Nachruf zum Tod von Jakob Resch

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Jakob Resch: kritisch, aber nie verletzend.  Foto: 

Im Moment tiefster Trauer neigt der Mensch zu Überhöhungen. Keine Übertreibung ist es, wenn wir sagen, dass die Redaktion der SÜDWEST PRESSE um einen ihrer beliebtesten Kollegen trauert. Wir müssen uns verabschieden von Jakob Resch, der sich – unfassbar für seine Familie und uns – aus dem Leben verabschiedet hat.

Seine Beliebtheit, die Wertschätzung, derer er sich bei uns allen so ehrlich erfreute, ist im Fall von Jakob Resch nicht selbstverständlich. Jakob war anders als alle von uns. Keiner, der mitschwamm auf den Wellen des Zeitgeistes. Keiner, der jedem lieb Kind sein mochte – und den gerade deswegen alle mochten. Jakob Resch war ein ganz Eigener. Er hatte ganz individuelle, weit über seinen in der Stadt geschätzten, von der leichtgängigen Feder bis zum ernsthaften Tiefgang reichenden Schreibstil hinaus gehende Qualitäten. So sehr er Individualist war, so wenig war Jakob ein Egoist. Er war erfüllt vom Teamgeist. Einer im Zentrum der Lokalredaktion. Er verfing sich nie im Mainstream, blieb sich immer selber treu.

Einer, der eben nicht nur schreiben konnte, sondern noch andere Fähigkeiten besaß. Er gehörte zum kleinen Kreis derer, die das Blatt verantwortlich und detailbesessen machten, der Neuerungen in der Zeitung wie das Redaktionssystem oder das Layout federführend erlernte, um seine Kenntnisse dann den Kolleginnen und Kollegen zu vermitteln. Als Jakob Resch nach dem Abitur Mitte der 1980er Jahre am Ulmer Theater ein Praktikum absolvierte, hätte ihn der damalige Intendant Pavel Fieber am liebsten behalten. Fieber schrieb in einem Zeugnis: „Herr Resch war sehr fleißig und im ganzen Haus wegen seiner Gründlichkeit beliebt.“ Als seien es Worte von heute.

Aus ihnen spricht, was wir auch über den Menschen Jakob Resch wissen: Er war immer zuerst auf andere bedacht, ehe er an sich dachte.

Ihm war nie etwas zu viel

Deswegen war ihm nie etwas zu viel. Und doch wurde spürbar, dass Lasten ihn beschwerten. Neben anderem die Schnelllebigkeit unserer Zeit, die mediale Rastlosigkeit. Er wollte kein Rad des Getriebenseins sein – und war wegen seines Pflichtbewusstseins eben doch ein Getriebener. Jedem Angebot, ihn zu entlasten, begegnete Jakob kurz und bündig: „Lass’ gut sein, ich mach’.“ Als habe er verinnerlicht, was er jedes Jahr am Schwörmontag vom Ulmer OB während der Schwörrede zu hören bekam: Zuerst geht es darum, Schaden von der Stadt, von der Allgemeinheit, vom Anderen zu nehmen.

Zu Jakob Resch, diesem nicht Liebedienerischen, gehörte, was nicht gewöhnlich ist für einen Nonkonformisten: Er war nicht nur der Stadt zugetan, sondern vor allem den Menschen in der Stadt. Den Söflingern und ihren Befindlichkeiten, den Ulmer Fußballern und ihrem Kampf um wieder bessere Zeiten, dem um Zukunft ringenden Großverein SSV 1846, den Kirchen und ihrem Stemmen gegen den zunehmenden Bedeutungsverlust; vor allem den Ulmer Stadtpolitikern, denen Jakob Resch jenseits von manch’ kritischer, aber nie verletzender Bemerkung doch stets unterstellte, der Stadt Bestes zu wollen. Jedenfalls begegnete er der oft so gescholtenen politischen Kaste fair und offen.

Unnachahmliche Sprache

Jakob Resch war ein Ulmer Kind: Spitalhofschule, Kepler, danach – was ihm später, im Redaktionsalltag, immer wieder den Blick über den Tellerrand des Tagesgeschehens öffnete – Studium der Politikwissenschaft, Neueren Geschichte und Kunstgeschichte. Fast zwangsläufig führte ihn dieses Studium anfangs in die SWP-Kulturredaktion, wo er sich erst mal als freier Mitarbeiter Sporen verdiente. Seine großartige Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge jedem verständlich und in einer unnachahmlich leichten und leicht verständlichen Sprache nahe zu bringen, ließ dann 1993 keinen Zweifel aufkommen: Der wird unser neuer Volontär.

Nicht vergessen sein darf an dieser Stelle, dass Jakob die journalistische Ader in die Wiege gelegt war. Sein Vater Simon Resch war als Fotograf der Schwäbischen Donau Zeitung, aus der die SÜDWEST PRESSE hervorgegangen ist, viele Jahre lang das Auge von Ulm/Neu-Ulm. Simon Resch hatte die Gabe, zu seinen Bildern auch Texte verfassen zu können. Bei Jakob war es andersherum: Er konnte seine fabelhaften Texte auch illustrieren – mit Fotos oder eigenen Zeichnungen, mit einem Strich, so pfiffig wie seine Schreibe. Erinnert sei nur an seine Illustrationen der Abschiedsbeilage für Alt-OB Ivo Gönner: dessen Schnauzbart als Titel-, der lichte Haarkranz als Schlussseite.

Der Schmerz ist unermesslich. In der Familie, vor allem bei den beiden Söhnen (19 und 21 Jahre alt), bei der Mutter. Auch in der Redaktion. Ulm/Neu-Ulm verliert einen herausragenden Journalisten. Jakob Resch wurde nur 50 Jahre alt.

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