Pliezhausen Üben für den Fall der Fälle

Doktor Ares Klöble (zweiter von links) erklärt den Teilnehmern die einzelnen Schritte zur labortechnischen Untersuchung der Wasserproben, die im Ernstfall ständig vorgenommen werden.
Doktor Ares Klöble (zweiter von links) erklärt den Teilnehmern die einzelnen Schritte zur labortechnischen Untersuchung der Wasserproben, die im Ernstfall ständig vorgenommen werden. © Foto: Mara Sander
Pliezhausen / Mara Sander 04.06.2018

Im Rahmen der landesweiten Trinkwasserübung „Tröpfle 2018“ hat die Fachgruppe Trinkwasserversorgung des Technischen Hilfswerks (THW) Tübingen mit einer Drei-Länder-Katastrophenschutzübung gezeigt, was sie kann, falls die Trinkwasserversorgung zusammenbricht.

 Regelmäßige Übungen sind wichtig für eine professionelle Zusammenarbeit im Ernstfall. Beteiligt ist dann nicht nur eine Ortsgruppe. Außerdem ist die Tübinger Wasseraufbereitungsanlage im mobilen Einsatz und könnte jederzeit aus anderen Orten angefordert werden.

Teilgenommen haben am Wochenende darum gleich sieben Ortsverbände aus drei Bundesländern: Baden-Württemberg, Bayern und Hessen.

Übungsszenario war, dass nach starken Regenfällen mit Überflutungen und Erdrutschen die Trinkwasserversorgung in Pliezhausen und Walddorfhäslach ausgefallen ist. Außerdem sei durch die anhaltenden Regenfälle eine Verschlechterung der Lage zu erwarten. Konkret war die Quelle in Rübgarten am Friedhof verunreinigt und damit auch der Hochbehälter, der dafür extra wieder in Betrieb genommen wurde. Dieser musste dann bei dem angenommenen Fall komplett abgepumpt, gereinigt sowie desinfiziert werden. Hinzu kam, dass noch ein Ersatzhochbehälter installiert werden musste.

 Bei einem Pressetermin an verschiedenen Orten in Pliezhausen überzeugten sich THW- und Feuerwehrführungskräfte, Kommunal-, Landes- und Bundespolitiker, darunter auch der zuständige Tübinger Regierungsvizepräsident Dr. Utz Remlinger, von der Leistungsfähigkeit der Fachgruppe Trinkwasserversorgung und aller Beteiligten.

 Neben Herstellung, Transport und Förderung zählt auch die Verteilung von Trinkwasser zu den Aufgaben dieser Gruppe, deren Mitglieder, darunter viele Ehrenamtliche, Fachwissen aus entsprechenden Berufen wie Maschinist, Schweißer, Trinkwasserlaborant oder Arzt mitbringen. Sie sind in der Lage verschmutztes Wasser wieder trinkbar zu machen und eine Ersatzleitung für die schnelle Versorgung der Bevölkerung aufzubauen. Darum umfasst die Geräteausstattung neben der Trinkwasseraufbereitungsanlage, die in Rübgarten aufgebaut war, Pumpen, PE-Rohrschweißgerät, Messgeräte, Leitungsmaterial, Wassertransport- und Lagerungsbehälter wie Falttanks und ein Wasserlabor.

Eine Ersatztrinkwasserentnahmestelle und das mobile Labor waren am Festplatz aufgebaut, um laufend die Qualität des Wassers kontrollieren zu können. Es war nach dem Einblick in die Führungsleitstelle die zweite Station der Besichtigungstour. Die Wasserproben werden im Ernstfall an das Gesundheitsamt zur Überprüfung geliefert und entsprechen deren Vorschriften. Der Tübinger Ortsverbandsbeauftragte, Dr. Ares Klöble, erklärte diverse Einzelheiten dazu. Die Führungsteilnehmer erfuhren Näheres zu Speicherung und Ausgabe des Trinkwassers im Notfall. Sie erlebten dann in Rübgarten wie dieProfis mit ihrer Aufbereitungsanlage, die Schwebstoffe und Mikroorganismen herausfiltert, aus schmutziger Brühe reines Trinkwasser produzieren. Bis zu 15 Kubikmeter Trinkwasser, die der deutschen Reinheitsnorm entsprechen, sind pro Stunde möglich.

 Pliezhausens Bürgermeister Christof Dold stellte den ausgedienten Hochbehälter für diese umfangreiche Übung zur Verfügung, da die Gemeinde wegen der angenommenen Größe des Schadensfalles um Amtshilfe gebeten wurde. „Das ist doch selbstverständlich und toll zu sehen, wie im Ernstfall alles funktionieren würde“, sagte Dold.

 Die letzte Station der Führung betraf den Versorgungsbereich für das leibliche Wohl während eines Einsatzes und war in der Küche der Mehrzweckhalle eingerichtet. Dort stellte das Team unter Beweis, dass auch im Notfall das Essen schmecken kann.

Technisches Hilfswerk

Das THW ist eine Bundesanstalt, die technische Hilfe im Zivil- und Katastrophenschutz leistet, auch im Ausland. Gegründet wurde es 1950. 99 Prozent der bundesweit rund 80 000 Mitglieder sind Ehrenamtliche. Das Technische Hilfswerk ist wie in Tübingen in Dienststellen und Ortsverbände unterteilt.

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