Hans Wild: Wirt mit Kulturanspruch

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Wenn Johanna Zeul im Trikot des argentinischen Ball-Maestros Lionel Messi auf der Bühne ihre Lieder herauswirbelt, dann ist das viel mehr als Folk mit grellem Punk-Anstrich. Die Wahl-Berlinerin hat vor zehn Jahren den Rio-Reiser-Preis und zudem im Jahr 2010 Udo Lindenbergs Panik-Preis überreicht bekommen. Seither trumpft sie besonders live mit einem Mix aus Pop-Ohrwürmern, gewitzten Großstadt-Texten und rebellischem Antifolk energetisch auf und hat auch das Publikum in der Blaubeurer Kleinkunstkneipe „Zum fröhlichen Nix“ schnell um den Finger gewickelt. Und sie hat ihren Vater dabei. Oder doch er seine Tochter?

Schließlich weihte der schwäbische Liedermacher Thomas Felder vor 30 Jahren mit seinem Auftritt einst das Stellwerk in Schelklingen ein und erfüllte Hans Wild, einem der Weichensteller, einen Herzenswunsch. Den Punkt, auch den wunden, trifft er noch immer, in schwäbischer Mundart genauso wie in Hochdeutsch. „40 Jahre stehe ich nun auf der Bühne. Da passt das mit dem Dreißiger von Hans ganz gut“, sagt Felder nach dem Konzert mit seiner Tochter, die nach einer Babypause wieder dasselbe Live-Fieber hat, das ihr der Vater immer vorgelebt hat.

Dass sich Künstler wie Zeul und Felder im Nix wie Zuhause fühlen, liegt nicht nur am Publikum, das aus der ganzen Region und auch aus Ulm zu den Veranstaltungen nach Blaubeuren kommt. Hans Wild, den viele Künstler und Bekannte nur unter seinem Spitznamen Festl kennen, weiß, was Musiker und Kleinkünstler sich wünschen und wie sie ticken.

Selbst auf der Bühne aktiv

Schließlich ist er selbst einer. Aktuell sorgt er mit heimischen Musikern für „Feschtagsmusik“, wobei er dieser Deutsch-Folkband viel lieber den Namen „Trolle üben Rückwärtsrolle“ gegeben hätte. Ganz in der Tradition von Bands wie „Bäcker’s Debakel“, mit denen Wild einst die Folkszene aufmischte. Und natürlich gibt es da noch das „Maximum Terzett“, mit dem er alle Jahre wieder bis zu zwei Wochen auf Tournee geht – nicht nur in Deutschland oder in der Schweiz, sondern schon auch mal in Irland. Frontmann des Trios ist die inzwischen 77-jährige Kölner Folk-Legende „Klaus der Geiger“.

Die Chemie stimmt im Terzett und der Anspruch an die Lieder ist derselbe. Gesellschaftskritisch dürfen sie sein, durchaus auch politisch. Immer wieder zieht sich Wild dafür zum Liedermaching mit der Gitarre zurück. Lieder zu machen ist ein wichtiger Teil seines Lebens wie auch das als Wirt mit Idealen. „Die Kneipe ist auch ein Statement. Eines für mehr Miteinander und gegen die Spaltung unserer Gesellschaft“, sagt der 58-Jährige und liebt es, Impresario einer Mehrgenerationen-Kneipe sein zu können, die neben Konzerten, Kabarett, Lesungen und Ausstellungen auch Spiele- und Vortragsabende, den Quiz-Abend „Frag den Wirt“ oder das so genannte „Reparatur-Café“ anbietet.

Das Programm mit monatlich bis zu zehn Veranstaltungen neben den fest etablierten Reihen lässt nicht darauf schließen, dass Hans Wild mit dem Booking der Künstler zunächst seine Mühe hatte. „Mit Verhandlungen am Telefon tue ich mich schwer.“

Wie gut, dass viele der von ihm Angerufenen Stammgäste auf seinen Bühnen sind. Oder aber Wunschkünstler, die er nach Blaubeuren holt, weil er sie selbst auch live erleben will. Wild ist noch immer ein begeisterungsfähiger Musikfan,  auch wenn er im eigenen Laden inzwischen in erster Linie auf Akustisches und Handgemachtes setzt und dies nicht nur deshalb, weil er seinem denkmalgeschützten Nix-Haus nicht mehr allzu heftige Schallwellen zumuten will.

In den wilden Stellwerk-Zeiten war das noch etwas anders. Als neunköpfige Dornstadter Clique hatte man von einer Art Kommune im Landgasthof-Format geträumt, in der man auch Veranstaltungen durchziehen konnte. Ein Drittel hielt am Traum fest und setzte das Stellwerk in Schelklingen aufs kulturelle Gleis. Neben Thomas Felder kamen auch viele andere große Namen der Musik- und Kabarettszene.

Zunächst arbeitete der gelernte Konditor Hans Wild als „Mann für alles“ projektweise für seinen ehemaligen Arbeitgeber, das Café Ströbele, und produzierte in Hochzeiten Muttertagsherzen oder Schoko-Osterhasen. Doch schon bald war er hauptberuflicher Wirt, und seine Pizzen waren neben dem Kleinkunst-Programm der größte Schlager.

Bekannte Gesichter

Im Stellwerk konnte man fast in jedem Jahr die Stuttgarter Band Hiss oder Grachmusikoff live erleben und weitere populäre Musiker wie Pit Budde von der Band „Cochise“, Stefan Stoppok oder Manfred Maurenbrecher sorgten dafür, dass die Kneipe oft aus allen Nähten platzte. Über die Jahre entstanden auch Freundschaften und „der Festl“ wurde ein immer routinierterer Veranstalter.

Allein wenn er sich an den Comedy-Star Michael Mittermeier erinnert, wird das offene Lächeln etwas zitronig. „Da lag ich einmal richtig falsch. Mittermeier war bei uns, und ich hätte ihn fürs nächste Jahr gleich wieder fix buchen können, aber mir war das zu viel TV-Junkie. Kurze Zeit später ging er durch die Decke.“

Das würde ihm heute sicherlich nicht mehr passieren, und Leckerbissen gibt’s im Nix-Programm auch in diesem Jahr jede Menge. Kürzer zu treten ist für Hans Wild keine Option. „Das laufende Jahr ist bereits durchgeplant. Ich kümmere mich bereits um das Programm für 2018.“

Adresse Das Kleinkunstcafé „Zum fröhlichen NIx“ residiert in unmittelbarer Nachbarschft zum Blaubeurer Rathaus in der Hirschgasse 1.

Termine Die Irish Folk-Band Inisheer spielt dort am Samstag, 20 Uhr. Am Sonntag, 19.30 Uhr gastiert die  Geschichtenerzählerin Tine Mehls, und am 24. März kommt der Kabarettist und Liedermacher Heinrich  Dick nach Blaubeuren. Am 25. März spielt die fünfköpfige Frauenband Les Roulettes im Kleinkunstcafé.

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Kommentare

14.03.2017 17:08 Uhr

Notwendiger Verzicht

Als Diplom-Sozialwirt trank ich auch schon eine Tasse Kaffee beim "Fröhlichen Nix" in der Blaubeurer Hirschgasse. Nachdem keiner von mir etwas wissen wollte, ging ich unverrichteter Dinge anschließend wieder spazieren und bin seitdem nicht mehr dort gewesen. Herr Köhler als seines Zeichens einstiger Bundespräsident, dessen Familie auch aus Bessarabien stammt, übte bereits Kritik an solchem Desinteresse, weswegen ich hier darauf verzichten kann und sie nicht wiederholen muss.

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