Bietigheim-Bissingen Timo Salzer im Interview: "Keine Zeit, an Aufstieg zu denken"

Timo Salzer gibt bei der Bietigheimer Zweitliga-Mannschaft die Richtung vor. Der Führungsspieler präsentiert sich seit Saisonbeginn in Topform.
Timo Salzer gibt bei der Bietigheimer Zweitliga-Mannschaft die Richtung vor. Der Führungsspieler präsentiert sich seit Saisonbeginn in Topform. © Foto: Avanti
ANDREAS EBERLE 03.05.2014
Timo Salzer ist bei der SG BBM Bietigheim ein wichtiger Führungsspieler. Im Interview spricht der 30-jährige Ex-Nationalspieler über einen möglichen Aufstieg in die Erste Bundesliga und das Arena-Heimspiel gegen Großwallstadt.

Noch vier Spiele bis zur Ersten Bundesliga - sind Sie schon in Aufstiegsstimmung?
TIMO SALZER: Bisher setze ich mich noch relativ wenig mit dem Thema Aufstieg auseinander - genauso wie der Rest der Mannschaft auch. Damit sind wir bisher gut gefahren, und das sollten wir auch so beibehalten. Immer, wenn in der Saison das Thema Aufstieg aufkam, hat uns das nicht gut getan.

Mal ehrlich: Lässt Sie der mögliche Sprung nach oben wirklich kalt?
SALZER: Uns hätte nichts besseres passieren können als die englischen Wochen, die wir zurzeit haben. Da hat man gar nicht viel Zeit, über einen möglichen Aufstieg nachzudenken oder Späßchen darüber zu machen. Es geht Schlag auf Schlag. Man kommt heim nach dem Spiel und muss sich dann gleich schon über den nächsten Gegner Gedanken machen.

Aber den Ehrgeiz, mit der SG BBM im Handball-Oberhaus anzutreten, haben Sie doch schon?
SALZER: Wenn ich jetzt nein sagen würde, wäre ich fehl am Platz. Jeder, der bei der Mannschaft oder im Umfeld dabei ist, hat dieses Ziel. Selbst wenn man in der Ersten Liga den Großteil der Spiele verliert und gegen den Abstieg spielt - es ist einfach etwas anderes, in Kiel oder Hamburg zu spielen als in einer Turnhalle in der Zweiten Liga.

Könnten Verein und Mannschaft in der deutschen Eliteklasse, der besten Liga der Welt, überhaupt bestehen?
SALZER: Vereine wie Friesenheim, Hüttenberg und Neuhausen haben gezeigt, dass man auch mit so einer Mannschaft mithalten und sich behaupten kann, auch wenn sie letztlich wieder abgestiegen sind. Eine Chance hat man immer. Wichtig ist, dass man sich gut auf die neuen Aufgaben einstellt und alle an einem Strang ziehen.

Im Lauf dieser Saison sind nach und nach vier Stützen durch Verletzungen aus dem Team herausgebrochen. Wie hat die Mannschaft diese langfristigen Ausfälle kompensiert?
SALZER: Am Anfang haben wir nach den ersten drei Verletzungen gegen Hüttenberg und Leutershausen zwei Spiele gebraucht, um uns zu fangen. Es gibt zwei Alternativen: Entweder du weinst rum und beklagst dich über das Verletzungspech. Oder du rückst als Mannschaft enger zusammen. Jeder Spieler weiß, dass er gebraucht wird, und dass er hundertprozentig spielt. So eine Sicherheit ist nicht zu unterschätzen. Dass wir trotz der Ausfälle immer noch genügend Qualität im Kader haben, sieht man.

Sind Sie überrascht, dass Talente wie Marco Rentschler oder Paco Barthe seit Wochen so groß auftrumpfen?
SALZER: Die jungen Spieler haben ja schon in der vergangenen Saison bei uns mittrainiert. Was sie können, haben wir alle gewusst. Durch die Ausfälle bekamen sie mehr Einsatzzeiten und sind an ihren Aufgaben gewachsen. Sie wissen, dass sie Fehler machen dürfen, und sie reißen sich im Training den Hintern auf, um besser zu werden. Das schlägt sich dann im Spiel nieder.

