Lucky Lou in der Gartenlaube

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„Lucky Lou“ ist ein kleiner Mischlingshund, der nach einer schweren Operation inzwischen im Tierheim lebt. Dass der 13-jährige Rüde überhaupt noch am Leben ist, ist eher einem Zufall zu verdanken – und zwei Polizeibeamten. Die hatten nämlich am Tag nach Heiligabend 2016 in der Gartenanlage Ruhetal zu tun, aus der mehrere Einbrüche in Gartenhäuser gemeldet worden waren.

Als sich die Beamten vor Ort umsahen, entdeckten sie in einem nur leicht befestigten Gartenhäuschen einen verwahrlosten Hund, der zitternd und winselnd in dem halboffenen Unterschlupf saß und nichts mehr zu fressen hatte. „Wir haben den Hund nie geschlagen und uns immer um ihn gekümmert“, sagte die 60-jährige Hundehalterin in gebrochenem Deutsch.

Über die Weihnachtstage 2016 war aber alles anders. Das Ehepaar flog nach Sizilien die Familie besuchen, konnte den Hund aber nicht mitnehmen, wie all die Jahre zuvor. Das Paar hatte bei seinem Sommerurlaub in Süditalien den Pass des Tieres vergessen und sich deshalb entschlossen, den 13-jährigen Hund alleine zurückzulassen. Und zwar in der Laube in ihrem Schrebergarten im Ruhetal. Eine Nachbarin war damit beauftragt worden, dem Hund einmal am Tag Futter und Wasser zu bringen, ansonsten war das Tier auf sich alleine gestellt. Mindestens eine Woche lang wollte das Paar in Italien bleiben.

Nicht artgerechte Haltung

Für die zwei Polizeibeamten, die am ersten Weihnachtsfeiertag zufällig den verlassenen Hund fanden, war die Unterbringung des Tieres alles andere als in Ordnung. Es sei ziemlich kalt gewesen, das Tier habe nur mit einer Decke auf einer Holzpalette gelegen, die auf den Steinboden gelegt war. Die Fenster bestanden aus Plexiglas, überall habe es durchgezogen. „Es war arschkalt“, drückte sich einer der Beamten deutlich aus, auch die Nachbarin bestätigte, dass die Temperaturen etwa um den Gefrierpunkt gelegen hätten.

Selbst für ein gesundes Tier, seien diese Bedingungen nicht artgerecht gewesen, sagte ein Vertreter des Veterinäramts. „Lucky Lou“ war aber nicht gesund, sondern seit Jahren krank. Schon 2005 hat ein Tierarzt den Mischling wegen einer chronischen Ohrentzündung behandelt und 2015 zu einer Operation geraten, weil das Tier auch noch mehrere Tumore hatte.

Passiert ist nichts, eine Erklärung hatte das Ehepaar aber auch nicht wirklich parat. Eine Operation hätte 600 bis 700 Euro gekostet, das war ihnen zu teuer. Und einschläfern wollten sie ihren Hund auch nicht, obwohl der Tierarzt unmissverständlich sagte, dass man konsequent hätte handeln müssen.

Der Zufall am Weihnachtsfeiertag dürfte für den Mischling die Rettung gewesen sein. Für das Ehepaar begann damit der Prozess, in dem sie jetzt jeweils zu Geldstrafen verurteilt wurden. Insgesamt lautete das Urteil bei beiden auf 90 Tagessätze, insgesamt 4950 Euro.

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