Kleine Große Haus ist bauhistorisches Juwel in Blaubeuren

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Das Türmle, das noch aus dem 15. Jahrhundert stammt, und die spezielle Quadermalerei an der Fassade sind Besonderheiten des Kleinen Großen Hauses.  Foto: 

Das Kleine Große Haus ist ein bauhistorisches Juwel in Blaubeuren. Es wird viel genutzt für Familienfeiern, Lesungen oder Konzerte genutzt. Jetzt hat es den Sanierungspreis des Landkreises erhalten. Das Gebäude aus dem Jahr 1483 ist in ganz außergewöhnlicher Weise von der Stiftung Kleines Großes Haus und dem zuständigen Architekten Markus Gebhardt saniert worden. Das ist in „höchster Qualität und mit viel Einfallsreichtum“ geschehen, lobte Eva-Britta Wind, Leiterin des Fachdienstes Bauen, Brand- und Katastrophenschutz im Kreistag bei der Preisverleihung

Kein Wunder, dass sich die Blaubeurer mit dem seit etwa drei Jahren als Veranstaltungsort genutzten Haus identifizieren. Die Termine des Bürgerhauses am Wochenende sind schnell ausgebucht. „Wir hätten nie geglaubt, dass das Haus so gut von den Bürgern angenommen wird“, sagt Christian Sigg, Vorstand der Stiftung Kleines Großes Haus. Nicht nur Lesungen, Konzert und Veranstaltungen der Volkshochschule finden in dem historischen Ambiente statt. Sogar aus Stuttgart oder vom Bodensee kommen  Nutzungsanfragen für Feiern. Besonders freut Sigg, dass nach der Schließung des Fabri-Instituts in Blaubeuren auch Mediziner der Uni Tübingen das Haus für Tagungen gebucht haben: „Davon kann ganz Blaubeuren profitieren.“

In 15-jähriger Arbeit hat die Stiftung „Kleines Großes Haus“ das Kulturdenkmal für rund 2,3 Millionen Euro komplett sanieren lassen. Sigg ist stolz darauf, dass die Stiftung am Ende sogar mit weniger Geld auskam, als noch zu Beginn der Sanierung geschätzt worden war – 1998 hatte man noch mit fünf Millionen Mark gerechnet. Die vielen Blaubeurer Spender wurden im historischen Schriftzug gleich neben der Eingangstür verewigt.

Im Laufe der Sanierung hat sich gezeigt, welche historische Bedeutung das Haus besitzt. Es ist eines der wenigen Zeugnisse spätmittelalterlicher bürgerlicher Baukultur in der Region. Daher ist es ein Glück, dass die Stiftung die ursprünglich in dem Haus geplanten modernen Eigentumswohnungen verhinderte.

Besucher des „Kleinen Großen Hauses“ können auf eine Zeitreise gehen. Sie sehen, was im 15. und 17. Jahrhundert als schön empfunden  und welche Bauelemente von dem Besitzer aus  der Oberschicht eingebracht wurden. Später wurde das Haus von den Besitzern immer mehr vernachlässigt. Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts herrschten dort kaum vorstellbare Zustände: Etwa 15 Menschen hausten zusammen mit Stalltieren unter einem Dach.

Architekt Markus Gebhardt, der das Sanierungsprojekt von Manfred Kurz übernommen hatte, arbeitete sich tief in die bautechnischen Besonderheiten ein. 1483 wurde das Gebäude im gotischen Baustil vermutlich als Pfarrhaus des Klosters Blaubeuren errichtet – allerdings mit auffälligen Eigenheiten wie einem Turmanbau, der den Blickkontakt in Richtung Rathaus ermöglichte. Und mit schön gestalteten großen Räumen, die wohl zu administrativen und repräsentativen Zwecken genutzt wurden. Teilweise wurden Hölzer noch wie im Spätmittelalter üblich verplattet, oft aber auch schon verzapft. Vermutet wird, dass die ausgereifte Fachwerkkonstruktion des Hauses von Zimmerleuten aus dem mitteldeutschen Raum ausgeführt wurde, die beim Bau des Blau­beurer Klosters beschäftigt waren. Einzigartig ist auch die Diamantquadermalerei am Außenputz des Hauses, die 1622 vom damaligen Besitzer, einem Untervogt, beauftragt wurde: Anders als bei vergleichbarer Renaissance-Architekturmalerei entsteht durch eine spezielle Technik der Eindruck einer Vertiefung im Quaderstein.

Die Einnahmen, die der Stiftung momentan aus der Vermietung des Hauses zufließen, werden genutzt, um Restarbeiten bei der Bemalung oder im Dachgeschoss auszuführen.

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