Ulmer entwirft Modelle von markanten Gebäuden

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Die Ulmer Pauluskirche mal klein und ganz aus Pappe. Dem Einfall des Ulmers Dieter Welz sei Dank und dem Internet auch. Die Vorlagen dazu gibt es dort zum Runterladen.  Foto: 

Rund 350 Einzelteile sind es, von der Turmspitze bis zur untersten Treppenstufe am Sockel. Um sie zusammenzufügen, braucht es Fingerspitzengefühl, räumliches Vorstellungsvermögen, eine gute Schere, ordentlich Klebstoff, Zeit und eine große Portion Geduld. Doch die Pauluskirche als Kartonmodell ist den Aufwand wert.  Und etwas, das absolut nicht nötig ist, ist Geld. Denn das Herunterladen des Plans samt der ausführlichen Aufbauanleitung aus dem Internet ist kostenlos: www.wediul.de.

Ausgetüftelt hat das komplexe Modell ein Ulmer: Dieter Welz, früher Mathe- und Physiklehrer an der Albert-Einstein-Realschule. „Ich war schon immer überzeugter Netzwerker.“ Vor vielen Jahren hatte er einen Mann kennengelernt, der Kartonmodelle macht, und „ich fand das damals ziemlich abgefahren, hatte aber nie die Zeit dafür“. Das änderte sich vor vier Jahren, als er in den Ruhestand ging und wirklich was ganz anderes machen wollte.

Es dauerte nicht lang, da fing er selbst an, Modelle zu entwerfen. Begonnen hat er mit Bauwerken seiner Heimatstadt Wangen im Allgäu, doch inzwischen ist auch Ulm, wo der Pädagoge seit 20 Jahren lebt, gut dabei. Das Rathaus  ist Modell Nummer 10, der Metzgerturm Nummer 14, der Neu Ulmer Wasserturm Nummer 13 und die Pauluskirche die jüngste Nummer 16.

In den 30 Din-A-4-Bögen steckt ordentlich Arbeit drin. Welz schätzt, dass es 250 Arbeitsstunden sind. Erst fotografiert er das Bauwerk rundherum und von oben bis unten. Anschließend bearbeitet er die Fotos am PC, um perspektivische Verzerrungen auszumerzen. Dann beginnt er, das Modell zu entwerfen, damit die Form stimmt. Für die Einzelteile werden die Fotos „wie Tapete eingescannt“. Erst beim Zusammenbauen merkt Welz, ob es passt. Oft genug stampft er Teile ein und beginnt von vorn.

Die ersten Modelle hat Dieter Welz im Maßstab 1:87 gebaut, dem Maßstab der Märklin H0-Bahnen. „Aber irgendwann wird das gigantisch groß und man braucht riesige Verstrebungen aus Karton, um das Modell stabil zu bekommen“, beschreibt der 67-Jährige seine Erfahrungen. Also hat er zum Maßstab N (1:160) gewechselt. Das Besondere an der Pauluskirche ist, dass Welz eine Beleuchtung vorsieht. In der Anleitung steht genau, wie man es machen muss. Da lässt sich der Pädagoge nicht leugnen.

Der Lohn für seine Arbeit sind die Reaktionen, die er in den einschlägigen Foren bekommt. „Wenn es den Leuten gefällt, ist mir das Bestätigung genug.“ Und Welz bekommt viel Zuspruch, bis nach China reicht die Fan-Gemeinde inzwischen. Geld wollte er damit nie machen: „Wer Geld verlangt, muss Service bieten und darf nie ausfallen.“

So hatte er es schon in seinen Lehrerzeiten gehalten, als er eine Unterrichtsmaterialien-Sammlung im Internet entwickelt, aufgebaut und betreut hat – zum kostenlosen Herunterladen. Nur wer das Material auf CD wollte, musste einen geringen Betrag bezahlen, „so habe ich die Anschaffung der Geräte refinanziert“.

Ideen für neue Modelle hat Dieter Welz schon im Kopf. Ist das Münster dabei? „Nein, weil es das schon gibt.“ Allerdings ist das Papp-Münster nur käuflich zu erwerben bei einem Verlag.

Der Modellbau ist für den Ruheständler „nur das Winterhobby“. Im Sommer verbringt er seine Zeit lieber draußen, ist mit Frau und E-Bike unterwegs zu Ausflügen und Urlauben. Untätig ist er dabei  auch nicht: Auf seiner Homepage finden sich  – neben den Modellen – 30 Videos und Panoramen, Informationen zu Ausflugszielen und Radtouren mit GPS-Daten.

Geschichte Die Pauluskirche wurde in den Jahren 1908 bis 1910 als evangelische Garnisonskirche am Alten Friedhof erbaut. Architekt ist Theodor Fischer, er hat die Kirche als eine der ersten Betonkirchen in Deutschland geplant mit Elementen des Jugendstils und der Romanik. Der Innenraum hat ein säulenfreies Gewölbe in Sichtbeton, das sich mit seiner guten Akustik für Konzerte eignet. Äußerlich markant sind die 50 Meter hohen Doppeltürme, deren Form an syrische Getreidespeicher erinnern soll.

Nutzung Im Januar/Februar findet in der Pauluskirche die Vesperkirche statt, aktuell die 22. Auflage. Sie dauert bis 22. Februar.

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