ Schubert beziffert die Investitionskosten allein für das Gebäude Bahnhofplatz 7 auf 35 Millionen Euro, inklusive Kaufpreis. Dieses Projekt treibt die Kosten für die Sedelhöfe von 210 Millionen Euro auf gut 245.

Investition: 35 Millionen Euro

Der DC-Geschäftsführer hält seine Lösung auch unter städtebaulichen Aspekten für die bessere. Der Albert-Einstein-Platz, der an den Sedelhöfen entsteht, sei als öffentliche Fläche der Eingangsbereich in die Fußgängerzone. Einen weiteren bilde die Bahnhofstraße. Mit einem geteilten Neubau wäre die Eingangssituation zur Innenstadt unklar, es gäbe „zu viele Wege, zu viele Gebäude, keine klare Struktur“.

Schubert hofft, dass die Gemeinderäte dieser Argumentation folgen. Mit Baubürgermeister Tim von Winning und der Stadtverwaltung sei er sich über das weitere Vorgehen und die städtebaulichen Ziele vollkommen einig. Schubert:„Wir schaffen eine Qualität, die es in den letzten 50 Jahren an der Stelle nicht gab.“

Der Zeitplan ist sehr eng getaktet und mit der Stadt Ulm abgesprochen. Er sieht so aus:

- Wenn der Ausschuss heute dem Planungswettbewerb zustimmt, „dann fangen die Architekten am Mittwoch an zu arbeiten“.
- Im Februar soll der Siegerentwurf prämiert werden.
- Sofort im Anschluss soll das Bebauungsplanverfahren starten. Zeitgleich will DC die Planung vorantreiben: „Wir haben ein sehr gutes Vertrauensverhältnis mit der Stadt.“
- Mit dem Abbruch des Gebäudes Bahnhofplatz 7 soll im Frühjahr 2018 begonnen werden.

Falls die Gemeinderäte die Pläne verwerfen, müsse er als Investor neu überlegen, sagt Schubert. Dann käme vieles in Betracht: beispielsweise dass DC Abstand vom Projekt Bahnhofplatz 7 nimmt, denn „noch können wir vom Kaufvertrag zurücktreten“, oder dass das Haus unverändert stehen bleibt. Doch Schubert ist zuversichtlich: „Ich glaube nicht, dass der Gemeinderat das will.“

Verzögerung Als Lothar Schubert Ende August nach Ulm reiste, konnte der geschäftsführende Gesellschafter des Sedelhöfe-Investors DC Developments noch erfreut verkünden: Die Sedelhöfe liegen im Zeitplan. Mittlerweile hinkt das 210-Millionen-Euro-Projekt hinterher: im Blick auf die vorgesehene Eröffnung um ein halbes Jahr.

Baufortschritt Das Einkaufs-, Wohn- und Dienstleistungsquartier sollte Ende 2019 öffnen, möglichst rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft. Dieser Termin wackelt, sagte Schubert auf Anfrage. Mittlerweile sieht es eher nach Eröffnung im Frühjahr 2020 aus. Der Investor will versuchen, den Rückstand aufzuholen. Dafür nennt er scherzhaft einen Grund: „Ich habe meiner Familie versprochen, dass wir dort unsere Weihnachtseinkäufe machen.“

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Kommentare

14.11.2017 10:26 Uhr

Störfeuer am Bahnhofplatz.

Die Sedelhöfe und der Bahnhofsvorplatz sind Vorhaben, bei denen die Stadtspitze und der Gemeinderat zwar nicht wissen, was sie wollen, aber alles tun, um es zu bekommen.
Theodor Fontane kam schon vor mehr als 100 Jahren zu der Einsicht:
„Wir wissen wenigstens, dass wir nichts taugen, und in dieser Erkenntnis ist die Möglichkeit der Besserung gegeben.“

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