Verraten Sie uns das Erfolgsgeheimnis für den Bietigheimer Höhenflug?
SALZER: Wichtig ist, dass wir alle auf dem Teppich geblieben sind, und dass wir gut, konzentriert und kontinuierlich weitergearbeitet haben. Und hinten heraus sind wir bei den Spielen oft fitter als unsere Gegner. Das ist das Ergebnis monatelanger Trainingsarbeit. Das zahlt sich jetzt aus.

An diesem Samstag kommt nun mit dem TV Großwallstadt ein Verein in die EgeTrans Arena, für den es um nichts mehr geht. Ist das ein Vorteil?
SALZER: Das weiß ich nicht. Man sagt ja auch, dass solche Teams befreit aufspielen können. Großwallstadt ist eine sehr launische Mannschaft, eine echte Wundertüte. Das war sie aber auch schon, als es noch um etwas ging. Der Gegner hat sehr viel Potenzial, schafft es aber nicht immer, dieses auch abzurufen. Da hängt viel von der Tagesform ab.

Die Arena im Ellental ist für die Bietigheimer Mannschaft ungewohnt, das bisher einzige Spiel dort ging in der vergangenen Saison gegen Saarlouis verloren. Ist die Halle ein schlechtes Pflaster für die SG BBM?
SALZER: Wir haben uns in dieser Saison bisher in größeren Hallen immer leichter getan und uns besser gefühlt. Darum sehe ich es eher als Vorteil, dass wir in dieser Arena spielen - und sie ist diesmal wesentlich wärmer als beim letzten Spiel dort, das im Winter stattfand. Die Niederlage ist längst abgehakt.

2012/2013 spielten Sie eine nur mäßige Saison, in dieser Runde blühen Sie richtig auf und zeigen überragende Auftritte. Was steckt hinter Ihrer Leistungsexplosion?
SALZER: Das Vertrauen vom Trainer ist eine Sache. Was wir in dieser Saison spielen, ist mehr mein Handball - disziplinierter und wesentlich strukturierter. In der vergangenen Saison habe ich viel zu viel Energie dafür verschwendet, meine Vorstellungen durchzusetzen, was aber leider nicht machbar war. Obwohl die Mannschaft nicht groß verändert wurde, sieht man jetzt, was man erreichen kann, wenn man sich an seine Philosophie hält.

Sie sind einer der wenigen erfahrenen Handballer in der Mannschaft. Wie sehen Sie Ihre Rolle?
SALZER: Natürlich habe ich als älterer Spieler und jetzt als Kapitän nach dem Ausfall von Christian Heuberger ein paar Aufgaben mehr. Bei uns lastet die Verantwortung aber nicht nur auf einem Spieler, sondern sie ist gut auf alle verteilt. Das macht uns stark. Wir haben eine flache Hierarchie. Auch die jungen Spieler haben etwas zu sagen.

Hartmut Mayerhoffer schätzt Sie als einen Spieler, der immer eine professionelle Einstellung hat und zu 100 Prozent verlässlich ist. Wie würden Sie Ihren Trainer charakterisieren?
SALZER: Hartmut Mayerhoffer ist sehr akribisch, egal ob bei der Trainingsvorbereitung oder beim Video. Er ist ein sehr umgänglicher Typ, zu Scherzen aufgelegt und relativ locker. Jeder im Team kann gut mit ihm, und das ist auch wichtig. Er fördert das auch. Er hört in die Mannschaft rein, redet viel mit den Spielern und nimmt die Stimmung auf. Er ist genau der Typ, den wir gebraucht haben. Ein Diktator, der von oben alles dirigiert, würde nicht zu uns passen.


Zur Person vom 3. Mai 2014

Timo Salzer spielte zwischen 2006 und 2010 für die HSG Wetzlar in der Ersten Bundesliga und bestritt in dieser Zeit auch elf Länderspiele für die deutsche Handball-Nationalmannschaft. Sein größter Erfolg war der EM-Titel 2004 mit den DHB-Junioren. Der gebürtige Bietigheim-Bissinger wechselte 2012 zur SG BBM. Er wohnt in Löchgau, ist verheiratet mit Kathrin und hat zwei Kinder, Vesna (3) und Tian (1).