Amstetten: Sportwagen flog meterhoch durch den Wald

Mit „weit überhöhter Geschwindigkeit“ fuhr der Sportwagen, der am Sonntag zwischen Schalkstetten und Amstetten verunglückt ist, auf der Kreisstraße.

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Mit „weit überhöhter Geschwindigkeit“ fuhr der Sportwagen, der am Sonntag zwischen Schalkstetten und Amstetten verunglückt ist, nach Erkenntnissen des Gutachters auf der Kreisstraße durch den Ziegelwald, teilte die Polizei auf Anfrage mit. Dort gilt Tempo 80.

Bei dem schweren Unfall waren die 24-jährige Beifahrerin aus dem Raum Stuttgart und ein 15-Jähriger aus Biberach gestorben. Ein 16-Jähriger aus dem Alb-Donau-Kreis, der mit dem anderen Jungen auf der Rückbank saß, schwebt noch in Lebensgefahr, der 27-jährige Fahrer aus Ulm erlitt – anders als zunächst angenommen – nur leichte Verletzungen. Er konnte sich selbst aus dem Wrack befreien und stand auf der Straße, als die Einsatzkräfte eintrafen.

Der Mercedes-AMG, eine exklusive Tuning-Variante, war gegen 16.20 Uhr über die erste Kuppe  auf der Strecke geschossen und nach rechts auf das unbefestigte Bankett geraten. Der Fahrer versuchte gegenzusteuern, woraufhin der Sportwagen quer über die Fahrbahn schleuderte, sich mehrmals überschlug,  und in 3,50 Metern Höhe rund 50 Meter weit in den Wald flog. Vermutlich mit der Dachseite nach unten prallte das Fahrzeug gegen drei Bäume und brach die Spitzen ab, drehte sich noch einmal und kam zum Stehen. Ein nachfolgender Autofahrer leistete Erste Hilfe und alarmierte die Einsatzzentrale.

Rund 50 Rettungskräfte eilten zum Unfallort: Polizei, DRK mit Notärzten, die Freiwillige Feuerwehr Amstetten, Notfallseelsorge; auch ein Hubschrauber war im Einsatz. Ein Großaufgebot, denn zunächst sei man von vier Verletzten ausgegangen, sagte der stellvertretende Kreisbrandmeister Stefan Pistel. Den Rettern bot sich ein Bild der Verwüstung: Der Sportwagen war völlig zertrümmert, das Erdreich aufgewühlt, Bäume abgebrochen.

Spekulationen kursierten, weil die Airbags in dem Mercedes nur im Seitenbereich, aber nicht im Frontbereich ausgelöst hatten. Es sei grundsätzlich keine Seltenheit, dass sich nicht alle Airbags öffnen, erklärte Pistel. Die Systeme seien so intelligent, dass sie mittels Sensoren die Unfallsituation einschätzen. Nicht immer sei es von Vorteil, wenn ein Airbag auslöst.

Der stellvertretende Kreisbrandmeister hebt den „äußerst professionellen Einsatz“ der Feuerwehrleute hervor: Die Frau und die zwei Jungen mussten mit schwerem Gerät aus dem Unfallauto geborgen werden. Es sei eine sehr schwierige Situation gewesen, die Fahrzeugtechnik in den Griff zu bekommen. Das übliche Rettungsgerät habe nicht ausgereicht, um das sehr stabil gebaute Auto zu öffnen: „ein extrem hohes Stressniveau für die Einsatzkräfte“, erklärte Pistel. Zum Glück habe die Amstetter Wehr vor einem Jahr eine neue hochmoderne Rettungsschere angeschafft, mit der das Wrack dann geöffnet werden konnte.

101 000 Euro Sachschaden

Die persönlichen Umstände, etwa wie die vier Fahrzeuginsassen zueinander stehen, von wo sie kamen und wohin sie unterwegs waren, seien noch nicht klar, sagte Polizeisprecher Rudi Bauer. Dazu werden noch Zeugen vernommen. Geprüft würden auch Anhaltspunkte, wonach der Mercedes auf der Strecke mit mehreren Fahrzeugen in einer Kolonne unterwegs war.

Fest steht der Sachschaden: 100.000 Euro war nach Angaben der Polizei der nun zerstörte Mercedes-AMG wert, der Schaden in der Umgebung beläuft sich auf rund 1000 Euro.

Einsatz Als der stellvertretende Kreisbrandmeister Stefan Pistel am Sonntag zum Einsatz nach Amstetten fuhr, alarmierte er auch für die Feuerwehrleute einen Notfallseelsorger. Denn ein solch schwerer Einsatz mit zwei Toten hinterlasse seine Spuren. Pistel: „Wir rücken in aller Regel mit der Mission aus, zu retten.“

Notfallseelsorge Im Anschluss an den Einsatz habe es noch intensive Gespräche im Amstetter Feuerwehrhaus gegeben, sagte Pistel. Die dortigen Feuerwehrleute seien besonders belastet, da sie schon Anfang des Jahres bei einem schlimmen Unfall im Einsatz waren. Bestimmte Dinge könne man jedem mit auf den Weg geben, aber dennoch brauche jeder Zeit, um ein solches Ereignis zu verarbeiten. Das dauere erfahrungsgemäß bis zu vier Wochen.

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Kommentare

10.10.2017 15:48 Uhr

Tuningvariante

.... mal wieder ein gefundenes Fressen für die Anti Raser und Tuning Gegner....

Zur Korrektur, es handelt sich um ein SERIENFAHRZEUG, keine exklusive Variante....

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